"Blunted on a weird couch - Von Faulheit bis zur Putzfrau"

deadly.Hyena
So Leute.. Diese Geschichte habe ich in einem anderem Forum gefunden. Es ist eine selbsterlebte Story die der Schreiber niedergebracht hat. Ich finde sie einfach Irre witzig und wollte das ihr daran teilhabt LACHEN BIG GRIN Ich hoffe sie gefällt euch. Sie ist lang, aber es lohnt sich!!

Zitat:

Hey Ho Freunde der ewig benebelten Sinne,

ich bin noch nicht allzu lange hier, habe mir aber gerade überlegt hier eine meiner für mich beeindruckensten Drug-Storys zum Besten zu geben.
Das ganze ist schon ein wenig länger her, aber ich erinnere mich als wäre es gestern gewesen, zumal ich sogar eine zweistündige Videoaufnahme dieses 'Weed-Trips' besitze. Mittlerweile habe ich das 21. Lebensjahr erreicht und der Canabiskonsum ist mittlerweile so gängig, dass Situationen und Geschehenisse, wie an diesem besagten abend, nicht mehr möglich sind.

Vorwort:

Es ist Sommer. Sommer, 2002. Ich bin 18. Ich gehe auf eine Hochschule und obwohl ich größtenteils den wiederlich, ekligen Fesseln der Pubertät entsprungen bin kotzt mich mein Beruf als Schüler extrem an, was mich zu dem Schluss bringt den Großteil meiner Schulzeit zu Hause, in meinem Bett, vor dem TV und der Playstation zu verbringen. Verpassen werde ich aber definitiv nichts, da ich ein Mensch bin, der keine Niederlage akzeptiert. Ich werde nur 60% der Schulzeit anwesend sein, aber ich werde mein Abitur schaffen. Ich habe ein recht gutes Verhältnis zu meinen Eltern, ein (leider) eher schlechtes Verhältnis zu meinen jüngeren Geschwistern. Ich bin ein friedlicher, vernünftiger und humorvoller Typ. Selbstbewusst, lustig, größtenteils beliebt und gern gesehen.

Mein Freundeskreis besteht aus insgesamt 4 Leuten.

Heinrich: 19 Jahre alt. Ein exzentrischer Typ. Dickköpfig. Ungewollt humoristisch in seinem Auftreten, da er so trocken rüberkommt, dass selbst die ernstgemeintesten Sachen seine Mitmenschen zum Lachen veranlassen. Berufswunsch: Polizist. Trotzdem Hardcorkiffer... mit Prinzipien.

Tim: 19 Jahre auf'm Kasten. Klein, dick, sehr selbstbewusst. Macht was er will, wann er will und kommt damit ganz gut durch. Arbeitet auf'm Bau und kommt insgesamt als gefestigter Charakter auch so rüber. Nicht auf den ersten Blick erkennbar: SEHR humorvoll und sehr anpassungsfähig.

Robbin: 17 Jahre alt. Groß, dick. Selbstherrlich, selbstbewusst, selbstgefällig teilweise komplett unbegründet arrogant und sehr "Ich"-bezogen, jedoch kein Egoist. Sehr lustiger Typ. Wer ihn nicht kennt hasst ihn, da sein Äußeres in keinster Weise zu seinem Verhalten passt. Er gibt keinen fuck auf das was Leute von ihm denken und lässt das auch jeden wissen.

TiLL: Der Krasse. Das Wiesel. Der Gnom. Der Analphabet. Der Typ is genau das, wofür Gott sich schämen würde, würde es einen geben. Ich zweifele an an der Existenz Gottes, seitdem ich Till kenne. Er ist ca. 1,60cm groß, 23 Jahre alt, dürr, irgendwie leicht deformiert in seiner Gestalt. Sein Kopf ist viel zu groß für seinen Körper. Er ist Analphabet und doof. "Wie, doof?" Fragt ihr euch. Naja, doof. Doof in jeder Hinsicht, die das Wort "Doof" bietet. Er ist blöd. Dennoch weiß er was er will. Er arbeitet offiziell in einer Einrichtung, die geistig und körperlich behindetet beschäftigen soll. Nicht etwa als Betreuer oder dergleichen. Nein, als "Beschäftigter".
Till ist eine Granate. Tills Eltern sind wohlhabend, reich, haben Geld wie Scheiße und 'nen riesiges Haus. Wie das bei Anwälten halt so aussieht. Till hat in diesem Haus seine eigene Wohung. Seine Eltern mögen ihn nicht. Sie können ihn nicht leiden, wahrscheinlich weil er durch seine leicht behinderte Ader dem Ansehen der gesamten Familie schadet. Till bringt zum Beispiel sprüche, wie (und das im vollen Ernst) "Hier, wenn ich deine Schwester heiraten würde... ähm, nee, ich mein, wenn ich jetz deinen Bruder... ach nee, warte ma, wenn ich deine Schwester heirate, sind wir zwei dann Brüder?" - "Nein Till..." - "Ach, äh, ich meinte Geschwister" - "Nein Till, das auch nicht".
Till ist also ein kleines Geschenk Gottes, welches dir viele amüsante Stunden bescheren kann, wenn du nett zu ihm bist.

Wir wohnen alle noch zu Hause. Unsere Eltern sind nicht von der Sorte "Scheiß drauf was mein Sohn macht, interessiert mich nicht.". Unsere Eltern sind gute Eltern. Sie informieren sich über uns, sie wollen wissen wo wir sind, was wir machen. Wir haben sämtliche Freiheiten, die ein 18-jähriger so hat, also alle, da unsere Eltern wissen, dass wir prinzipiell anständige Jungs sind. Das heißt allerdings, dass wir uns eben nicht zu Hause ins Zimmer chillen und Joints ziehen können. Ein Ding der Unmöglichkeit. So eine Aktion würde wahrscheinlich den sofortigen Rausschmiss zur Folge haben. Also brauchen wir eine Bude, wo wir smoken können. Aha, hallo Till.

Wir gehen jedes 3. Wochenende zu Till um zu kiffen. Noch kiffen wir alle nicht oft und wenn, dann nur sehr wenig. Wir kiffen.... er säuft. Till ist schon halber Alkoholiker.

Es ist ein Freitag im Juli, mitten im Sommer. Ein schöner Tag, nicht zu heiß, genau richtig. Normalerweise würde ich gerade von der Schule nach Hause kommen. Aber ich bin schon zu Hause. Ich hielt es einmal mehr für unnötig meine beschissene Klasse und meinen noch beschisseneren Lehrer zu sehen. Es ist 14:00 Uhr und mein Telefon klingelt. Wer wagt es mich um 14:00 Uhr zu wecken? "Peace, was geht so?" - "Mmh, alles cool, wer isn da?" - "Ey Mann, hier is Mike (Dealer vom Dienst), pass auf, haste Bock auf was richtig leckeres?" - "Achso, hallo Mike, was is?" - "Ob du Bock auf was leckeres hast, ich halt hier gerade pures Gold in der Hand und war so freundlich an dich zu denken du Spast, also komm jetz ma kurz klar und komm hier her" - "Fuck, ja, alles klar, bin gleich da.".
Ich mach mich auf'n Weg und bin noch total im Arsch. Kennt ihr das? Man hat dieses Gefühl dreckig zu sein. Draußen scheint die Sonne, alle tänzeln fröhlich die Straße entlang, alle sehen so frisch aus, so gut gelaunt und du läufst unsicher und wackelig, wie ein Zombie. Deine Augen sind zwei kleine blinzelnde Schlitze, weil sie sich noch nicht an das Licht gewöhnt haben. Ungewaschen, verschlafen und mit einem leicht pelzigen Geschmack im Mund sitze ich im Bus und frage mich was Mike wohl tolles für mich hat. Ist es Gras? Wär schon toll, zumal wir ja nicht allzu oft rauchen und da am Wochenende eh noch nix geht wäre das doch mal echt was feines. Der Weg hätte sich gelohnt. Ist es vielleicht die Prüfung für die Matheklausur? Wär fast noch besser. Oder hat er einfach nur 'n krasses neues Album oder 'nen neuen Film? Wäre es eines der beiden Sachen würde ich ihm wahrscheinlich sofort die Faust ins Gesicht hauen und wortlos den Heimweg einschlagen und in mein Bett zurückkehren.
Ich stehe vor Mikes Haustür. Ich will klingeln als plötzlich die Tür auffliegt und 3 (super heiße) Mädels rauskommen. Sie mustern mich kurz, gucken sich an und fangen an zu lachen. "Ja, ganz klasse, fickt euch ihr n*tten", denk ich mir und hoffe das Gelächter war nur 'ne Reaktion auf mein verpenntes, verranztes Äußeres.
Ich geh rein und begrüße Mike. "Yo Mike, was geht" - "ÖÖÖÖÖY, DENNIS!" - "Boah, schrei nich so, was warn denn das für behinderte Frauen die mir da grad entgegengejumped sind?" - "Ach, das warn....". Unwichtig. Ich frage ihn was SOOO toll is, dass er mich ausm Bett holen müsse. Er greift kurz unter sein Bett und holt eine riesige Plastiktüte hervor. "Isses das was ich glaube?", frag ich. "Nee, ganz sicher nich!", sacht er. Ich gucke noch skeptischer als vorher und warte geduldig. Er macht allerdings keine Anstalten die fucking Tüte zu öffnen, sondern grinst mich so behindert an, dass ich fast sauer werde. "Jetzt mach die scheiß Tüte auf oder sag mir was da drin is, sonst raste ich gleich aus hier. Ich bin vor 25 Minuten aufgestanden, mach nich son Scheiß mit mir". Seine euphorisch gut gelaunte Grins-Visage verzieht sich etwas, als sei er beleidigt dass ich ihm seinen heldenhaften Auftritt nich gönne. "Is gut mann, sei nich immer so'n Spielverderber, du wirst mir gleich die Füße küssen." - "Das bezweifel ich.". Er macht die Tüte auf und es fängt sofort an zu stinken. Ja, stinken. Ein Gestank, das hab ich noch nich erlebt. Es hat richtig übel gestunken! Kein angenehm fremdartiger Geruch, sondern richtig penetranter Gestank. Beißend, irgendwie fast schon schimmelig. "Hast du dein tolles 'Gold' geschissen oder was?"... Er lacht. "Hier, schnupper ma dran.". Ich nehm die Tüte und nehm 'nen tiefen Zug. Ich glaub ich hatte vorher nie weed in der Hand gehabt dass so intensiv gerochen/gestunken hat. Er holt ne dicke, fette Blüte aus der Tüte und als ob der Geruch nich schon krass genug gewesen wär, is das zeuch auch noch blau-rötlich. Für mich war klar, dass ich davon auf jeden Fall was einpacke. SOWAS mal parat zu haben is nie verkehrt. Ich sag also "Ja, schicke Sache, dann mach mir doch mal was für'n Zwanni ab.". Er guckt mich an und sagt "Fick dich. Unter 50 geht nix.". Toll, so viel Geld habe ich nicht dabei. Was mache ich jetz? Genau, ich werd sauer. "Du bist doch'n Affe, echt. Klingelst mich ausm bett, holst mich hier her und sagst mir dann dass ich unter 50 nix kriege. Du bist vielleicht'n Spast. Was soll ich denn mit weed für 50€ anfangen? Das kiff ich doch in 3 Jahren nich weg! Für 20€ wird mir schon für mehrer Wochen reichen, das weißt du". Naja, alles half nix. Ich also zur Bank nebenan, nen Fuffi abgehoben und mich überreden lassen für 70€ einzukaufen. Ich bin verrückt. Total verrückt. Was hab ich mir dabei gedacht?

Ich trete geteilter Meinung, mit gemischten Gefühlen den Heimweg an. "YESS, krass viel, leckeres, weed ///\\\ scheiße alter, 70€ ausgegeben, ich hab viel zu viel weed!". Ich komme nach Hause, mit diesem STINKENDEM Zeug. Ich packs weg und gehe duschen.

17:00 Uhr, mein Telefon klingelt. "Dennis?" - "Ja? Wer isn das?" - "Hier is Dennis" - "Was? HIER is Dennis, bist du das Till?" - "Äh, ja, genau, hier is Till, Dennis?" - "JAAAAHAAA, was gibts denn?" - "Ja nix, ich wollt nur fragen ob ihr nich kommen wollt!?" - "Jo, Till, weiß nich, was sagen denn deine Eltern dazu?" - "Ach, scheiß doch drauf, wenn ich nich wieder 10 mal hochrennen muss um euch was zu fressen zu holen dann passt das" - "Ja gut, ich ruf ma die anderen an, ich sag dir dann bescheid." - "Alles klar, dann bis später".

Ich ruf die anderen Pappnasen an und erzähle von meiner fetten Beute und Tills lustigem Anruf.
Es ist nun fast schon 4 Wochen her das wir was geraucht haben und sind deshalb echt heiß drauf. Mein Vorschlag uns Videos zu leihen, ne Pizza zu bestellen, im Edeka noch Schnucke und Coke zu organsieren und bei Till die ganze Nacht durch zu smoken trifft bei meinen Kollegen also auf absolute Begeisterung. Damit fängt der einer der durchsten abenden in meinem Leben an.

Wir (Tim, Heinrich, Robbin & ich) treffen uns also am Edeka. Es ist ca. 18:00 Uhr, es wird milder draußen, dennoch herrlich warm. Fast angenehmer als die penetrante Hitze am Mittag. Heinrich will plötzlich das weed sehen. "Lass uns doch erstma was einkaufen gehen, kannst es dir doch dann bei Till angucken." - "Ey komm, nur ma kurz angucken, mach doch nich so komisch. Wir gehen einfach dahinten im Park kurz auf die Wiese und ich gucks mir an. Du meintest doch das wär voll krass!?". Alles klar. Bis 19:30 hat das Ding offen, also is noch Zeit. Wir marschieren in den Park und setzen uns auf die Wiese. Ich hol 'ne kleine Blüte aus dem Druggy-Bag und geb sie Heinrich. Er inspiziert diese aufs genauste und kommt schließlich zu dem Schluss "Vom allerfeinsten" - (Tim) "Woher willst DU denn das wissen?" - "Ich kenn mich aus..." - "Haha, ja sicher.". Heinrich will sofort einen bauen ("Ich mach nur minimal rein, um's anzutesten") und ich lasse ihn, fest in dem Glauben er will den erst bei Till hitten. Falsch gedacht. Wir stehen auf und Heinrich lightet den J. Ich hab keinen Bock auf Stress und lass mir das Gefallen. Warum nich!?
Er ist begeistert vom Geschmack und is nach 3 tiefen Zügen sichtlich bedient. Er reicht mir den Sticky und nehm einen tiefen Zug. Das erste was mir auffiel war dieser absolut krasse Geschmack, den ich schon über meine lippen wahrnehmen konnte, als ich den Tip in den Mund nahm. Der Tip war schon nach den 3 Zügen von Heinrich so verharzt, unfassbar. Kein Druck in der Lunge, absolut angenehm, beim ausatmen entfaltete sich der herrliche Geschmack dieses Weeds erst richtig. ich gucke in den blauen Himmel und bin mir sicher 'Sowas hab ich noch nich geraucht'. Ich nehme einen weiteren Zug... und noch einen. Noch einen letzten, dann sehe ich schon wie Tim und Robbin nervös rüberschauen, so nach dem Motto 'na, hoffentlich bleibt für uns auch noch was'. Ich passe den J. und und mache kurz die Augen zu, während wir über die Wiese zum Edeka spazieren. Während meine Augen geschlossen sind kann ich nur noch dumpf die Geräusche meiner Umgebung wahrnehmen... ich höre Robbin noch sagen "AlTeR hAuT DaS ZeUg ReIn", irgendwie total dumpf und verschwommen. Ich mache die Augen auf und sehe dass wir von der Wiese runter, auf dem Kiesweg unmittelbar vor dem Edeka stehen. Irgendwie will ich mir nicht recht zutrauen jetzt einzukaufen. Scheiß drauf. Wir entern diesen riesigen, seltsamen Komplex voller riesiger, seltsamer Menschen. Kaum drin frage ich sofort "Sind wir vollzählig?" woraufhin Robbin, Tim und heinrich einen Lachflash schieben. "Wie son scheiß Lehrer auf ner Klassenfahrt! HAHAHAHA". Die hören garnicht mehr auf. Ich konnte in dem Moment nichts lustiges daran finden. Ich wollte das alles glatt läuft und das wir so schnell wie möglich aus dieser gelben Edeka Hölle rauskommen. Ich laufe jeden Gang des Ladens ab und suche nach Waffeln. "Waffeln, Waffeln... wer is das? Kenn ich den Typ nich? Kennt der mich? Warum guckt der so? Hat der da gerade was in das Eisfach gelegt? Was hatn der da reingelegt?" Ich laufe zum Eisfach. Ich mach die Schiebetür auf und durchforste die Kühltrue nach einem evtl. dreckigen Geheimnis. Ich finde nichts. Ich drehe mich einmal im Kreis und sehe keinen meiner Begleiter. Ich kriege es mit der Angst zutun und schreie "ROBBIN!... ROBBIN!..... TIIM?..." von irgendwo kam ein "Ja?". Ich schreie wieder "TIM? WO SEID IHR DENN?". "HIER!", tönt es von irgendwo her. Ich schreie wieder. "WO DENN? KOMMT MA HIER HER! ICH BIN AM EISFACH! HIER HAT EINER WAS REINGELEGT!". Nach und nach trotten meine Leute an und ich muss mich wundern, wie übertrieben zugedichtet Heinrich aussieht. Heinrich hat währenddessen eine Chipstüte aufgemacht und angefangen zu essen. Im Laden. "Wer hat wo was reingemacht?" - "Vergiss es. Habt ihr alles?" - "Wir sind doch grad erst gekommen, ich brauch noch was zu saufen, warte ma". Plötzlich stehe ich wieder alleine da. Ich laufe die Gänge ab. ich stehe an der Käsetheke und schreie erneut nach meinen Freunden. Ich werde von 2 Edeka-mitarbeitern aufgefordert leiser zu sein oder das Geschäft zu verlassen. Meine Antwort "Ich hab meine Freunde verloren, wir hatten noch so viel vor.". Daraufhin habe ich mit einem Stück Gauda-Käse den Laden verlassen. Den Gaudakäse hatte ich zuvor gekauft, warum weiß der Teufel. Ich weiß es wirklich nicht. Ich wollte Waffeln, Cola, Gummibärchen und eine Tafel Milka. Verlassen habe ich den Laden mit einem Stück Gauda-käse.
Draußen erwartet mich Heinrich. Er hat Hausverbot und wurde rausgeschmissen weil er eine Tüte Chips, eine Packung Eiscreme und eine Cola im Laden öffnete ohne sie vorher bezahlt zu haben. Außerdem hat er sich mehrere Minuten kaputtgelacht, als sich der Geschäftsführer bei dem Satz "...sonst hole ich die Polizei" versprochen hatte und stattdessen sagte "...sonst hole ich die Bolizei".
Die anderen beiden waren offensichtlich erfolgreicher und kommen uns mit zwei vollen Edekatüten entgegen. Mission Complete.
Wir treten also den Weg zu Till an.

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-------------/// reloaded
Teil 2

Ich laufe neben Heinrich. Irgendwie isses schon komisch. Wenn man selbst saudicht ist, dann sucht man sich jemanden der ungefähr genauso dicht, im besten Falle noch viel dichter ist. Vor uns laufen Tim und Robbin und unterhalten sich über fragwürdige Vorgehensweisen der Sonderkommandos bei Geiselnahmen. Heinrich und ich reden nicht. Wir genießen das absolute high das wir gerade erleben und er wundert sich höchstwahrscheinlich genauso wie ich über die extrem starke Wirkung bei dem Mischverhältnis. Ich höre meinen Vordermännern eigentlich nicht zu, ich frage mich innerlich ständig wo mein Stück Käse hin ist. Habe ich es gegessen? Ich schnalze mit der Zunge um im besten Falle Überreste eines Käsegeschmacks herauszufiltern und somit meine Frage zu beantworten. Fuck. Neutral. Kein Käsegeschmack. Hab ich ihn weggeschmissen? Nein, würde ich nich machen. Eher würde ich ihn einpacken und aufheben, selbst wenn ich mir sicher bin dass ich ihn nicht essen will. Vielleicht ist er mir runtergefallen!? ich drehe mich beim Gehen mehrere male nach hinten um und taste mit den Augen die abgelaufene Strecke nach einem Stück Gauda ab - ohne Erfolg. "Hast du meinen scheiß Käse gesehen?", frag ich Heinrich. Heinrich habe ich seit seinem Fressflash im Edeka nicht mehr sprechen hören. Er setzt eine nachdenkliche Mine auf und antwortet "pffff.. öhm... nee." - "Aber du hast gesehen dass ich ihn in der Hand hatte, ne?" - "Scheiß doch auf den Käse...". Damit hat Heinrich es auf den Punkt gebracht. Ich scheiße drauf. Die Stimmen vor mir werden lauter, irgendwie scheint sich die Diskussion zu einer kleinen Meinungsverschiedenheit zu entwickeln. Ist ja immer dasselbe. Erst fängt man an sich über ein Thema gemeinsamen Interesses zu unterhalten. Man tauscht sich aus, gewinnt evtl. neue Ansichten und Blickpunkte und lässt sich Denkanstöße geben. Das geht eine Zeitlang gut, bis es um eine Grundsatz Angelegenheit geht.
Robbin wirkt leicht sauer, hört Tims Ausführungen aber geduldig zu. Es ist ihm anzusehen dass er aber eigentlich nur darauf wartet endlich seine Argumente straight in Richtung Tim zu schießen. Hinzu kommt, dass Robbin scheiße breit is und deswegen Blut und Wasser schwitzt nur um an seinem Gedanken festhalten zu können. Wahrscheinlich würde er gerade viel lieber Creutzfeld & Jakob hören, als Tim's Theorie über die perfekte Geiselnahme.
Tim redet und redet... redet, redet... redet immernoch... hört garnicht mehr auf zu reden. "........ verstehst du was ich meine? Du KANNST als Bulle nich einfach 'ne Geisel erschießen! Auch wenn du damit die anderen 100 Geiseln rettest!". Damit hat Tim wohl recht. Völlig unerwartet hör ich Heinrich neben mir in gewohnt trockenem Tonfall nuscheln "Wer einen Kuchen backen will, muss ein paar Eier zerschlagen". Damit war die komplette Diskussion beendet. Von Tim kommt noch ein leises "Scheiße is der Typ kompromisslos...", woraufhin Heinrich nur kurz mit den Schultern zuckt.
Keiner von uns redet mehr, seit ca. 10 Minuten. Wir stapfen schweren Schrittes die Straße entlang, alle mit dem gleichen Ziel vor Augen: Tills Wohnung, Joints, TV, Fressen. In diesem Moment hätte ein Gedankenleser seinen Spaß gehabt. Wahrscheinlich sehen wir aus wie heldenhafte Soldaten, die geradewegs aus dem Krieg kommen, erschöpft und ausgelaugt Richtung Heimat wandernd. Dieses sehnsüchtige Glitzern in den Augen... - ja, das haben wir auch.
"Hat einer von euch an den 6er-Träger für Till gedacht? Der lässt uns sonst nich rein!", sagt Robbin plötzlich während er sich zu mir und Heinrich nach hinten umdreht. Ein Blick auf unsere leeren Hände war die Antwort die er bekam. "Ach fuck, was habt ihr dadrin eigentlich gemacht wenn ich ma fragen darf?" - "Was gegessen...", anwortet Heinrich. "Käse gekauft... glaub ich", antworte ich ihm.
Robbin springt in die nächste Tankstelle und kommt kurz darauf mit dem Schlüssel zu unserem Glück wieder raus. "Was meinstn wie lange wir noch laufen?", fragt Tim. "Pf, kein Plan. Halbe Stunde? Dreiviertelstu", versucht Robbin zu antworten. - "WAS? NÄ! Auf keinsten! Wir nehm uns nen Taxi oder fahrn mit der Bahn, aber DAS mach ich auf keinsten mit", unterbricht ihn Heinrich. Heinrich is nich einer dieser Kiffer die aktiv von dem Zeuch werden. Er wird faul, träge... und wenn er nix zu trinken oder zu essen hat, dann kanns auch passieren dass er leicht aggressiv und miesepetrig wird. Gut, wir wollen Heinrich nicht verärgern und entscheiden uns an der nächsten Haltestelle auf eine Bahn zu warten.
Heinrich geht an den Fahrplan. An seinem Gesichtsausdruck kann ich erkennen, dass die nächste Bahn frühstens in 15 Minuten kommt. Ihm kommt eine glorreiche Idee: "Ey Jungs, wir könnten noch einen rauchen bis die Bahn kommt. Die nächste kommt erst in 20 Minuten!... Wir müssen ja nich mehr laufen oder so, wir chillen uns in die Bahn und fahren direkt vor Tills Haustür, was gehtn!? Is doch kein Ding oder? Los...". Ich weiß nicht ob es an Heinrich's Überredungskunst liegt, oder daran, dass wir noch total stoned sind und nicht mehr Gut von Böse unterscheiden können, aber wir finden die Idee total klasse und diesmal ist die Blüte, die ich aus meinem Druggy-Bag zaubere doppelt so groß wie das letzte mal. Heinrich baut, wie immer mit vollem Einsatz und bemerkenswertem Ehrgeiz. Man sollte Heinrich nicht ansprechen wenn er gerade baut. Das ist ungefähr so, als würde man Mozart anschreien, während er komponiert.
Der Baumstamm (wie Heinrich ihn spontan taufte) macht die Runde. Heinrich-Ich-Tim-Robbin. Im Gegensatz zum letzten Joint erreicht mich dieser ein zweites mal, was mich etwas skeptisch macht. Ich gucke Heinrich etwas ängstlich an... "Meinst du wir kommen heil an?", frag ich ihn. - "Bomben sind nie gut, merk dir das. Man kann alles wieder rückgängig machen, aber wenn du erstmal ne Bombe gezündet hast, dann is alles vorbei, da geht nix mehr. Fuck, so 'ne richtig dicke Bombe kann echt viel kaputt machen. Da wächst nix mehr." antwortet mir Heinrich völlig ernst. Ich gucke Robbin fragend und hilfesuchend an. Robbin gibt den Blick weiter an Tim. Tim nimmt einen tiefen zug vom "Baumstamm" und sagt "Ey hardcore. Kein Plan was der Typ gerade will...".
Lachflash. Die Bahn kommt und wir lachen immernoch. Wir kichern nicht, wir lachen. Wir lachen uns tot. Robbin hat es am schlimmsten erwischt. Er weint vor lachen. Er leidet offensichtlich unter den starken Vibrationen seines Zwerchfells und hält sich schützend den Bauch. Die Türen der Bahn gehen auf und ich springe hinein, rutsche dabei leicht von der Stufe ab und knalle mit dem Knie auf den Boden. Das muss so dermaßen behindert ausgesehen haben, dass es für Robbin nun keine Hoffnung mehr gibt. Heinrich, Tim und ich stehen in der Bahn, halten die Tür auf, für Robbin, der immernoch lachend und weinend zugleich auf dem Hocker der Haltestelle liegt. Die Stimme des Bahnfahrers (tief, kratzig, ruhig) fordert uns durch die Lautsprecher in der Bahn dazu auf von der Tür wegzugehen, damit die Bahn weiterfahren kann. Tim brüllt "ICH REDE NICHT MIT KLEINEN GRAUEN KÄSTCHEN AN DER WAND", womit er wohl die Boxen meint.
Der Bahnfahrer findet das nich so lustig und kommt voller Tatendrang aus seinem kleinen Fahrerhäuschen gestolpert. Das Fahrerhäuschen ist so klein, so winzig... als würde ein Zwerg diese Bahn fahren. Aber hinaus kommt ein 2-Meter-Brecher mit Glatze. Ich sage "Tim, der Führer kommt" (Ich meinte natürlich Bahnführer), "... und der is viel zu groß für das kleine scheiß Fahrerhäuschen, fahr dir das ma rein!?", führe ich fort. Tim nimmt die Finger von der Tür, als er den Riesen näherkommen sieht. Diese schließt sich, der Bahnführer dreht wieder um. Wahrscheinlich wollte er sich nicht unnötig einer Unterhaltung mit uns aussetzen.
Während die Bahn losfährt sehen wir draußen den sich immernoch totlachenden Robbin immer kleiner werden.
Heinrich hat sich zu Anfang einen gemütlichen Platz in der Bahn ausgesucht und ist völlig unbeeindruckt von dem ganzen Irrsinn um ihn rum. Er hat die ganze Zeit über kein Wort gesprochen, bis auf "Robbin du Spast, komm jetz", beim Einsteigen.

Ich drifte schon wieder ab, gehe zu sehr ins Detail. Aber ihr müsst wissen, wenn ich die Story erzähle, dann kommts mir immer vor als würde ich den Tag gerade erleben. Das war einer der Tage, wo ich mich an wirklich jedes kleine Detail erinnern kann. Selbst Mimiken und genaue Wortlaute haben sich in mein Hirn eingefräst. Egal, weiter gehts.

Ich sitze in der Bahn, alleine auf einem Zweier-Sitz. Hinter mir sitzt Tim, schräg links von mir sitzt Heinrich. Ich weiß nich wie, ich weiß nich wann, aber Heinrich hat es geschafft Robbins Edeka-Tüte zu entwenden und macht sich über den Inhalt her. Er schmatzt und kaut und hört damit garnich mehr auf. Er hat eine Tüte Nachos entdeckt. Dreist fragt er Tim "Is da vielleicht Cheese Dip in der anderen Tüte? Oder Ketch-up oder so?". Tim wird sauer und nimmt Heinrich wortlos die Edeka-Tüte ab. Heinrich lässt sich das gefallen und freut sich über die ihm gebliebene Nachos-Tüte und mampft fröhlich weiter.
Ich sitze da auf meinem Platz und schiebe Gedanken. "Wo hat Mike das Zeug eigentlich hergehabt? Hergehabt... hergehabt... hergehabt... hergehabt... Mann, is dasn bescheuertes Wort. Hergehabt... was? Worüber hab ich gerade nachgedacht? Hab ich mit Tim gelabert?". Ich gucke Tim an. Sein Blick verrät mir, dass ich ganz sicher nicht mit ihm geredet habe. "Scheiße mann, was gehtn ab? klarkommen mann... is das daoben ne Fliege oder 'ne Wespe? Scheiße, wenn das ne Wespe is muss ich raus hier. Fuck, was is wenn hier mehr Wespen sind?" Mir kriebbelts im Nacken, am Oberarm und am Rücken. Als ich ein kribbeln auf meiner Kopfhaut, in meinen Haaren spüre reichts mir. Ich springe auf stoße ein kurzes, aber klares "AAAAHHHHRRRH" aus. Ich schüttel mich und streiche mir ca. 20 mal mit den Händen über den Kopf. Ich laufe zum ende des Wagons und suche die Wespe. Wo ist sie? Die Blicke der Leute um mich rum bestätigen mir nur, dass ich mich gerade total bescheuert aufgeführt hab. Heinrich ruft noch "DA GIBT ES NICHTS ZU SEHEN! BITTE BLEIBEN SIE RUHIG! HIER GIBT ES NICHTS ZU SEHEN! DER JUNGE IS NUR STONED! BITTE BERUHIGEN SIE SICH!". Der darauffolgende Lachflash beruhigt mich etwas und ich setze mich wieder auf meinen Platz. Neben mir an der Glasscheibe nimmt die Wespe von eben Platz. Ich springe wieder auf und sehe.... eine verkackte, dicke, widerliche Fliege. "Scheiß auf Fliegen! FUCK FLIEGEN!" rufe ich sauer und setze mich wieder. Ein etwas älterer Herr vor mir dreht sich zu mir um und fügt hinzu "Höhöh, jau, die können manchmal nervig sein. Deswegen hab ich jetzt zu Hause auch Fliegengitter. Kann die Viecher nicht leiden. Kleine Quälgeister sind das. Dazu noch unhygienisch. Nee nee, bei mir kommen die nicht mehr rein.". Normalerweise hätte ich auf diese unerwartete Situation mit ein paar Phrasen und etwas Nonsense smalltalk reagiert, aber das war in diesem Moment zu viel verlangt. "Fuck, wen hast du nich reingelassen? Worum gehts denn bei deinem Problem? Sach nochma.". Ja, ich habe ihn gedutst UND ich habe nach einer Sekunde sofort vergessen worüber er mit mir gesprochen hat. "hahahahahahahahahahahaha, ey jetzt wirds zu hart, das geht nich mehr, dennis, heinrich, los jetz, raus hier. Kein Spaß mehr, ich will jetz hier raus." Tim ist als einzigem von uns aufgefallen dass wir so nicht mehr gessellschaftsfähig sind und so endet unsere Reise mit der Bahn zwei Haltestellen vor unserem Ziel.
Wir sitzen an der Haltestelle und warten auf die nächste Bahn, in der hoffentlich Robbin sitzt. "Meinst du der lacht immernoch?" fragt Tim grinsend. "Und wenn er nich gestorben is...", murmelt Heinrich. "Ich bezweifel dass der dichte Sack momentan überhaupt rafft was ne Bahn is...", merke ich an.
Ich schließe die Augen und hoffe dass die Bahn bald kommt. Viel mehr hoffe ich dass Robbin drin sitzt... heimlich hoffe ich dass er dabei immernoch lacht. Mann, wär das lustig.
Ich werde von Heinrich geweckt. Ich muss wohl eingeschlafen sein. Heinrich fragt mich ob er noch einen bauen darf. Ich muss hart bleiben. Ich muss nein sagen. Ich muss vernünftig sein. Wir haben noch einen ganzen Abend voller 1 Meter langer Monstertüten, riesigen Pizzen und lustigen Filmen vor uns. ich muss ihm sagen dass er sich gedulden soll, immerhin kann es nicht mehr lange dauern. Er muss das akzeptieren. "Los, komm, ich bau einen, wir smoken den gemütlich auf'm Weg zu Silly-Tilli und setzen uns dann schön stoned bei ihm auf die couch... das wär doch was, oder? Und da können wir dann voll dichte gleich noch einen rollen. Yeah, roll it up, light it up, smoke it up, yeaaah, shit! Komm schon mann! Smoke the sticky-icky-icky! Was gehtn!?" - Mit dem Satz "Is gut, hier." gebe ich mich geschlagen und gebe das Druggy-Bag in Heinrich's Ophut. Heinrich waltet seines Amtes und die Bahn fährt ein. - Kein Robbin. Klasse.

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TEIL 3

„Scheiße, und jetz?“, sacht Tim und wirft mit angezogenen Schultern beide Arme in die Luft.
„Kein Plan, vielleicht hatter sichn Taxi genommen oder so…“ – „Ey Dennis, bitte, der Typ war zu breit um inne Bahn zu steigen, du glaubst doch nich dass der Typs gebacken kricht sichn Taxi zu bestellen!?“, entkräftet Heinrich meine Theorie. Gut, wir haben ein Problem. Wir haben Robbin verloren. Robbin verträgt Gras nich so gut. Das war schon immer so. Er kifft wie’n Marley-Klon und nach ein paar Minuten kommt er nich mehr klar. Bei DEM Zeug, dass mir Mike (wohl der Teufel persönlich) vertickt hat sowieso nicht.
„Kann vielleicht ma einer Robbin anrufen? Wie wärs denn damit?“ sagt Heinrich genervt. Er hält den fertiggerollten Joint in der Hand und starrt ihn an. Er weiß genau dass er sein göttliches Werk nich entzünden kann bevor das Problem mit Robbin geklärt ist. Ich zücke mein Handy und suche „Robbin“ in meiner Liste. Keine große Sache, einfach scrollen, scrollen, scrollen… irgendwann wird der Name im Handy schon auftauchen. Robbin… Robbin… Robbin… wen suche ich? Was mach ich hier eigentlich gerade? „Was soll ich machen?“ frage ich einfach so in die Runde. „Scheiße Mann, gib hier.“, sacht Tim und reißt mir das Handy aus der Hand.
Freizeichen. Es klingelt. Gleich muss sich Robbin melden, ganz sicher. „Hallo?“, sagt eine, zu unserer Verwirrung, weibliche Stimme. „Ja, hallo, wer is’n da? Robbin?“ – „Nein, hier is Robbin’s Mutter. Könnt ihr mir mal sagen was hier los is?“. Tim wirft uns einen ängstlichen Blick zu. Hochgezogene Augenbrauen und sich auf die Lippen beißend. „Nee, wieso? Was soll los sein?“ – „Mein Sohn kam gerade nach Hause und hat mich 10 Minuten lang ausgelacht, dann hat er alle 5 Milchschnitten gegessen die im Kühlschrank waren und hat sich dann in MEINEM Zimmer schlafen gelegt. Habt ihr Drogen genommen?“ Tim muss kurz lachen, fängt sich dann und sagt überraschend seriös und diskret „Nee, auf keinen Fall! Wir waren im Park und plötzlich war Robbin weg, deswegen wollte ich wissen was los is. Vielleicht gings ihm nich gut!?“ – „Ja, vielleicht. Ich sag ihm er soll zurückrufen sobald er aufwacht.“ – „Alles klar. Danke, ne?“ – „Jaja, kein Problem, viel spaß noch“.
Tim berichtet uns unter Gelächter von seinem Gespräch mit Robbins Mutter. Alleine die Vorstellung was dieser Junge durchgemacht haben muss ist für uns Anlass genug uns weitere 15 Minuten totzulachen. „4 Kleine Kiffer-Assis waren total high/ der eine hat sich totgelacht, da waren’s nur noch drei…“, singt Heinrich. Heinrich hat so gelacht, dass er für kurze Zeit vergessen hat, dass er eine fertig gerollte Tüte in seiner Hand hält. Als ich ihn kurz daran erinnere holt er sofort ein Feuerzeug aus der Tasche und lässt die Spiele beginnen. Wir stehen auf und entfernen uns langsam aber sicher von der Haltestelle, die für mich schon fast wie ein zweites zu Hause schien. Langsam verlassen wir die Hauptstraße und betreten einen kleinen Trampelpfad durch ein riesiges Feld, welcher uns angeblich direkt zu Till’s Haustür bringen soll. Während wir so langsam, wie ein Mensch wahrscheinlich nur laufen kann, durch das Feld ‚vegetieren’ rauchen wir genüsslich und entspannt unsere dritte Tüte. Nichts besonderes, da wir uns mit der Menge, die wir verbaut haben bisher wirklich zurückgehalten haben. Besonders hingegen ist der Geschmack dieses Zeugs, worüber wir uns nach wirklich jedem Zug unterhalten und uns gegenseitig begeistern.
“Wirklich lecker, das Zeug. Respekt Dennis, sowas hab ich noch nich geraucht.“
„Auf jeden, echt lecker, wo hast’n das her?“
„Vom Mike. War scheiße teuer und ich musste auch noch für 70€ einkaufen.“
„WAAAAAS? Du hast von dem Zeug für 70€ was dabei? Von DEM Zeug?“
„Jab.“
„Alter wie krass, das wird der krasseste abend in unserem Leben“, übertreibt Heinrich. Heinrich lässt sich leicht dazu hinreißen zu übertreiben. Wenn ihm jemand ein selbst gezeichnetes Bild zeigt, dann reicht es ihm nicht zu sagen „Ja, sieht gut aus.“, er sagt dann „Scheiße alter, das is das krasseste was ich in meinem ganzen Leben gesehen habe.“.
Ob er das allerdings ernst meint, oder ob er sich einen Spaß daraus macht, kann selbst ich ihm, nach jahrelanger Freundschaft, nicht ansehen. Ich tippe allerdings manchmal stark auf letzteres.
Der Joint steht kurz vor seinem Tod und von dem Pfad ist noch kein Ende in Sicht.
Tim macht einen letzten Zug und schnippst den Joint dann mit dem üblichen Standard Satz „Ich mach’n tot, ne?“ ins Feld links von ihm.
TOTAL weggebeamt trotten wir durch’s Feld und wissen nich so recht wie uns geschieht.
„Scheiße Mann, jetzt bin ich echt breit. Scheiße. Fuck Mann, so breit war ich aber echt lange nich mehr. Was soll ich denn jetzt machen? Scheiße.“, sagt Tim. Er sieht echt nich gut aus. Irgendwie sieht er aus als hätte er ne Grippe und 40°c Fieber. „Wie, was sollst du machen?“, sagt Heinrich, „…du sollst es genießen du Pappnase“, fügt er hinzu.
Aber Tim geht es echt nich gut. Er sagt nichts mehr. Tim läuft hinter uns, mit dem Blick auf den Boden gerichtet. Er haftet an mir als hätte ich ein Bild von einem Brathuhn auf dem Rücken. Nein, als wäre ich das Brathuhn. Ab und zu merke ich, wie er sich an meinem T-Shirt Zipfel festhält, wahrscheinlich um nicht die Orientierung zu verlieren.
Heinrich, der schräg links vor mir läuft stammelt irgendwas vor sich her. „Mmnmlllmmhmhl, 4…mlmmmhnnm…. 3…. 5….mmmnmhnmh… 7 ….mmhlmh.. 2“. Er scheint irgendwas zu zählen. Aber was? Was sollte er zählen? Er schaut sich auch gar nicht um, er guckt stur gerade aus. Außerdem, was hätte die Reihenfolge 4, 3, 5, 7, 2 für einen Sinn? Er musste also auch subtrahieren, sonst hätte die Zahl, die er zuletzt stammelte nicht kleiner sein können als die erste. „Heinrich?“ – „Ja?“ – „Was zählstn da?“ – „Wie, was zähle ich?“ – „Ja du zählst doch andauernd irgendwas… was machst du denn da? Du redest doch dauernd!“ – „Laber keinen Scheiß. Ich bin voll breit man, lass mich in Ruhe.“. Daraufhin hab ich 5 Minuten so sehr lachen müssen, dass ich kurz ne Pause brauchte. Die kommt Tim ganz recht. „Danke Dennis, ich schulde dir was“. Nachdem wir da so 15 Minuten auf dem Rücken im Feld liegen und uns mit Mäusespeck aus der Edeka-Tüte voll stopfen, werden wir von einem lauten, aufdringlich dröhnendem Geräusch gestört. Ich bin mir sicher, dass ich mir dieses Geräusch einbilde, aber als Tim sagt „Scheiße, ich glaube jetz kack ich entgültig ab, hörst du was?“ weiß ich dass es grausame Realität is. Ich gucke links neben mich. Wo ist Heinrich? Ist er einfach weitergelaufen? Das würde er nicht machen. Aber gut, er is breit, also gut möglich. Ich stehe auf. Nein, moment, das als aufstehen zu bezeichnen wäre eine Frechheit. Sagen wir so: Ich rolle mich vom Rücken auf den Bauch, stütze mich mit beiden Händen auf dem Boden ab, gehe auf die Knie und schubse mich dann hoch. Trotz Tims Absturz, den er ganz eindeutig hatte, muss er so darüber lachen dass ihm sogar ein Stück Mäusespeck aus dem Rachen fliegt, was mich wieder zum Lachen animiert.

Moment, das Geräusch, ganz vergessen! Wo kommt es her? Was verursacht dieses Geräusch? Wo ist Heinrich?
Diese Fragen werden mir bei folgendem Anblick auf einen Schlag beantwortet: Heinrich sitzt auf einem kleinen Traktor und fährt damit über das Feld. Sein Gesichtsausdruck sieht nicht wirklich so aus, als hätte er Spaß dabei. Er guckt toternst, als sei er ein genervter Bauer, der gerade seiner täglichen Arbeit nachgeht.
„Scheiße Mann, ich glaubs ja nich, TIM! Fahr dir ma rein was der Vollidiot da macht!?“.
„Was denn, sags mir doch einfach, kein Bock aufzustehen…“.
„Glaub mir, das musst du sehen, es lohnt sich. Steh auf jetz, los“.
Tim rafft sich auf, sieht Heinrich auf dem Traktor auf dem Feld seine Runden drehen, legt sich wieder hin und sagt „Der Typ is geisteskrank, das hab ich schon immer gesagt. Der soll sich abreagieren und meinetwegen mit dem Ding nach China fahren, ich will jetzt zu Till auf’s Sofa, sonst kotz ich.“.
„HEINRICH! WAS MACHSTN DA?“ rufe ich lachend. Er hört mich nicht. Er sitzt felsenfest auf dem Traktor und fährt hin und her, hin und her, im Kreis, rückwärts, vorwärts und das alles mit einer Ernsthaftigkeit die ihresgleichen sucht.
Langsam fange ich mich an zu fragen wo er das Ding her hat, wo er den Schlüssel für den Krachmacher her hat, was er sich dabei gedacht hat, was er da überhaupt macht.
Ich bahne mir meinen Weg über das Feld bis hin zum Bauer Heinrich und sage „Ey yo, Bauer, was machstn da? Wo hastn das Ding her?“ – „Von dahinten alter, ich musste doch die Löcher schließen…“ – „Wie denn Löcher schließen?“, frage ich ihn, obwohl ich während ich fragte schon wusste, dass es darauf keine logische Antwort geben könnte. „Die Löcher die wir vergessen haben. Scheiß drauf dicker, lass gehn.“.

Aha, die vergessenen Löcher also. Gut, bestens. Ich weiß bescheid. Was sonst? Klar doch, die vergessenen Löcher musste er mit dem Traktor schließen. Jetzt is alles klar.

Heinrich und ich kommen an den Platz wo Tim liegt. „Und, was war?“, fragt Tim. „Er musste nur die vergessenen Löcher schließen.“, antworte ich ihm. Tim guckt mich an als verstehe er die Welt nich mehr. Er tut mir fast leid. „Vergiss es, ich hab alles im Griff“, sagt Heinrich und läuft weiter Richtung Till.
„Was denn für Löcher alter…“ will Tim anfangen. „Scheiß jetz auf die Löcher! Du hast doch gar keinen Plan!“, ruft Heinrich von vorne.
Leider war das irgendwie zu viel des guten für mich. Ich konnte nich wirklich drüber lachen.

Ihr kennt das mit Sicherheit. Es passieren Dinge, die so sehr lustig sind, dass man gar nicht mehr wirklich drüber lachen kann. Die Fassungslosigkeit und die Tatsache, dass das gerade die Realität war verderben einem den humoristischen Teil. Schade. Jetzt, im Nachhinein könnte ich mich darüber allerdings totlachen.



deadly.Hyena
Zitat:

Da ist es, Tills Haus. Unglaublich, wir haben es geschafft. Wir haben einen langen Weg hinter uns, und viele Hürden überwunden. Wir haben einen unserer Männer verloren… und einige von uns ihren Verstand (armer Heinrich und seine Löcher…). Aber wir haben es geschafft und jeder Aufwand wird sich gelohnt haben.
Wir gehen die ruhige, kaum befahrene Straße entlang und Tills Haustür kommt immer näher. Links und rechts von euch stehen wunderschöne, wahrscheinlich sauteure Häuser. Überall stehen Mercedese, Audis und BMWs in den Einfahrten, einer schöner als der andere. Überall duftet es nach Sommer und in manchen Einfahrten stehen kleinen Brunnen. Die Häuser haben Vorgärten. Ringsherum sattes Grün, schöne Pflanzen, dichte, gepflegte Hecken und saubere Straßen, die das Bild einer perfekten Wohngegend abrunden.
Wir kommen an Tills Haus, gehen aber hinten rum, da wir eine Konfrontation mit Tills Eltern für unnötig halten. Sie mögen uns nicht, mindestens genauso wenig wie ihren eigenen Sohn. Sie denken wir sind Abschaum. Wahrscheinlich weil wir nicht mit BMW, AUDI und MERCEDES vorfahren (und stattdessen stoned wie scheiße durch ihr nobles Viertel stolpern). Till hat hinterm Haus so etwas wie einen eigenen Eingang, der direkt in seine Wohnung führt. Hinten, wo der Eingang liegt, liegt auch ein wunderschöner Garten. Vor Tills eigener Haustür steht ein kleiner Terassentisch und 4 kleine Gartenstühlichen. Wirklich gemütlich also. Wir stehen vor Tills Haustür (Welche ein Glasfenster hat) und klopfen an. Es ist jetzt 21:10 Uhr. Till kommt verschlafen, mit zugekniffenen Augen, verzerrtem Mund und gewohnt Zombie-like um die Ecke geschländert und verzieht noch mehr das Gesicht als er uns sieht. Er zögert, denkt wahrscheinlich nach ob er uns jetzt reinlassen soll. Heinrich holt den 6er aus der einen Edeka-Tüte und schwenkt mit diesem vor der Glasscheibe. Wir werden reingelassen.

Teil 4 - The Final Chapter



Irgendwie fühle ich mich jetzt nich so toll. Ich glaube den kalten Schweiß, der von unserem Marsch an mir haftet, an meinem ganzen Körper zu spüren.

Till reißt die Tür auf, nimmt Tim den 6er aus der Hand, dreht sich um marschiert durch den Flur wieder Richtung Wohnzimmer und begrüßt uns dabei. "Wird auch Zeit ihr schl*mpen. Ich bin voll verknackt ey. Ich weiß garnich mehr wo oben und unten is.". Wir lachen. Wir müssen fast immer lachen wenn Till was sagt. Irgendwie hat er eine seltsame Stimme, die einfach nur zu gut zu seinem asozialen äußeren Passt. Eine ranzige, tiefe aber quietschige Stimme. Er lässt sich aufs Sofa fallen und macht sich ein Bier auf. Wir nehmen unsere gewohnten, uns zugeteilten Plätze ein. Die Sitzecke bildet einen Halbkreis, vor Kopf der TV, der für das Zimmer irgendwie genau die richtige Größe hat. Alles passt. Neben dem Fernseher steht eine Playstation 2, die Till sich gekauft hat, auf der er aber nur alle paar Wochen mal eine Stunde Tetris spielt. In der mitte der Sitzecke steht ein riesiger Kieferntisch, der schon einige Jahre und somit einiges an Flecken und Kratzern auf sich hat. Verschüttetes Bier, Kotze und sich eingefressene Essensreste sorgen dafür, dass der Tisch einen merkwürdigen Geruch bietet, sollte man auf die Idee kommen an ihm zu riechen. Ringsherum im Zimmer befinden sich gigantische Fenster, die allerdings durchgehend durch Rollos abgedunkelt werden. Tills Zimmer ähnelt einer Höhle. Einer Höhle in der ein Steinzeitmensch haust. Trotzdem hat dieses Zimmer einen gewissen Flair. Es ist gemütlich, man fühlt sich wohl. Zu der Sitzecke sei noch gesagt: Es ist keine gewöhnliche Sitzecke. Die Sitzflächen sind unnatürlich breit, das ganze Sofa ist wulstig und so weich gepolstert, dass man in ihm zu versinken droht. Die verstellbaren Rückenlehnen sind das i-Tüpfelchen der Couch-Garnitur. Sie lassen sich durch einfaches anlehnen in ihrem Winkel verstellen... und zwar individuell für jeden. Auf dem 3er-Sofa ist die Rückenlehne also in 3 Teile unterteilt, die sich alle individuell nach hinten kippen lassen. Eigentlich ist es wirklich schwer aufzustehen, wenn man erstmal drin sitzt, was uns bis heute nicht wirklich aufgefallen ist.
Till hat noch nie gekifft. Bisher störte er sich aber nicht daran, dass wir es taten, solange wir ihn dadurch nich nervten. Er trinkt lieber Bier. Eins nach dem anderem, zwischendurch einen schönen Whiskey/Cola, der ihm schmeckt, was er jeden wissen lässt. Es ist schon vorgekommen, dass er 20 Minuten über seinen Whiskey/Cola Mix philosophierte.
Irgendwie stimmt heute alles. Es passt einfach alles. So Tage gibt es. Während ich mich auf's Sofa setze merke ich, wie sich in mir eine leichte Euphorie anbahnt. Ich freue mich. Ich freue mich einfach auf diesen abend, warum, weiß ich nicht. Wahrscheinlich weil ich noch ca. 8 Gs dieses absolut verrückten Zeugs in meiner Tasche habe.
Till sitzt auf seinem Stammplatz, direkt vor dem Fernseher. Rechts neben ihm sitzt Heinrich, der sich die Schläfen massiert (wahrscheinlich ist ihm gerade bewusst geworden was er in den letzten 30 Minuten getan hat). Daneben, aber etwas weiter weg, in der Rundung der Sitzecke sitze ich. Ich bin froh endlich zu sitzen und mustere die Verfassung meiner Kameraden. Sind sie auch so geschafft vom Weg, wie ich? Haben sie noch gute Laune? Moment, Heinrich sieht so aus als würde er vielleicht gleich wieder nach Hause wollen... er wird doch nicht etwa? Das wär ja beschissen. Tim, der auf der anderen Seite der Sitzecke sitzt, sieht allerdings auch nich besser aus. Oh nein, was is, wenn die beiden keinen Bock mehr haben!?
"Ey, heute wird gekifft bis ich scheiß grüne Männchen sehe!" sagt Tim plötzlich. - "Auf jeden, shit..." sagt Heinrich. Gut, erledigt. Meine Ängste waren unbegründet.
"Wie seht ihr eigentlich aus? Wo kommt ihr eigentlich her ihr Penners? Ihr seht aus wie Sträflinge..." sacht Till. "... und wo is Robbin?", hängt er noch an. "Er hats nich geschafft.", sagt Heinrich leise, trocken und senkt den Kopf. Tim und ich lachen. Till schüttelt den Kopf und nuschelt "...Penners...".
Heinrich steht auf, um seine Taschen zu leeren. Das macht er immer, wenn er es sich gemütlich macht. Er nimmt sein Portemonnaie, sein Handy, seine Kippen, seinen Schlüsselbund und seine Wrigleys Extra aus den Taschen, legt alles ordentlich auf den Tisch, setzt sich und gibt ein befreiendes "Ahhhhh" von sich. Als hätte er sich gerade von jeglicher Last befreit. "So kann man einfach besser chillen, so ohne was in den Taschen was drücken könnte, weißte?", hat er mal gesagt, als wir ihn darauf angesprochen haben.
Diesmal holt Heinrich noch seine Smoking RED Papers aus der Hosentasche und seine Tips, die er in irgendeinem Headshop für 2,50€ gekauft hat. Verrückt.
Irgendwie nervt mich mein Tascheninhalt jetzt auch. Jetzt, wo ich sehe wie glücklich Heinrich da sitzt will ich das auch. Ich leere meine Taschen und lege alles auf den Tisch. Heinrich schiebt mir die Tips & Papes rüber und macht eine auffordernte Geste. Ich nicke und lege mein 8G-Baggy, die Tips, die Papes und eine Mischpappe ordentlich nebeneinander vor mich auf den Tisch.
Till schielt rüber, legt die Stirn in Falten und betrachtet aus dem Augenwinkel das Drug-Bag. Er kennt sowas nicht. Wir haben zwar schon öfters bei ihm gekifft, aber ihn hat nie interessiert was wir da eigentlich machen.
Tim guckt Fernsehen. Er folgt konzentriert einer flachen, unlustigen Comedysendung und verzerrt dabei keinen Gesichtsmuskel.
"Boah scheiße, mein vatter hat schon wieder Stress gemacht, ihr müsst auf jeden Fall verschwunden sein, so um 3:00 Uhr, sonst rastet der aus." sagt Till. Er will nur absichern, dass wir auch alle wieder verschwinden und ja keiner auf die Idee kommt zu fragen ob wir evtl. bei ihm ratzen können. "Is gut Till, dein Papa wird schon nich sauer", sacht Tim, der das Gelaber von Till, wie wir alle, schon gewohnt is. "NEEE, weißte? Der wird nich sauer, der holt nur die Flinte", sagt Till, mit dem Versuch sarkastisch zu klingen. "Übertreib ma nich Till, wir wollen uns nur 'n bisschen locker machen, wir hauen schon wieder ab, wir können auch gleich wieder abziehn wenn du kein Bock hast", sage ich. Wohlwissend, dass er niemals sagen würde dass wir abhauen sollen, da er ungern alleine vorm TV hängt. "Nee nee, schon ok. Nur der Vatter halt, ne?" - "Ja is gut Till, wir machen das schon.", sacht Heinrich und fügt hinzu "... und du bau jetzt endlich, oder ich mach's." und guckt mich böse an.
Ich nehm also 'ne dicke Blüte aus dem Tütchen und fange an dieses blau-rote Gold auf die Mischpape zu bröseln. Ich brösele und brösele, bis die Blüte weg ist. Irgendwie sieht das auf der Pape ganz schön mikrig aus. Hm, noch ne Blüte. Immernoch nich beeindruckend. Noch eine? Jo, warum nich, ist ja schließlich genug da, immer rein damit. Heinrich wirft von links einen Kontrollblick auf die Mischpappe und gibt ein zufriedenes "Sauber..." von sich.
"Soll ich nochwas?", frage ich Tim und Heinrich. "Klar, mach so viel wie ins Paper passt... irgendwie so dass du n Verhältnis von 70 Gras und 30 tabak hast. Das dürfte doch knüppeln wie ********* oder?" - "Ich nehm's an.", antworte ich Tim und brösele die nächste Blüte. Nach einer weiteren Blüte habe ich einen kleinen blau-roten Staubberg vor mir. Mir fällt auf, dass es in Tills Zimmer jetzt genauso stinkt wie bei Mike, als er mir das Zeug präsentierte. Tim holt was aus der Tasche... Herrlich, er hat an den extra milden Javansee Tabak gedacht. "Pflicht!", sagt er und reicht mir das Päckchen. "Herrlich, man dankt", sage ich und fange an zu drehen. Scheiße, wird echt schwierig diese Menge in einen Joint zu packen... Die ganze Prozedur dauert irgendwie länger als gewohnt. Ich krieg's nich mehr richtig hin, will die Aufgabe aber ungern abgeben. Ich schaffe das. 2 Papers habe ich schon kaputt gemacht, aber der nächste wird. Während ich mir selbst mental gut zurede unterhalten sich Heinrich und Tim über Arschf*cken. Ich dachte erst ich höre nich richtig, aber die beiden haben das Thema "Arschf*cken" tatsächlich zu einem Streitthema machen können. "Heinrich mann bitte, wenn du mit ner Frau vögelst und die sacht plötzlich 'Oh Heinrich, komm, fick mich bitte in den Arsch', dann fickst du die ja wohl in den Arsch!? Erzähl mir doch nix!" - "Auf keinen Fall...", sagt Heinrich empört. "Auf keinen Fall... das is doch voll dreckig! Kannst du dir vorstellen wie erniedrigend das für 'ne Frau is? Auf keinsten, nee, mach ich nich.".
"Warum nich? Wenn sie's will!?"
"Nein, auch dann nich, sie kann das nich wollen."
"Ja klar, wenn sie spitz drauf is? So frauen gibts auch mann!"
"Ja meinetwegen, aber die sind dann geistig gestört oder so"
"Wieso das denn? Nur weil sie nem Arschfick nich abgeneigt sind?"
"Ja ey bitte, wie dreckig muss man denn sein?"
"Ach jetzt hört's aber, als ob das sowas schlimmes wär!?", nörgelt Tim.
Angelina Jolie is im TV zu sehen.
"Die würd ich auch ma gern in Arsch f*cken", lässt Till uns wissen.
"Da seht ihr was ihr angerichtet habt, ihr Dirty Talker, genug jetz mit Arschf*cken, ich glaubs ja wohl nich.", sage ich, ungefähr in dem gleichen Tonfall, wie ein Vater seinen Kindern das Toben verbietet.
Mein Werk ist vollbracht. Ich halte eine riesige, dicke Wundertüte in der Hand. Durch das dünne Paper schimmert es blau-rot, kaum Spuren von Tabak zu sehen. "Wollma?", frage ich. Eine rethorische Frage, was sonst?.
Irgendwie fällt mir gerade auf, wie lustig es ist, dass wirklich jeder, selbst Till, der hier schon ein paar Jahre wohnt, Schwierigkeiten hat von der Couch aufzustehen. Ich lache kurz, was aber keiner mitkriegt. Ich halte das auch nicht für so wichtig, dass ich das jetzt großartig erzählen müsste... noch nicht.
Wir trotten langsam Richtung Haustür. Till geht noch aufs Klo und merkt stumpf an "Ich geh nochma kacken. Seid nich so laut ihr Penners.", zieht ne Ladung Rotze hoch, schließt die Tür zum Klo und dreht den Schlüssel 2 mal um.
Heinrich macht die Tür auf und kann es kaum erwarten an der Tüte zu ruppen. "Mach an, hau rein." drängelt er. Tim setzt sich direkt auf einen der 4 kleinen Gartenstühlchen und lehnt sich zurück. Heinrich setzt sich ebenfalls. Ich stelle mich rechts links neben die Haustür, zünde den J. und nehme einen tiefen Zug. Shit, das drückt wie scheiße. Vielleicht doch zu viel? Egal, was solls, was soll schon passieren!? Ich nehme einen weiteren Zug und kann nich fassen, wie genial das schmeckt. Es wäre allerdings unnötig das jetzt nochmal zu sagen, die anderen werden es gleich selbst merken. Ich frage mich ob Heinrich wieder vom Geschmack schwärmen wird. Während ich da so stehe und genüsslich meine dicke Jolle smoke kommt mir das Bild von Heinrich auf dem Traktor in den Kopf. Ich überlege ob ich ihn darauf nochmal ansprechen sollte, oder ob ich es einfach dabei belasse... "Heinrich...?" - "Hm?" - "...du bist eben Trecker gefahren." - "... mmmh, ich weiß." - "Warum?" - "Ach scheiß drauf mann, wenn ich ne Erklärung hätte, hätte ich sie dir gesagt. Kein Plan mann, ich war einfach nur voll dicht von dem zeug, das is der Teufel mann." - "Ja gut, aber was war denn mit den Löchern?" - "Was für Löcher?". Tim lacht sich tot. "Ey, du bist zu durch Heinrich, scheiß drauf, komm ich nich klar drauf", sage ich und nehme einen letzten Zug von der Tüte. Ich spüre wie sich der weiße Rauch in meiner Lunge entfaltet und mir direkt ins Hirn steigt. ich stelle mir vor einen Regenbogen zu rauchen. Beim ausatmen puste ich den Rauch durch Mund und Nase, wobei sich der Geschmack vollends ausbreitet und mich aufs Neue fasziniert. Heinrich hat den Magic Stick jetzt. Irgendwie macht es mir Angst, dass er an seiner Traktor Geschichte garnichts lustiges finden konnte. Seltsam, sehr seltsam.
"Boah alter, das is zu lecker. Fast schon ZU lecker! So muss der Himmel schmecken.", sagt Heinrich. Aha, ich wusste es.
"Ja dann lass mich auch ma durchs Himmelstor du fucking Schornstein.", giftet Tim ungeduldig. Tim is nich einer dieser höflichen Kiffer, die, wenn es sein muss, stundenlang warten bis sie dran sind. Wenn Tim meint es ist Zeit für seinen Auftritt in der Runde, dann sagt er das. Heinrich zieht noch 2, 3 mal hintereinander, fast schon hektisch an der Tüte, pumpt sich die Lunge randvoll und reicht Tim die Tüte. Die Toilettenspülung rauscht. "Aha, Till hat geschissen", sagt Heinrich. Ich muss lachen. Till kommt zur Tür getrottet und steht in seinem Jogginganzug und seinen Latschen im Türrahmen. Er sieht immernoch total verschlafen und verranzt aus, unrasiert und verpickelt (Diese Giftpickel, die durch zu viel Alkohol und zu wenig Seife entstehen). Er starrt Tim an und guckt ihm beim Rauchen zu.
"Was macht ihr da eigentlich?", fragt Till mit seiner trotteligen, quitschigen Stimme und leicht genervtem Tonfall.
"Wir kiffen.", antwortet Heinrich so trocken, wie der innenraum meines Mundes sich gerade anfüllt.
"Was? Is das schlimm?"
"Nee, nich wirklich, sonst würden wir's nich machen Till.", antworte ich ihm. Ich behandele Till ein bisschen so als wäre er ein Kind. Das is die beste Art mit ihm umzugehen. So regt man sich auch nich allzu sehr über seine Aktionen auf, für die andere Leute eins auf die Fresse kriegen würden.
"Kann ich auch ma?", fragt Till plötzlich.
Heftig. Tim, Heinrich und ich gucken uns an. Wir denken alle dasselbe. Ein bekiffter Till, wahrscheinlich würden wir nie wieder etwas lustigeres in unserem Leben erleben. Aber können wir das verantworten? Können wir es uns leisten so einen armen, kleinen, verranzten Kerl zum kiffen zu verleiten? Könnten wir das mit unserem Gewissen vereinbaren? Ich gucke Heinrich erwartungsvoll an und hoffe darauf, dass er was sagt. Er nickt mir nur zu... Erst da merke ich, dass ich den Joint wieder in der Hand halte. Verdammt, bin ich breit. Scheiße. Was geht hier ab? Wo war ich nochmal? Wer wollte jetzt was von mir? Ich höre Tim sagen "Los, lass ihn mal ziehen, irgendwann muss ers ja mal probieren.". Mir is scheißegal was gerade abgeht und ich halte den Joint einfach in die mitte. Ich halte ihn weit ausgestreckt vor mir und hoffe, dass ihn mir gleich jemand abnimmt. Till schnappt zu. Er nimmt die Tüte und ruppt wie ein Irrer. "Nich so krass Till, übertreibs nich", sagt Heinrich. Fehlanzeige. Till zieht an der Tüte als wäre er ein Säugling und die Tüte die Brust seiner Mama.
Er hört garnich mehr auf. Plötzlich hustet er. Er steht da, im Türrahmen, krumm in seiner Haltung, wie immer und hustet sich die Seele aus dem Leib. Es sieht es aus, als würde sein riesiger Kopf durch die Erschütterungen gleich von seinem kleinen, krummen Körper fallen. Er hustet was das Zeug hält und alle 20 Sekunden kommt ein unüberhörbarer Brechreiz dazu. Tills Hustanfall wird nun von unserem Gelächter übertönt. Wir lachen uns fett als wären wir irre. Dieses Bild ist so rein in seiner Herrlichkeit dass ich es am liebsten eingefangen hätte, aber selbst eine kamera hätte diese Situation nicht wiedergeben können.
"Ey ihr scheiß Penners, was habt ihr da reingemacht?", hustet Till.
"Nix, das is weed. Du hast gerade gekifft, das is normal.", anwtortet Tim cool.
"Normal is was anderes...", sagt heinrich. Ich muss wieder lachen.
"Willst du 'n Shut, Till?", höre ich mich plötzlich fragen.
"'n was?"
"Nen Shut! Ich puste dir Rauch in die Lunge... das knüppelt!".
"Ja mach ma."
Mann, is der mutig. Gerade hat er sich noch die Seele ausm Leib gekotzt und jetzt will er einen shut. Gut, wer will, der wird seinen Grund haben. Also los.
Ich nehme den Joint also verkehrt rum in den Mund und umschließe ihn mit meinen Händen. Ich beuge mich runter zu Till (der sich die Hände in der gleichen vorm wie ich vors Gesicht hält) und puste wie ein Irrer. Till holt tief Luft und fängt daraufhin wieder an zu husten, die Hände immernoch vor dem Gesicht.
Ich lache, drehe mich um und mache den Joint aus. Während ich das machen unterhalte ich mich kurz mit Heinrich über den weiteren Verlauf des abends.
"Was wolln wirn gucken dann? Haste bock auf Pulp Fiction?"
"Nee, zu oft gesehen... wie wärs mit Very bad Things oder so?"
"Och nööö... wir gucken einfach ma so was wir so dabei haben."
Plötzlich sagt Tim: "Ey Jungs, fahrt euch das ma rein!".
Wir drehen uns um und sehen Till im Türrahmen stehen. Er steht immernoch GENAU SO da, wie bei dem Shut. Er steht da, mit beiden Händen vorm Gesicht und guckt ins Leere. Ich lache kurz, kann aber nicht wirklich lachen, weil ich irgendwie Angst habe dass mit ihm was nich stimmt. Ich gehe hin und Schubse ihn an der Schulter. "EY, Till! Komm ma klar!". BUMS! Till geht zu Boden. Er fällt einfach seitlich nach hinten um, kerzengerade (soweit seine körperliche Haltung diesen Begriff zulässt), direkt auf den Teppichboden. "SCHEIßE!", "Fuck!", schreien Heinrich und ich. Tim lacht. Till steht plötzlich auf, sagt total breit "Scheiß auf euch Penners, was habt ihr gemacht? Scheiß Penner Volk, kommt rein jetz, ich bin voll fertig". Da mussten wir so lachen, dass Heinrich BIS HEUTE fest davon überzeugt ist sich dabei eine Rippe angeknackst zu haben (Möglich ist sowas zumindest, nur glaube ich nich dran).
Wir bleiben noch ca. 10 Minuten draußen stehen, reden aber kein Wort. Tim beobachtet seine Hände, er spielt mit seinen Fingern und bleibt wahrscheinlich gerade auf einem Gedanken hängen. Heinrich sitzt mit geschlossenen Augen da und macht irgendwas mit seinen Lippen. Er formt sie zu einem Kussmund und zieht sie dann wieder auseinander. Das macht er seit 5 Minuten, wahrscheinlich bleibt auch er gerade auf einem Gedanken hängen. Während wir da draußen chillen höre ich aus Tills Zimmer eine Stimme.
„Scheiße, kanns sein dass Tills Dad runtergekommen is?“, frag ich in die Runde.
„Du bist paranoid“, sagt Heinrich.
„Nee, hör ma, mit wem redet Till denn sonst?“ – „Vielleicht hat jemand angerufen?“.
„Glaub ich nich. Die einzigen Leute die Till anrufen würden befinden sich gerade vor seiner Haustür…“, sag ich. Tim muss lachen, traut sich aber nicht laut zu lachen, weil die Möglichkeit, dass Tills Dad um die Ecke steht noch recht groß is.
„Wer geht denn jetzt rein um zu gucken?“, fragt Tim und gibt uns damit zu verstehen, dass er diese Aufgabe unter keinen Umständen übernimmt. Könnte er auch garnich, so breit wie der aussieht. Er sieht aus als hätte er sich stundenlang die Augen gerieben und danach Salz reingestreut. Sein Gesicht wirkt aufgequollen, der Junge sieht verdammt mitgenommen aus. Heinrich fällt auch weg, er hat sich mittlerweile einen seiner Schuhe ausgezogen und scheint die Rillen in der Sohle zu zählen, oder so was. Keine Ahnung, interessiert mich auch nicht.
„Ja was denn jetz? Irgendwie müssen wir doch weiterkommen jetz!?“. Ich beuge mich zur Tür rein und versuche die Lage zu checken. Ich höre zwei, drei Schritte und Till sagen „Na und?“. Ich zucke zusammen und flüchte wieder vor die Tür. „Scheiße, ich glaub der is hier, aber ich weißes nich genau.“. – „Geh doch ums Haus und guck durch’s Wohnzimmerfenster der Eltern. Wenn die da drinsitzen is doch alles cool. Wenn du den Papa nich siehst wird er wohl hier unten sein.“. Gute Idee. Zumindest scheint mir das im Moment eine gute Idee zu sein. Ich schleiche um das Haus und stehe nun genau neben dem Wohnzimmerfenster der Eltern, an die Hauswand gepresst. Ich traue mich irgendwie nicht zum Fenster reinzugucken, immerhin könnten sie mich sehen… Ich zögere und denke über eine andere Möglichkeit nach. Ich komme mir vor wie ein Geheimagent… nur haben Geheimagenten nicht diese verschissene Paranoia. Was geht hier eigentlich ab? Was mache ich denn hier? Bin ich bescheuert? Ich hab kurz mein primäres Ziel vergessen und tue mich schwer mich zu erinnern. Ich sammle mich, schließe die Augen, mache sie wieder auf und sehe mich neben dem Fenster. Okey, einfach kurz um die Ecke lunzen und das wars. Kein Problem. Ich gehs an. Ich stütze mich mit der rechten Hand am Fensterbrett ab und schiebe meinen Hals langsam Richtung Fenster. Gleich müsste ich was sehen können. Fast kann ich ins Zimmer gucken. Meine Hand rutscht leicht vom Fensterbrett und ich muss einen Fuß nachziehen um nicht zu stolpern. Mein Fuß landet im Kiesgraben, der das Haus umzieht, welches einen solchen Lärm verursacht, dass Mama Till UND Papa Till vom Sofa den Kopf sofort Richtung Fenster schmeißen. Was kriegen sie zu sehen? Einen total verrafften, verplanten, bis oben zugedichteten Dennis, der halb kniend, mit einer Hand am Fensterbrett, einem Fuß im Kiesgraben und der anderen Hand an der Scheibe in voller Pracht vor ihrem Wohnzimmerfenster steht.
deadly.Hyena
Zitat:

„Fuck“, nuschel ich mir ins Hemd und zucke erstmal vom Fenster zurück. Jetzt stehe ich im Garten und weiß nicht was ich tun soll. Ich bin so scheiße breit, dass ich gar keinen Plan hab wie ich mit dieser unmöglichen Situation fertig werden soll. Einfach abhauen? Das geht nich, dann kommt der Papa ja doch runter und fragt was das sollte. Wahrscheinlich würde er sowieso die Polizei rufen. Ich muss ihm das sich ihm gebotene Bild erklären. Das schulde ich ihm und seiner Frau. Aber wie? Ich bin doch viel zu breit dafür. Es kann doch wirklich keiner von mir erwarten in diesem Zustand einem Anwalt zu erklären warum ich heimlich um sein Haus schleiche und ihn in seinem Wohnzimmer beobachte!? Wie soll das gehen? Ich stehe immer noch wie angewurzelt im Garten, vor dem Fenster. Oh oh, der Anwalt legt die Zeitschrift weg, gleich steht er auf. Klasse, er ist aufgestanden… er kommt näher, Richtung Terassentür. Was mache ich jetz, was sage ich? Scheiße, fuck. Er macht die Tür auf. Soll ich ihm entgegengehen? Scheiße mann, der holt mich jetzt mit Sicherheit richtig runter. „Schönen guten Tag.“, spricht der Anwalt mit leichter Verwirrung in der Stimme. „Guten Tag“, grüße ich zurück. „Bist du nicht ein Freund von Till? Du bist doch Dennis oder?“ – „Ehm, ja. Dennis. So heiß ich, richtig.“ – „Aha, und, was machst du hier?“ – „Nix, ich wollte nur mal gucken“ (Oh Gott, ich glaube ne bescheuertere Antwort hätte man nicht parat haben können) – „Aha, nur mal gucken. Was machst du bei uns im Garten? Wolltest du was klauen?“ – „Was? Nein, um Gottes Willen, sicher nicht. So Leute sind wir sind. Wir klauen nix, niemals. Hätten sie ein Glas Wasser?“. Weiß Gott was ich mir dabei gedacht habe. „Ja, hätte ich, wenn du mir sagst was du hier getrieben hast.“ – „Ach, nix weiter, Till meinte ich soll gucken ob seine Eltern da sind, weil er oben den Videorekorder holen wollte. Sie wissen ja wie faul er ist. Und da wir gerade draußen standen und eine geraucht haben, naja, da hab ich ma geguckt.“ – „Achso. Ja, Till is schon n fauler Junge. Trotzdem merkwürdig. Ich glaub ich muss mal wieder n Wörtchen mit dem reden.“
PFFFFFFFFFFF SCHEIßE! Danke, lieber Gott, für diese plötzlich auftretende Selbstsicherheit und Klarheit, die ich in diesem Moment ausstrahle. Danke. Danke, für diese göttliche Ausrede, die mir in dieser ausweglosen Situation das Leben rettet.
Der Anwalt dreht um, geht rein. Ich weiß nicht ob ich jetzt gehen soll, oder ob er mir ein Glas wasser bringen möchte. „Wie siehts aus mit dem Wasser?“, rufe ich Vollidiot, wahrscheinlich völlig übermütig durch mein gelungenes Schauspiel. Die Terassentür fliegt zu, der Vater nimmt im Sessel platz. Kein Wasser. Auch gut, bzw. umso besser. Ich gehe zurück, hinters Haus, vor Tills Haustür, wo Tim und Heinrich immer noch sitzen und mittlerweile weit übers normale High hinaus sind. „Ey, ihr glaubt nich was ich gerade durchmachen musste.“ – „Doch.“, sagt Tim völlig unerwartet. „Wie, doch? Auf keinsten.“ – „Doch, wir haben dich gesehen.“. Heinrich fängt plötzlich an zu lachen und sagt dauernd „Nee, haha, nee, ich glaubs nich… das war einfach nur göttlich“. Ich weiß nich wirklich was hier läuft und gucke Tim böse an. „Wir haben dich plötzlich reden hörn und sind andersrum ums Haus geschlichen. Und da standest du dann mit Tills Dad.“, klärt mich Tim auf. Klasse, tolle Freunde. Jaja, wie war das mit der Schadenfreude? „Könnte ich ein Glas Wasser haben?“ zitiert Heinrich mich trocken und lacht sich mit Tim schlapp.
„Ja, wenigstens hab ich eier in der Hose ihr Affen, ihr wolltet ja nich.“, aber die beiden lachen sich weiter tot. Ich kann es ihnen nicht verübeln.
Moment, mit wem hat Till denn dann geredet? Wenn der Vater es nicht war, wer dann?
Ich bitte Tim und Heinrich darum leise zu sein, damit ich einen Blick in Tills Zimmer werfen kann, ohne dass er es gleich merkt. Ich tappse durch den Flur und gucke um die Ecke in Tills Zimmer. Er sitzt mit dem Rücken zu mir auf seiner Couch und guckt TV. Alles ruhig, niemand redet. Hm, seltsam. Aus dem Fernseher dröhnt „… und wenn wir das jetzt miteinander vermengen, dann wird das ganze zu einer gummiartigen Paste.“.
Plötzlich sagt Till „Mmmh, deine Mama is auch ne gummiartige Paste…“.
WAS? Spricht der Typ da mit dem Fernseher? Er reagiert auf noch einen Spruch des Heimwerkers im TV. Till beleidigt den Mann im Fernseher. Ich kanns nich glauben. Ich gebe Tim und Heinrich Handzeichen, dass sie leise kommen sollen. Jetzt hängen wir 3 Chaoten da vor Tills Zimmertür und hören Till zu, wie er willkürlich Personen im TV beleidigt. Wir können nich mehr. In uns staut sich ein Lachflash, den wir nur unterdrücken um weiteren Input für den großen Knall zu sammeln. Dann passierts. Till guckt Talk Talk Talk oder sowas und da sitzt ein Typ in einer dieser behinderten Talkshows und sagt „Mein Hund versteht was ich ihm sage“ und Till reagiert darauf mit „Ich hatte auch mal nen Hund. Der war voll scheiße. Der hat immer überall hingeschissen und ich hab dann Anschiss gekriegt. Scheiß Penner Hund.“. Da platzt es aus Tim heraus. Heinrich fällt auf die Knie und lacht sich ebenfalls tot. Mir schießen die Tränen ins Auge und lasse mich auf Tills Bett fallen.
Till is davon irgendwie garnich beeindruckt – als wäre das, was er da tut völlig normal. „Ihr Penners! Ihr seid das letzte VolK! Immer müsst ihr euch totlachen! Setzt euch hin jetz und trinktn Bier! Ihr Scheißlinge!“
Gut, das war schon einmal zu viel für uns. Nein, das war einmal zu viel für Till. Till schwebt auf Wolke Sieben. Der J war zu hart für ihn, als Einsteiger. Das Zeug war zu hart.
Unter schmerzerfüllten Lachanfällen lassen wir uns wieder auf die kranke Couch fallen, die einen aufzufressen scheint und Kramen die ersten Leckereien aus der Edeka-Tüte.
Ich liege da auf der Couch, entspannt, fröhlich, glücklich und fahre mir Cheese&Onion Chips rein, während ich über die behindertsten Sachen nachdenke. Das TV-Programm nehme ich nur als Beschäftigung für die Augen war. Klare Bilder sehe ich sowieso nicht. Den Handlungen der Akteure zu folgen ist schier unmöglich. Hab ich meine Hausaufgaben gemacht? Scheiße, is ja Freitag. Ach, ich war ja garnich in der Schule. Oder? Moment, der gesamte Vormittag fehlt mir. Was hab ich gemacht? Ich bin aufgewacht, und dann?Meine wirren Gedankengänge werden von Till unterbrochen. „Mne Bne…s… tub“. Kein Wort verstanden. “Was?”, frage ich. “Meine Beine sind taub! Bis hier hin!“, wiederholt Till und zeigt mit seinen Händen auf seine Oberschenkel. „Ooooooooh, uuuiiiiiiiiihhhh, uuuaaaaaaaaaaaaah, ich bin voll weg“, fügt er hinzu und lacht sich fett. Okey, der Junge is breit. Zum ersten mal in seinem Leben is der Junge breit. Mann is das herrlich das mit anzusehen. „Nich schlimm Till, das is normal“, beruhigt ihn Heinrich. Till sieht aus wie ein Glühwürmchen. Er strahlt über das ganze Gesicht und macht alle 2 Minuten Bemerkungen, die uns zum Lachen bringen. Aber richtig. Im Minutentakt verschluckt sich einer von uns, nur weil Till auf sein High nich klarkommt.
Ich nehme ein klingeln wahr. Is das MEIN Telefon, das da klingelt? Ist das überhaupt ein Telefon? Wo kommt das her? Höre nur ich das? Ich werfe einen prüfenden Blick in die Runde. „Geh an dein scheiß Handy Mann!“ sagt Heinrich genervt. Alles klar, jetz weiß ich bescheid. Aber wo isses? Tim hats. Er hat Robbins Mama angerufen, er hat es.
Tim gibt mir das Handy und ich geh ran.
„Hallo?“
„Ja, moin.“
„ÖÖÖÖÖÖÖÖYYYY! ROBBIN IS BACK! WAS GEHT?“
(“Pssst, Nich so laut!”, keift Till und lacht sich dann tot, weil sich sein „Pssst“ angeblich so scheiße angehört hat.).
„Ach nix, seid ihr bei Till?“
„Jaman, und breit wie scheiße sind wir auch… Till AUCH!“
„Echt? Hat er geraucht oder was?“
„Jaman, der hat gedampft als wär Ostern und Weihnachten zusammen!“
„Krass… ich komm gleich, braucht ihr noch was?
„Jungs, brauchen wir noch was?“, frag ich in die Runde. Keine Antwort. Alles klar.
„Nö, brauchen nix mehr, bring Mukke mit oder so..“
„Auf jeden! MUKKE! WIE GEIL!“, wirft Heinrich ein.
„Alles klar, dann bis gleich, reinhauen.“
„Yup, reinhauen.“
Alles klar, Robbin is am Start, herrlich. Dann warten wir mit dem nächsten Joint natürlich. Obwohl, is ja noch einiges da. Scheiß drauf… wir wollen schließlich aus dem Vollen schöpfen, das Leben in vollen ZÜGEN genießen. Ich mache mich daran das nächste Rohr zu rollen.
Heinrich unterbricht mich plötzlich. „Warte ma, lass ma jetzt keinen rauchen.“ – „Was? Warum nicht?“, fragt Tim mit zrittriger Stimme, als würde gleich die Welt untergehen. „Ich hab Robbin grad’ ne mail geschrieben. Is ne Überraschung.“ – „Ja, aber ich kann doch schon mal bauen, oder nich?“ – „Ja sicher…“.
Was für eine Überraschung? Was sollte so toll sein, dass man deswegen jetzt nich einen schmauchen könnte? Wo liegt das Problem? Müssen wir für die Überraschung etwa nüchtern sein? Och nee, auf so was hab ich ja gar keinen Bock. „Wasn das für ne verkackte Überraschung?“, fragt Tim genervt. „Wirste schon sehen, ihr werdet mir danken.“. Gut, dann eben nich. Warten wir’s ab. Robbin wollte ja bald hier sein. Hoffentlich dauerts nich mehr lange.
Ich werde von lautem Gelächter geweckt. Ich muss wieder eingeschlafen sein. Das weed is doch ne Spur zu krass für mich. Warum lachen alle? Ich gucke meine Leute an und komme mir vor wie im Irrenhaus. Sie sitzen da mit weit aufgerissenen Mündern, zugekniffenen Augen und lachen als wären sie dem Wahnsinn nah. Außerdem stelle ich fest, dass Till weg is. „Wasn los?“ frag ich. „Till hat sich in die Hose geschissen.“, sagt mir Tim mit Tränen in den Augen. „WAS?“ – „Jaman, der saß hier und hat als so komisch geguckt und sein Gesicht verzogen. Der kam nich mehr klar alter. Da hat Heinrich ihn gefragt was er macht. Da hat er sich voll erschreckt, hat geschrien ‚was machst du denn hier?’, is aufgestanden und da hats schon so komisch gerochen. Der war voll verwirrt und meinte ‚Wo is denn plötzlich das Klo hin? Ey was is denn hier los?’ und is dann aufs Klo gerannt. Da isser jetzt schon seit 10 Minuten.“
Ich glaube es nicht. Till muss gedacht haben er sei aufm Klo oder so. Auf jeden Fall hat er einige Zeit auf dem Sofa gesessen und gedrückt was das Zeug hält. Ich fasse es nicht. Das is eindeutig zu viel für mich. Ich lache nicht darüber. Nicht im Moment. Dafür bin ich zu schockiert.
Till kommt rein und hat den Gesichtsausdruck eines gezeichneten Mannes. Er hat eine neue Hose an, die so eng anliegt, dass sich alles abzeichnet. Lustiges Bild. Till setzt sich, Heinrich rückt etwas angewidert etwas weiter nach rechts, weg von Till. Till sitzt, nimmt sein Bierglas und sagt „Kein Klopapier… ich muss Klopapier hier reinstellen.“.
Was is nur mit diesem Jungen los!?
Aha, es klopft – das is Robbin. Herrlich. Der verlorene Sohn ist heimgekehrt.
Ich mache ihm auf und erzähle ihm zwischen Tür und Angel schon von Sofa-Schisser Till und Traktor-Fahrer Heinrich. Er ist amüsiert, lacht aber nich wirklich, als hätte er sich so was in der Art schon denken können. Auch nich schlecht.
Er nimmt links neben Tim, gegenüber von Heinrich und Till, Platz.
Er nimmt seinen Rucksack auf den Schoß und macht ihn auf.
Er holt eine CD nach der anderen raus. „So, einmal ‚Gottes Werk und Creutzfelds Beitrag’ (Robbins Lieblingsalbum), einmal ‚Redman, Methodman – Blackout’, einmal ‚Stammtisch Mixtape’, ein Deluxe Soundsystem, ein Louis Logic Album und ein Blumentopf Album“ – „Welches?“, fragt Tim. „Öhm, ich glaube Eins-A“ – „Ah, wunderabr“.
Toll, sollte das die Überraschung sein? Nee, oder?
Moment, er macht den zweiten Reißverschluss des Rucksacks auf und greift hinein. Er holt 3, 4 braune Stäbe raus… „PHILLIES!“, ruft Tim begeistert. Phillies? JAWOLL! Hallo Blunt-Action! Krass, das wird lustig!
Aber Achtung: Er holt noch was raus. Muss größer sein, der greift mit beiden Händen hinein, sieht aus als wäre er vorsichtig, er will wohl nichts kaputt machen.
„JAWOLL, NE BONG!“ ruft Tim, wieder total begeistert.
Ne, Bong, oh je… Gute Nacht.
Die Überraschung ist gelungen. Phillies und ne Bong. Scheiße Mann, was soll das bloß geben?
Till sitzt total apathisch da und sagt kein Wort mehr. Er verfolgt einen Videoclip auf Viva.
„Haha, was is denn mit Till los? Der is ja völlig weggetreten!“, sagt Robbin.
„Ja, der hat die Tüte nich verkraftet.“, antworte ich ihm. Robbin kichert vor sich hin und starrt Till an.
Moment, wir haben Robbin noch gar nicht auf sein Verschwinden angesprochen. Der meint doch nich dass er damit einfach durchkommt. Da hat er sich aber geschnitten.
„Hier, Robbin, wieso bistn du einfach nach Hause gegangen?“ – „Alter, hör mir bloß auf“, fängt er an. „… das war nich mehr normal. Ich hatte so einen Lachkrampf, dass nix mehr ging. Ihr wart plötzlich alle weg und ich war voll sauer. Ich dachte ihr versteckt euch oder so. Ich bin mindestens 10 Minuten total breit an der Haltestelle rumgelaufen und hab geruden ‚Ey Jungs! Kommt raus jetz, das is nich lustig’. Aber ihr seid nich gekommen. Die Leute an der Haltestelle haben mich angeguckt als sei ich bescheuert. Hab mir dann nen Taxi nach Hause gerufen.“ – „Ja, deine Mama hat gefragt ob wir Drogen genommen haben.“, sagt Tim. „Was? Hä? Wieso meine Mama?“ – „Ja wir haben auf deinem Handy angerufen… und die meinte du wärst heimgekommen und hättest alle Milchschnitten gegessen und sie ausgelacht und hättest dich dann in ihrem Bett schlafen gelegt…“ – „WAS? Ach du Scheiße. Nee, kein Plan, ich weiß garnix mehr davon, wie ich heimgekommen bin. Ich bin irgendwann aufgewacht und hab mich gewundert was ich im Zimmer meiner Mum mache, aber die war schon bei ner Freundin. Ach du scheiße, dann darf ich mir ja morgen was anhören. Klasse…“. Irgendwie find ich das lustig. Der durche Robbin, unglaublich.
Wir sitzen da und gucken Fernsehen und fressen Schnucke, mein Blick schweift etwas gelangweilt durch den Raum… Mann, stehen hier viele Lampen. Sowas bescheuertes, so viele Lampen und kein Licht. Wie kann ein Mensch, der Licht so verabscheut, wie Till, so viele Lampen im Zimmer haben? Ein Aquarium mit Schildkröten… achso, das riecht so muffig. Mann, sind die Schildkröten riesig. Was liegt denn da neben dem Aquarium? Is das etwa…? Nein, das wär’s ja… oder? „Till… Till! … Tiiiiill!“ – „JA WAS DENN!?“ – „Is das ne Digi-Cam, die da liegt?“ – „Dicki- was?“ – „Vergiss es, wem gehörtn das was da liegt?“ – „Meinem Vater, lass das da liegen!“. Das meint der nich ernst oder? Da liegt ein Camcorder und ich soll die Finger davon lassen? Im Leben nich. Ich stehe auf und grab mir die Cam. Till fängt an zu fluchen und mich zu beschimpfen. Er droht mir dass er mich rausschmeißt, wenn ich die Cam nich wieder hinlege. Heinrich und Tim versuche Till zu beruhigen reden auf ihn, dass ich schon nichts kaputt machen würde. Till interessiert das aber nich. Er flucht und schimpft und versucht dauernd von seinem Sofa aufzustehen, kriegts aber nicht so richtig hin. „Till, die Cam is an. Alles was du jetzt machst habe ich auf Video.“, sage ich. Und das stimmt. Ich habe die Kamera eingeschaltet und sehe auf dem Display, dass der Akku vollständig geladen is, dass noch 81 Minuten der 90-Minuten Mini-DV Kassette frei sind und Till und Heinrich auf dem Sofa. Ich drücke auf „REC“ und die Aufnahme beginnt.
Till beruhigt sich und guckt böse in die Kamera. Ich freue mich über meinen Sieg und setze mich. Heinrich nimmt den riesen Beutel Gras und sagt „Halt ma auf mich!“, was ich sofort mache. Ich gehe auf Heinrich und zoome etwas ran. Mein Gott, auf dem Display der Kamera wirkt Heinrich noch breiter und fertiger. Shit, hat der Junge rote Augen. Heftig. Heinrich hält das weed links von seinem Gesicht und legt ein breites Grinsen auf. „Ratet mal, was wir heute abend machen…“, sagt er in die Kamera. „Richtig, wir kiffen uns die scheiße raus!“, sacht er und macht eine „Ich zieh am Spliff“-Geste. Ich gehe auf Tim, der mir sofort Two-Thumbs-Up in die Kamera gibt. Robbin hat gerade ein ganzes Snickers im Mund und sagt mit vollen Backen „Gnau, etz ruppn wir erftma ne Bong!“. Ich halte auf Till… „Mach das Ding aus du Scheißling! Wenn das mein Papa sieht!“.
Gut, ich schalte die Cam vorerst ab. Konzentrieren wir uns auf die Füllung für die Bong. Jeder soll sich seine eigenen 2 Köpfchen mischen. So, wie er meint, dass er es verträgt. „Wieso mischen?“, sagt Robbin. „Bei der Menge die du liegen hast können wir’s doch pur rauchen… oder nich?“. Da hat er auch recht. Ob das allerdings so klug is? Naja, Vorschlag wird einstimmig angenommen und somit geht’s mit dem Druggy-Bag und der Bong vor die Tür. Die Cam nehme ich vorsichtshalber mit.
Till bleibt sitzen, er hat wohl genug. Nachdem wir uns aus dem Sofa gekämpft haben und die Haustür erreicht haben geht Robbin kurz auf’s Klo um Wasser einzufüllen.
Er kommt wieder und stopft den ersten Kopf in die Pipe. „Das wird Lecker, Jungs.“, sagt er, sich seiner Sache sicher. Wir stehen wie die Deppen im Kreis um die Bong, alle voller Vorfreude. „Was isn das jetz?“, sagt jemand. HÄ? Wer stellt denn sone dämliche Frage? Oh, Till is gekommen. Er schaut Robbin beim stopfen der Pipe zu als hätte er nie etwas faszinierenderes gesehen. „Kann ich das auch ma machen?“, fragt er und guckt Robbin an. „Klar, warte, ich zieh dir den schon mal nen bisschen vor… du musst nur tief luftholen, immer wenn ich es dir sage. Das mit dem Kickloch mach ich.“, antwortet ihm Robbin, total seriös, mit der trockenen Überlegenheit eines Lehrers. Ok, es ist Zeit für die Cam! Ich schalte sie ein halte auf Till.
Robbin hält Till die Pfeife hin, till setzt den Mund an und zieht. Er zieht das Zeuch weg als ginge es um sein Leben. Dabei reißt er die Augen weit auf. „So, jetzt warte“, sagt Tim „…atme aus.“. Till atmet aus. Die Pipe is jetzt gefüllt mit dickem, weißem Qualm. „Und jetz zieh alles weg, Silly-Tilli“, sagt Robbin und Till ruppt das Rohr leer. BANG! Till hustet sich tot. Zum zweiten mal heute abend. Er hustet wie scheiße. Till hustet sich tot, wir lachen uns tot – bestimmt zum 1000. mal heute abend.
Till dreht sofort um und geht rein. Ohne ein Wort zu verlieren.
Ich folge ihm mit der Kamera bis er um die Ecke stolpert. Robbin ist dran. Er zieht brav seinen Kopf und reicht die Pipe weiter an mich. Ich zieh meinen Kopf, während Heinrich die Cam hält. Dann ist Heinrich dran. Er zieht sein Köpfchen weg und hustet dann kräftig. „Boah mann alter, so hab ich lange nich mehr husten müssen“, sagt Heinrich. Tim darf ran.
Mit mir ist es aus. Ich bin im Arsch. Ich muss mich setzen. Ich lasse mich auf einen der Gartenstühle fallen und sehe aus meinen zwei kleinen Schlitzen, die mal meine Augen waren, wie Robbin sich einen zweiten Kopf klarmacht. Ich lache und sage ihm, dass er sie nicht mehr alle hat. Robbin hört mich aber nich. Er konzentriert sich auf seine Bong.
Die Cam ist immer noch an. Das Objektiv der Kamera ist zu meinem neuen Sehorgan geworden. Alles was ich mir anschaue, schaue ich mir durch die Cam an. Ich bin high wie nie zuvor und betrachte voller Bewunderung durch die Kamera wie Robbin seinen Kopf zieht. „Scheiße, da kommt jemand die Treppe runter!“, sagt Heinrich. Robbin ruppt schnell zu ende und versteckt die Bong unterm Tisch… Es ist… es ist… wer mag da nur kommen?... Es wird doch nicht der Vater sein? Ich halte mit der Cam mit auf die Tür die zum Treppenhaus führt und warte gespannt wer gleich die Tür öffnet. Die Tür geht auf und Tills Putzfrau steht vor uns. Tills Familie hat eine Putzfrau, die von Freitag früh um 8:00 Uhr, bis Sonntag abend um 20:00 zum Hauseigenen Buttler wird. Sprich: Sie wohnt über’s Wochenende bei Tills Familie und funktioniert ähnlich wie ein Diener. Sie spricht kaum Deutsch, ihre Muttersprache ist russisch.
Glück gehabt! Es ist nur die Putze. „Gute Tagg“, begrüßt sie uns. „Guten Tag“ antworten wir fast gleichzeitig und lachen uns dann scheckig. Sie guckt uns blöd an und geht zu Till ins Zimmer. Ich folge ihr mit der Cam und sehe, wie sie rings um Till herum anfängt seine Sachen wegzuräumen. Für Till is das nix besonderes. Normalerweise. Aber er hat gerade zum zweiten mal in seinem Leben Gras geraucht, und dann auch noch eine Bong. Das alles an einem Abend. Er guckt die Putzfrau an und sein Blick bleibt auf ihr haften. Ich verfolge das und kriege am Rande mit, wie sich Tim draußen auch noch einen zweiten Kopf klarmacht.
Till sitzt auf der Couch und starrt seine Putzfrau an als hätte er sie noch nie gesehen.
„WAS IS DENN LOS?“ schreit Till die Putzfrau an, die nur ihre Arbeit macht. Pffffffttt, ich muss mich zurückhalten, sonst lache ich los. Heinrich und Robbin gucken interessiert zur Tür rein, Tills Geschrei war nicht zu überhören.
„WAS MACHST DU DENN HIER?“, schreit Till weiter. – „Ich ma sauba.“, sagt die Putzfrau verwirrt. „DU SCHEIßLING! IMMER DIESE PENNERS! ICH HAB DOCH GESAGT ICH HAB NIX! VERSCHWINDE AUS MEINEM HAUS! ODER ICH HOLE DIE FLINTE! ICH SCHWÖRS DIR ICH HOLE DIE FLINTE DU PENNER! Die Fenster sind schon verriegelt, ich weiß garnich wie du hier reingekommen bist! Sag denen das ich das Schnitzel in den Kühlschrank gemacht habe! Ich will davon nix mehr wissen DU PENNER! Scheiß PENNERS!“ schreit Till total aufgeregt. Die Putzfrau steht da wie angewurzelt und guckt mich hilfesuchend an. Ich stehe da und filme das alles. Ich bin total perplex und weiß nich so recht was ich machen soll. Die Putzfrau geht an mir vorbei und geht die Treppe wieder hoch.
Ich gehe zu Till und frage ihn was das sollte, wieso er seine Putzfrau so anschreit. „Was? Putzfrau? Ich hab kein bock auf stress mit der polizei ok? Lass mich einfach in Ruhe.“ – Alles klar, Till hat seinen Verstand verloren. Mittlerweile sind auch Tim, Heinrich und Robbin wieder im Zimmer.
Wir setzen uns und Heinrich schnappt sich das Blumentopf Album, das Robbin mitgebracht hat. Er legt sie CD in Tills CD-Player und schaltet den TV auf MUTE. Die nächsten 15 Minuten lassen wir uns von smoothen Beats, Doppelrhymes, Metaphern und Wortspielen berieseln. Till steht nich auf Musik, aber jetzt gerade nickt er mit dem Kopf zum Beat. Lustiger Anblick. Ist man von Till gar nicht gewohnt. Sieht aus wie ein Wackel-Dackel, mit seinem großen Kopf. Die Kamera habe ich nach 10 Minuten Dummgelabere abgestellt. Jeder hat ein dummes Statement in die Cam gegeben, jeder hat nen doofen Spruch abgelassen, Till hat ne Bong geruppt und seine Putze zusammengeschissen, das reicht fürs erste. Ich lege sie auf meinen Schoß und chille zur Mukke. Blumentopf kann schon was feines sein, wenn man sich über gute Rhymes und hammer Wortspiele freuen kann. Mittlerweile dürfte es ca. 23:00 Uhr sein. Vielleicht etwas später, vielleicht früher. Ich kann keine Uhr im Zimmer entdecken. Wir sind total im Arsch und Heinrich schiebt mir ‚ne Phillie rüber. Alles klar, ich habe verstanden. Die nächste halbe Stunde verbringe ich damit einen Blunt zu rollen und dieses zu Filmen. Tim hat mittlerweile einen Film eingelegt. The Big Hit, Robbin hat ihn mitgebracht. Ich krieg vom Film aber nich viel mit, ich versuche zu bauen und zu filmen gleichzeitig und dieses leise zu kommentieren. Würde ich wahrscheinlich normalerweise nich machen – aber ich bin halt todesdichte.
Mein Blunt is fertig. Ca. 4 Gramm pures Gras in einem Phillie. Wir lassen den Blunt etwas trocknen und ziehen dann gemeinsam vor die Haustür. Till kommt diesmal gleich mit.
Während wir draußen den Blunt rauchen erinnern wir uns an Tills kleines Missgeschick, wie er sich in die Hose geschissen hat. Wir lachen und versuchen Robbin die Situation zu beschreiben. Alter, der Blunt haut ganz schön rein. Ich bin definitiv nicht mehr zurechnungsfähig. Ich kann klares Wort mehr sprechen und sehe alles verschwommen. Ich habe Paras. DAS is krass. Ich hatte noch nie Paras vom Kiffen. Ich wusste gar nicht dass das möglich is aber ich habe wirklich krasse Paras. Ich bilde mir dauernd ein irgendjemand würde was sagen, dabei sind alle still. Keiner sagt was und doch höre ich dauernd stimmen. Vor allem Heinrich höre ich dauernd sprechen. Eben habe ich ihn sogar neben mir stehen sehen, dabei steht er eher weiter weg von mir. „Ich bin definitly im Arsch Leute, scheiße.“, sage ich. Die anderen nicken. Wahrscheinlich geht es ihnen ähnlich. „Ey ich höre dauernd stimmen!“. Vielleicht geht’s besser, wenn ich es ihnen erzähle. „Ich höre dauernd jemanden reden! Was gehtn ab mit mir?“ – „Du bist breit“, sagt Heinrich. Diesmal hat er wirklich geredet…. Oder? Hat er das gesagt? Hm, kurz überlegen. Denk nach… „Hast du gerade ‚Du bist breit’ gesagt?“ – „Jab.“. Alles klar. Erleichterung. Der Blunt macht jetzt zum 4. mal die Runde. Scheiße, da is immer noch die Hälfte dran. Wie geht denn so was? Aber wir machen nicht schlapp, wir schaffen das. Wär ja gelacht. Wir alle haben sichtlich genug und sind jeder für sich breit für 100. Tim dreht sich immer wieder blitzartig um und wirft einen Blick in den Garten. Schon wieder… und noch mal. Wenn er das noch mal macht frag ich ihn was los is. Gut. „Was’n los Tim?“ – „Wieso?“ – „Ja du guckst dauernd so hektisch zum Garten rüber…“ – „Ich glaub da is was“ – „……….. was soll da sein?“ – „Irgendwas großes, aber es ist leise, es kann schleichen, wir müssen vorsichtig sein. Wenn das Tor einmal offen weißt du nich was durchkommt. DAS is die Gefahr.“. Oh Scheiße. Ich bekomme Schiss. Aber nicht vor Tims Dichtheit, sondern vor dem riesigen Ding, vor dem wir uns in Acht nehmen müssen, dass durch irgend son scheiß Tor kam. Heinrich guckt mich an, dann zu Tim rüber und schüttelt mit Kopf. Er nimmt die Hände vor’s Gesicht, reibt sich die Augen und fängt dann an sich fettzulachen. Robbin is garnich mehr anwesend. Er sitzt da und starrt die Hauswand an. Er lässt sich nich von Heinrichs Lachen anstecken. Der Blunt neigt sich dem Ende, aber Till muss auf jeden Fall noch mal ziehen. „Till! Hier, nimm!“, sag ich. Till greift zu und raucht… Wir trotten zurück ins Zimmer und Till raucht noch fertig. Ins Tills Wohnung darf man nich rauchen, weder Zigaretten, noch Joints. Die Eltern würden ausrasten, wenn sie Rauch in der Bude riechen würden.
Wir sitzen auf der Couch und warten auf Till. Tim hat es nicht bis zur Couch geschafft. Er liegt auf Tills Bett und steckt mit dem Kopf im Kopfkissenbezug. Er liegt nicht auf dem Kopfkissen, sondern IM Kopfkissen. „Was machtn der spast da?“, fragt Heinrich. Tim fängt an zu weinen. Er weint. Ich höre nur ein Schluchzen. Ein echtes, gequältes Schluchzen. „Ey weint der Typ jetz oder fahr ich Filme?“, fragt Robbin ernstgemeint. „Nee, ich hörs auch“, sag ich. Ich gehe zu Tim und will ihm den Bezug vom Kopf nehmen. Ich packe den Bezug am Zipfel und ziehe. Tim hält den Bezug fest und fängt an zu schreien wie am Spieß. Man hab ich mich erschrocken. Ich zucke zurück und Tim schreit weiter. Till kommt um die Ecke und steht jetzt im Zimmer. „Ey was is denn hier los?“, sagt er, zieht am Blunt, atmet aus und guckt uns an. „Tim dreht durch“, kläre ich ihn auf.
„Ey ihr scheißlinge, ich wusstes, was macht der penner in meinem Bett? Der soll da raus und nich so schreien! Wer is denn das?“, fragt er plötzlich. „Tim!“, sag ich. „Häh? Tim steht draußen du Penner!“. Heinrich fängt an zu lachen und gibt ein „Hier is was los ey“ von sich. „Tim liegt hier im Bett! Draußen is keiner mehr außer dir.“. „Till guckt kurz zur Tür raus und sagt dann „Ach du scheiße“ und geht Richtung Sofa. Er setzt sich. Tim hat sich mittlerweile beruhigt und ich lasse ihn liegen. Meinetwegen soll er doch den Bezug überm Kopf behalten. Soll mir egal sein. Ich setze mich auch aufs Sofa und nehme die Cam in die Hand. Ich schalte sie ein und halte auf Till. „Sag ma Till, wo aschst du eigentlich hin?“, frage ich ihn. Er hat den Blunt noch in der Hand und raucht ihn die ganze Zeit über. „Wie, hinaschen? Hier wird nich geraucht du scheißling“ – „Ach, ehrlich?“, sagt Heinrich und zeigt auf den Blunt in Tills Hand. „SCHEIßE! SCHEIßE! EY SCHEIßE! Wie das stinken tut!? WAS MACH ICH DENN JETZT? SCHEIßE! WENN JETZT MEIN PAPA KOMMT!“ Till wird nervös. Er hat einfach vergessen dass er am rauchen is. Zu herrlich. Während wir uns totlachen rennt Till total aufgelöst durch die Bude, immer noch den Blunt in der Hand. Er kommt wieder rein und sagt „Was war noch mal? Was will ich?“…. „Du wolltest den Blunt wegmachen!“, sagt Heinrich. Till rennt raus und wirft ihn weg, wie eine Granate, deren Stick er vorher gezogen hat. Er kommt rein und ist bewaffnet mit Deo. ADIDAS, PUMA, AXE, NIVEA… er hat ALLES angeschleppt und fängt an zu sprayen wie’n Bekloppter.
“BÜÄH ALTER! HÖR AUF! WILLST DU UNS UMBRINGEN?“ schreit Heinrich. Tim und Robbin kriegen davon nich viel mit, Tim liegt im Koma und Robbin schläft mittlerweile auch. Zumindest hat er die Augen geschlossen und reagiert auf nichts mehr.
Heinrich und steheh auf und reißen die Fenster auf. Nach einigen Minuten ist der beißende Deogestank weg und wir chillen auf dem Sofa. Till steht auf und sagt „Guckt ma was ich hier hab!“ und holt ne Gasmaske vom Schrank. Eine richtige Gasmaske! So richtig echt… hab ich vorher nie gesehen. Sieht cool aus. Er zieht die Gasmaske auf und hampelt rum. „Die hab ich mir gekauft letzte Woche! Voll geil!“. Er hat die Maske auf und imitiert Darth Vader… verdammt schlecht. Er sitzt jetzt seit 5 Minuten mit der Maske auf da und guckt TV. Das kann doch nich angenehm sein. Er steht auf, geht Richtung Treppenhaus und sagt „Ich hab Hunger“. Ich gucke Heinrich an und sage „Der wird doch nich mit der Maske hochgehen?“ – „Siehste doch. Pass ma auf, das gibt was.“. Ich lache und gucke den Film weiter. Plötzlich hören wir oben ein Klirren. Ein lautes, ekliges Klirren und einen dumpfen Schrei. Was is passiert? Heinrich und ich springen zum Treppenhaus, verstecken uns hinterm Geländer und versuchen durch Lauschen näheres herauszufinden. Wir hocken da wie kleine Schuldmädchen und kichern. Wieder so ein klirrendes Geräusch! Was macht der Typ da? Was in Gottes Namen macht der da? Oh Gott, schwere Schritte aus Richtung Schlafzimmer der Eltern. Jetzt dürfte Tills letztes Stündlein geschlagen haben. Ich hole schnell die Cam und gehe zurück ins Treppenhaus. „Is was passiert?“, frage ich Heinrich. „Nö, noch nich.“, sagt er. Ich schleiche die Treppen hoch um in die Küche schauen zu gucken. Ouh, knapp, scheiße. Der Anwalt steht vor der Küchentür und guckt durch den Türspalt hinein. Wahrscheinlich erkennt er Till wegen der Gasmaske nich. Scheiße, der muss ja sonst was denken! So, Take 1, Kamera läuft, ACTION! Der Anwalt reißt die Küchentür auf und schreit. Till schreit. Der Anwalt packt sich Till und verrenkt ihm die Arme aufm Rücken. Till schreit noch mehr. „AAAHHH PAPA, PAPA! PAPAAAAA! PAPAAA! HÖR AUF! AAAAAH!“. Ich kann nich mehr und würde am liebsten laut loslachen, aber das käme jetzt, glaube ich, nicht so gut. „Wasn los, wasn los?“, flüstert Heinrich von unten. „WARTE!“, zische ich zurück. Ich halte mit der Käm in die Küche und kann nicht viel sehen, außer ein bein von Till. Dann sehe ich wie Till die Maske auf den Küchentresen legt und dann klatscht es. Till hat eine Backpfeife kassiert. „RÄUM DAS AUF UND GEH INS BETT! DEINE FREUNDE GEHEN NACH HAUSE!“, höre ich den Anwalt sprechen. Ich gehe die Treppen runter und verstecke mich wieder. Wir hören Papa-Till ins Schlafzimmer zurückgehen. Ich gehe die Treppen wieder hoch und kann nun die ganze Küche einsehen. Till hat das (wahrscheinlich teure) gute Porzellan von Mama auf dem Boden verteilt. Wahrscheinlich ist es ihm entgegengeflogen als er den Geschirrschrank öffnete. Den Scherben am Boden nach zu urteilen müssen es so an die 10 Teller gewesen sein. Daneben liegen einige Glasscherben. Wahrscheinlich stammen die von Gläsern, die das zweite große Klirren erklären würden.
Ich gehe die Treppen wieder runter und gehe mit Heinrich zurück in Tills Zimmer. Ich erzähle ihm was abging und Heinrich lacht sich herrlich tot.
Till kommt runter, ohne was zu essen und sieht mitgenommen aus. Dafür hat er die Putzfrau mitgebracht. „Was war denn?“, frage ich unschuldig und schiele etwas verwundert zur Putzfrau rüber. Freiwillig würde die doch nicht mehr nach unten kommen, nachdem was Till mit ihr abgezogen hat. „Ach nix, mein Vater… total verrückt der Penner. Hätte mich fast umgebracht der Penner.“, antwortet mir Till. Wir müssen wieder lachen. Dann nimmt er die Putzfrau an die Hand, die ungefähr einen Kopf größer ist als er und sagt „Guckt mal, die hab ich mitgebracht, die kann hier sauber machen. Dann müssen wir nix inn Mülleimer machen oder so, das macht die dann!“, sagt er und denkt er hatte gerade die Idee seines Lebens. Die Putzfrau hat Angst, das sieht man ihr an. Sie fühlt sich unwohl – kein Wunder. Till guckt uns mit großen Augen an wartet darauf dass wir was sagen. „Till du Spast! Lass doch die arme Frau in Ruhe! So faul wirst doch nich sein, dass du ein, zwei Papiere nich selber in den Mülleimer werfen kannst!“, sagt Heinrich etwas böse. „Was? Ach, scheiß auf dich Penner. Hier, FRAU, du kannst dich hier hinsetzen.“, sagt Till. Till kennt den Namen der Putzfrau immer noch nicht. Ich filme das alles und weiß nich so recht was ich davon halten soll. Till setzt sich völlig cool auf seine couch und lässt die Putzfrau auf einem kleinen Hocker neben sich Platz nehmen. Sie guckt uns ständig an, als würde sie hoffen wir würden sie vor dem verrückten kleinen Wiesel retten. Till macht ein Snickers auf und fängt an es zu essen, während er das Ende von The Big Hit guckt. Als er es aufgegessen hat, gibt er der Putzfrau, die genau neben ihm auf einem Hocker sitzt das Papier in die Hand, ohne sie dabei anzugucken. Völlig selbstverständlich also. Sie wirft dieses dann in den Mülleimer, der genau neben ihr steht. „JETZ REICHTS ABER!“, sagt Heinrich. „Mit sonem scheiß will ich nix zutun haben. Die Frau geht jetz wieder hoch, ich glaubs geht los!“, sagt Heinrich. Womit er eindeutig Recht hat. Mir ist das ganze auch mehr als unangenehm. Heinrich dreht sich zur Putzfrau und sagt völlig trocken „Gehen sie, verschwinden sie! Gehen sie, solange sie noch können! Es ist das beste für uns alle!“. Wie in so einem scheiß Film. Ich muss lachen und die Putzfrau steht etwas zögernd auf, guckt dann Till an, der sich nicht bewegt und auch keine Anstalten macht, und geht dann Richtung Treppenhaus.
Verdammte Scheiße, wie hart. Das war krass. Durcher Typ, der Till. Saugeil dass ich das alles auf Video hab. Ich freu mich wie ein kleines Kind darüber.
Tim is weg. Das Bett is leer, wo ist Tim? Vielleicht ist er jetzt ganz inn Kopfkissenbezug geklettert!? „Habt ihr gesehen wo Tim hin is?“, frage ich. „Nee, wo isn der?“, sagt Heinrich und wirft nen Blick rüber aufs Bett. Ich gehe zum Flur und sehe dass die Eingangstür offen steht. Aha, eine Spur. Vor der 8 Meter hohen Tanne in Tills Garten liegt einer von Tims Schuhen. Ich ahne fürchterliches. Ich filme mit der Cam die ganze Tanne ab und werde fündig. In ca. 5 Metern Höhe sitzt Tim und schläft, wie es aussieht. Einen Schuh hat er bei seinem Aufstieg anscheinend verloren. Ich filme das ganze 2 Minuten und entscheide mich dann Heinrich zu Hilfe zu holen und Tim vom Baum zu schaffen. Ich hole Heinrich und wir beginnen auf den Baum zu klettern. Mann is das schwer, vor allem in dem Zustand. Ich weiß garnich wie Tim das geschafft hat. Wir klettern also hoch, ich immer noch mit der Kamera, die eine Schlaufe hat, um den Hals und sind bald auf Tims Höhe angelangt. Gut, wir sitzen neben Tim. Das heißt, ich sitze auf dem gleichen Ast wie Tim und Heinrich klemmt zwischen zwei Ästen daneben. „Ach du scheiße!“, sagt Heinrich. „Was denn?“ frag ich. „Guck ma“, sagt Heinrich und zeigt auf ein Fenster, welches genau gegenüber von uns zu sehen ist. „Ja und?“, sag ich. „Denk ma nach, dadrunter is doch Tills Zimmer… und was is über Tills Zimmer?“. Scheiße, er hat Recht. Das is das Schlafzimmer der Eltern. Ok, cool bleiben. Wir müssen Till so schnell wie möglich und vor allem so leise wie möglich hier runterkriegen. Ich wecke Till sanft, so sanft ich kann. Ich streichle ihn an der Schulter und flüster ihm immer wieder ins Ohr „Tim… aufwachen! Tim… wach auf, wir müssen hier runter! Tim…“, aber Tim wacht nich auf. Heinrich is genervt und angespannt, ich kann ihn verstehen. Heinrich packt Tim am Arm und kneift ihn leicht in den Oberarm. Tim wacht und schreit plötzlich. Ok, das wars, ganz sicher. Scheiße, ein kleines Licht im Schlafzimmer des Anwalts geht an und er kommt zum Fenster. Armer Mann, was der in dieser Nacht durchmachen muss. Und wieder bietet sich ihm ein unbeschreibliches Bild. Drei zugedichtete Deppen sitzen in seiner Tanne und gucken ihn durchs Fenster an. Er macht das Fenster auf und starrt auf die Cam, die um meinen Hals hängt. Scheiße, fuck. „Is das da meine Kamera?“ – „Nein… äh, nein. Nee das is meine.“ – „Nein, das is meine Kamera. Ich glaub das is meine Kamera. Ich rufe jetzt die Polizei.“. Fuck und jetzt. Der Anwalt steht noch vorm geöffneten Fenster und guckt uns an. Vielleicht wartet er auf eine Entschuldigung, oder vielleicht will er uns betteln hören, dass er doch bitte nicht die Polizei rufen soll. Ere steht also da und starrt uns an. Heinrich und starren ihn an. Tim guckt ins leere… schließt kurz die Augen, öffnet sie wieder, stößt zweimal auf und kotzt dann die Niagra Falls die Tanne runter. Ich hab noch nie einen Menschen so viel kotzen sehen. Der Anwalt knallt das Fenster zu und geht aus dem Zimmer. Shit. Wir klettern mit Tim im Arm so schnell wie wir können die Tanne runter und müssen dabei immer wieder aufpassen nicht Tims Kotze zu berühren, die die ganze Tanne schmückt, als wär Weihnachten.
Wir kommen endlich unten an und rennen in Tills Zimmer. Till hat mittlerweile einen Porno angemacht und hat wieder seine Gasmaske auf. Ein skurriles Bild, dass sich einem wohl nicht so häufig bietet – glücklicher Weise. Robbin schläft noch. Ich lege die Kamera schnell an ihren Platz, da höre ich schon die Schritte im Treppenhaus. Kacke, jetzt kriegen wir aufs Maul. Hundertprozentig. Tim haben wir auf dem Klo versteckt, immerhin hat er gekotzt und das muss nicht nochmal in der Anwesenheit des Anwaltsin passieren. Einmal reicht.
Der Anwalt reißt die Tür zu Tills Zimmer auf, sieht uns dasitzen und kommt auf uns zu. „Ihr geht jetzt.“ – „Ja, sir.“, sage ich und will aufstehen. Irgendwie bin ich so nervös und so kaputt, dass ich nicht aufstehen kann. Dieses scheiß Sofa. Es lässt mich nich. Ich bin zu dicht für diese kranke Couch. „Steh auf“, sagt der Anwalt. „Ich kann nicht“, antworte ich und kriege stoned wie ich bin einen Lachflash der sich gewaschen hat. Der Anwalt packt mich am Arm und zieht mich hoch. „Danke“, nuschel ich und Heinrich muss kichern. Heinrich weckt Robbin und zieht ihn hoch. Till hat GARNICHTS mitbekommen, wahrscheinlich wegen der Gasmaske und weil er scheiße breit is. Er sitzt immer noch da, mit der Maske überm Schädel und fährt sich den Porno rein. Der Anwalt nimmt die Kamera, legt sie sich um den Hals und sagt „Na da bin ich ja mal gespannt“ und führt uns zur Tür.
Wir gehen raus und ich entschuldige mich noch, doch davon will der Anwalt nix wissen. Während er die Tür schließt hören wir Till was sagen. Er sagt es so laut, dass wir es noch deutlich hören können, und der Anwalt erst Recht. (Die Gasmaske scheint einen ähnlichen Effekt wie Kopfhörer zu haben. Ihr kennt das doch, manche Leute reden lauter, wenn sie mit Kopfhörern Musik hören, weil sie denken die anderen haben auch diesen Lautsärkepegel. Und so auch Till.) Till ruft „Ey, auf die geile ***** müssen wir noch einen Kiffen ihr Penners“. Mit diesen Worten im Hintergrund knallt der Anwalt die Tür zu. Ich drehe mich noch einmal um und gucke zur Tür, durchs Glasfenster hinein. Der Anwalt steht noch da, wahrscheinlich um zu prüfen ob wir abhauen und schwenkt mit der Kamera.

Scheiße, die Kamera.
deadly.Hyena
Zitat:

So geht einer der krassesten Kifferabende in meinem Leben zu Ende. Ich weiß nicht was für Zeug das war, dass wir geraucht haben, ich hab keine Ahnung was mit uns los war. Aber es war ein Horrortrip.

Tills Vater hat sich das Band natürlich angeguckt, hat aber nicht die Polizei gerufen, nachdem wir während eines Telefonats versprachen uns nie wieder bei Familie Anwalt blicken zu lassen. Till hat mit seinen 23 Jahren Hausarrest bekommen und er durfte keinen Besuch bekommen. Außerdem musste er zur Drogenberatung. 10 Sitzungen, á 120 Minuten.

Wir konnten 4 Monate lang nicht zu Till. Danach pendelte sich langsam alles wieder ein. Wir gingen erst nur einzeln hin. Ich entschuldigte mich mindestens 10 mal bei der ganzen Familie, inklusive Putzfrau und irgendwann war die Sache gegessen.

Vor etwa 2 Jahren habe ich dann mit Till zusammen das Tape, das ich aufgenommen hatte, aus dem Wohnzimmer der Eltern geklaut, wobei uns der Vater erwischt hat. Ich konnte mit dem Tape fliehen und seitdem liegt es bei mir unterm Bett.

Ich sach euch, so einen abend erlebt man (glücklicher Weise) nur einmal im Leben.
Peace out, und Respect an alle, die die ganze Story gelesen haben. Is ja doch sauviel geworden.
Stoned.




SOoo ENDE ich hoffe sie hat euch gefallen LACHEN RASTAFARI LOL
..::Kissy::..
Ich hab zwar nich alles gelesen, aber du hast mir mal n paar abschnitte zu lesen gegeben LACHEN Ich fands nich so lustig ^^
egoistiC
Zitat:
Original von ..::Kissy::..
Ich hab zwar nich alles gelesen, aber du hast mir mal n paar abschnitte zu lesen gegeben LACHEN Ich fands nich so lustig ^^


dito. vl druck ich es mir mal aus und les es dann ganz.. ZWINKER
Larry
habs jetzt mal ganz gelesen... sorry, finds ziemlich bescheuert ZWINKER
da sieht man nur wie hirnverbrennt heutzutage einige sind und das auch noch komisch finden
mümie
hab alles gelsen muss mal sagen das war gut geschrieben.hab da aber mal ne frage.was ist aus dem tim gewurden den ihr aufm klo versteckt habt?stand nur das das du,heinrich und robbin raus sind aber nix von tim.liegt der immer noch aufm klo bei till LOL
HarK3ro
Ich hab es eben auch ganz gelesen und fand es sehr sehr geil. echt gut geschrieben und lustiger inhalt. Jo was ist mit dem auf der toilette passiert und könnteste vielleicht die videos irgendwo hochladen? Würd ich zu gerne sehen.
u4u|Wizz
dir ist bewusst, dass dieses thema über 2 jahre alt ist ZWINKER
HarK3ro
jo ist mir bewusst, aber ich bin grad drauf gestoßen habs gelesen fands lustig und würd jetzt gern wissen ob man irgendwo diese movies dln kann und was mit dem typen auf der toilette passiert ist XD
u4u|Wizz
Zitat:
Original von HarK3ro
jo ist mir bewusst, aber ich bin grad drauf gestoßen habs gelesen fands lustig und würd jetzt gern wissen ob man irgendwo diese movies dln kann und was mit dem typen auf der toilette passiert ist XD


also ich kenns nich und habs auch nich gelesen, daher kann ich dir da leider nicht weiterhelfen. die verfasserin dieses themas ist leider auch nicht mehr hier aktiv. musst vllt mal ne weile warten, ob dazu jemand anderes was sagen kann. ZWINKER