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N-tv
Die israelfeindliche Hamas-Bewegung hat offenbar einen deutlichen Sieg bei der palästinensischen Parlamentswahl errungen und wird die künftige Regierung stellen. Schon vor der für den Abend angekündigten Bekanntgabe der Ergebnisse trat das von der Fatah geführte Kabinett zurück. Ministerpräsident Ahmed Kureia erklärte am Donnerstagmorgen: "Die Hamas sollte die neue Regierung bilden, wenn sich ihr Sieg bestätigt."
Der Friedensprozess droht dadurch zum Stillstand zu kommen. Israel und die USA haben angekündigt, nicht mit einer Regierung unter Führung der Hamas zusammenzuarbeiten. Das israelische Sicherheitskabinett kam am Donnerstag zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen, nachdem sich der Hamas-Wahlsieg abzeichnete.
Fatah geht in Opposition
Die militante Organisation bestätigte am Donnerstag ihre feindliche Haltung gegenüber Israel: "Verhandlungen oder eine Anerkennung des jüdischen Staates stehen nicht auf unserer Agenda", sagte Muschir al Masri, der in seinem Wahlbezirk im Norden des Gazastreifens bei der Wahl am Mittwoch ein Mandat erringen konnte.
"Unser Sieg zeigt, dass der Weg der Hamas der richtige ist", sagte er. Die Hamas ist für dutzende Selbstmordanschläge in Israel verantwortlich, hat sich im vergangenen Jahr jedoch an eine Waffenruhe gehalten.
Masri bekräftigte den Willen der Hamas zu einer Koalition mit der Fatah-Bewegung. "Wir wollen eine politische Partnerschaft", sagte er. "Unsere Partei strebt nach einer Einigung des palästinensischen Volkes, dafür ist eine politische Partnerschaft sehr wichtig."
Die Fatah-Bewegung lehnte aber eine Beteiligung an einer Hamas-geführten Koalitionsregierung bereits ab. Hamas soll mit der Regierungsbildung beauftragt werden, kündigte inzwischen der palästinensische Chefvermittler Sajeb Erakat an, der selbst der bislang regierenden Fatah angehört. Dem vorausgegangen war ein Treffen mit Präsident Mahmud Abbas. Die Fatah-Partei werde in die Opposition gehen, sagte Erakat. "Wir werden eine loyale Opposition sein und die Partei wieder aufbauen."
Absolute Mehrheit für Hamas
Nach vorläufigen Ergebnissen konnte die radikalislamische Hamas-Bewegung die absolute Mehrheit erringen. Spitzenkandidat Ismail Hanijeh erklärte, die Hamas habe mindestens 75 der 132 Sitze gewonnen. Er bezog sich auf Angaben von Hamas-Anhängern, die an der Auszählung beteiligt waren. Mehr als die Hälfte der Stimmen sei ausgezählt. Aus Kreisen der Wahlkommission verlautete, nahezu alle der 66 Direktmandate habe die Hamas gewonnen. Hamas-Führer Mahmud Sahar erklärte, seine Partei werde nach Bekanntgabe der Ergebnisse "klare Antworten auf die Frage der Regierungsbildung" geben.
Israel befürchtet "Hamastan"
Israel bekräftigte seine Ablehnung von Verhandlungen mit der Hamas. Der israelische Rundfunk meldete unter Berufung auf Regierungskreise, Israel werde keine Gespräche mit der radikalislamischen Gruppe führen. Die Niederlage der regierenden Fatah müsse den Palästinensern große Sorge bereiten. Jerusalem rechne nun mit einer Verschärfung des internen Machtkampfes in den Palästinensergebieten und einem möglichen Stopp der internationalen Hilfsgelder für die Palästinenser.
Rechte geben Scharon die Schuld
Vertreter rechtsorientierter israelischer Parteien haben den Sieg der Hamas als Ergebnis der Regierungspolitik in Israel kritisiert. Sie werteten ihn als direktes Resultat des israelischen Abzugs aus dem Gazastreifen im vergangenen September, den der inzwischen nach einem Schlaganfall im Koma liegende Ministerpräsident Ariel Scharon durchgesetzt hatte.
"Auf dem goldenen Tablett des Gaza-Abzugs hat die Kadima-Regierung der Hamas den Sieg beschert", sagte der Vorsitzende der Partei Nationale Union, Zvi Hendel der "Jerusalem Post". Svulun Orlev von der nationalreligiösen Partei erklärte, die palästinensische Öffentlichkeit sei zu dem Schluss gelangt, dass Selbstmordattentate und der Raketenbeschuss israelischer Grenzorte Israel zum Abzug bewegt hätten.
Der nationalreligiöse Abgeordnete Efraim Eitam erklärte, Hamas-Führer Mahmud al-Sahar solle zum Dank für den Sieg Blumen an Vize-Ministerpräsident Ehud Olmert schicken. Der Likud-Abgeordnete Juval Steinitz bescheinigte der israelischen Regierung "tragisches Versagen", weil sie die Teilnahme der Hamas bei den Wahlen zugelassen habe.
Auf der anderen Seite des politischen Spektrums warf auch der linksorientierte Abgeordnete Jossi Beilin (Merez) der Regierung vor, die Hamas gestärkt zu haben: "Der einseitige Abzug aus dem Gazastreifen, nicht als Teil eines Abkommens mit Mahmud Abbas, hat die Hamas deutlich gestärkt."
"Dies ist ein Erdbeben, das uns um 50 Jahre zurückgeworfen hat, und die ganze Region ins Chaos stürzen wird. Leider wird Israel innerhalb kürzester Zeit unter unerträglichen Druck der internationalen Gemeinschaft kommen, die erklären wird, Hamas sei demokratisch gewählt", sagte der ehemalige israelische Außenminister Silwan Schalom.
Westen fordert Gewaltverzicht
Der Westen rief die Hamas zum Gewaltverzicht auf. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte: "Wir können uns unterschiedlichen Kräfte in der Regierung vorstellen". Voraussetzung sei allerdings ein Abschwur von der Gewalt und die Anerkennung des Existenzrechts Israels, sagte Steinmeier im Bayerischen Rundfunk. "Das scheint für die Hamas noch ein weiter Weg zu sein."
Für die EU erklärte Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner, die Union wolle mit jeder künftigen palästinensischen Regierung zusammenarbeiten, solange diese nur friedliche Mittel einsetze. EU-Chefdiplomat Javier Solana erklärte, der absehbare Hamas-Wahlsieg verändere die Lage in Nahost grundlegend. "Die Ergebnisse dürften uns mit einer völlig neuen Situation konfrontieren, die wir beim EU-Außenministertreffen am nächsten Montag diskutieren werden." Die Hamas steht seit zehn Jahren auf der Schwarzen Liste der EU für Terror-Organisationen.
US-Präsident George W. Bush hatte nach ersten Berichten über einen sich andeutenden Sieg der Hamas erklärt, die Hamas sei nur dann ein Gesprächs- und Verhandlungspartner, wenn sie das Ziel der Zerstörung Israels aufgebe. "Eine politische Partei muss, um lebensfähig zu sein, sich zum Frieden bekennen... Entsprechend werde ich mit Hamas umgehen, wenn sie Verantwortung übernehmen sollte", sagte Bush.
Der französische Premierminister Dominique de Villepin äußerte sich "besorgt" über den Sieg der radikal-islamistischen Bewegung. Auch der niederländische Außenminister Ben Bot forderte die Hamas auf, der Gewalt abzuschwören und das Existenzrecht Israels anzuerkennen.
Die israelfeindliche Hamas-Bewegung hat offenbar einen deutlichen Sieg bei der palästinensischen Parlamentswahl errungen und wird die künftige Regierung stellen. Schon vor der für den Abend angekündigten Bekanntgabe der Ergebnisse trat das von der Fatah geführte Kabinett zurück. Ministerpräsident Ahmed Kureia erklärte am Donnerstagmorgen: "Die Hamas sollte die neue Regierung bilden, wenn sich ihr Sieg bestätigt."
Der Friedensprozess droht dadurch zum Stillstand zu kommen. Israel und die USA haben angekündigt, nicht mit einer Regierung unter Führung der Hamas zusammenzuarbeiten. Das israelische Sicherheitskabinett kam am Donnerstag zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen, nachdem sich der Hamas-Wahlsieg abzeichnete.
Fatah geht in Opposition
Die militante Organisation bestätigte am Donnerstag ihre feindliche Haltung gegenüber Israel: "Verhandlungen oder eine Anerkennung des jüdischen Staates stehen nicht auf unserer Agenda", sagte Muschir al Masri, der in seinem Wahlbezirk im Norden des Gazastreifens bei der Wahl am Mittwoch ein Mandat erringen konnte.
"Unser Sieg zeigt, dass der Weg der Hamas der richtige ist", sagte er. Die Hamas ist für dutzende Selbstmordanschläge in Israel verantwortlich, hat sich im vergangenen Jahr jedoch an eine Waffenruhe gehalten.
Masri bekräftigte den Willen der Hamas zu einer Koalition mit der Fatah-Bewegung. "Wir wollen eine politische Partnerschaft", sagte er. "Unsere Partei strebt nach einer Einigung des palästinensischen Volkes, dafür ist eine politische Partnerschaft sehr wichtig."
Die Fatah-Bewegung lehnte aber eine Beteiligung an einer Hamas-geführten Koalitionsregierung bereits ab. Hamas soll mit der Regierungsbildung beauftragt werden, kündigte inzwischen der palästinensische Chefvermittler Sajeb Erakat an, der selbst der bislang regierenden Fatah angehört. Dem vorausgegangen war ein Treffen mit Präsident Mahmud Abbas. Die Fatah-Partei werde in die Opposition gehen, sagte Erakat. "Wir werden eine loyale Opposition sein und die Partei wieder aufbauen."
Absolute Mehrheit für Hamas
Nach vorläufigen Ergebnissen konnte die radikalislamische Hamas-Bewegung die absolute Mehrheit erringen. Spitzenkandidat Ismail Hanijeh erklärte, die Hamas habe mindestens 75 der 132 Sitze gewonnen. Er bezog sich auf Angaben von Hamas-Anhängern, die an der Auszählung beteiligt waren. Mehr als die Hälfte der Stimmen sei ausgezählt. Aus Kreisen der Wahlkommission verlautete, nahezu alle der 66 Direktmandate habe die Hamas gewonnen. Hamas-Führer Mahmud Sahar erklärte, seine Partei werde nach Bekanntgabe der Ergebnisse "klare Antworten auf die Frage der Regierungsbildung" geben.
Israel befürchtet "Hamastan"
Israel bekräftigte seine Ablehnung von Verhandlungen mit der Hamas. Der israelische Rundfunk meldete unter Berufung auf Regierungskreise, Israel werde keine Gespräche mit der radikalislamischen Gruppe führen. Die Niederlage der regierenden Fatah müsse den Palästinensern große Sorge bereiten. Jerusalem rechne nun mit einer Verschärfung des internen Machtkampfes in den Palästinensergebieten und einem möglichen Stopp der internationalen Hilfsgelder für die Palästinenser.
Rechte geben Scharon die Schuld
Vertreter rechtsorientierter israelischer Parteien haben den Sieg der Hamas als Ergebnis der Regierungspolitik in Israel kritisiert. Sie werteten ihn als direktes Resultat des israelischen Abzugs aus dem Gazastreifen im vergangenen September, den der inzwischen nach einem Schlaganfall im Koma liegende Ministerpräsident Ariel Scharon durchgesetzt hatte.
"Auf dem goldenen Tablett des Gaza-Abzugs hat die Kadima-Regierung der Hamas den Sieg beschert", sagte der Vorsitzende der Partei Nationale Union, Zvi Hendel der "Jerusalem Post". Svulun Orlev von der nationalreligiösen Partei erklärte, die palästinensische Öffentlichkeit sei zu dem Schluss gelangt, dass Selbstmordattentate und der Raketenbeschuss israelischer Grenzorte Israel zum Abzug bewegt hätten.
Der nationalreligiöse Abgeordnete Efraim Eitam erklärte, Hamas-Führer Mahmud al-Sahar solle zum Dank für den Sieg Blumen an Vize-Ministerpräsident Ehud Olmert schicken. Der Likud-Abgeordnete Juval Steinitz bescheinigte der israelischen Regierung "tragisches Versagen", weil sie die Teilnahme der Hamas bei den Wahlen zugelassen habe.
Auf der anderen Seite des politischen Spektrums warf auch der linksorientierte Abgeordnete Jossi Beilin (Merez) der Regierung vor, die Hamas gestärkt zu haben: "Der einseitige Abzug aus dem Gazastreifen, nicht als Teil eines Abkommens mit Mahmud Abbas, hat die Hamas deutlich gestärkt."
"Dies ist ein Erdbeben, das uns um 50 Jahre zurückgeworfen hat, und die ganze Region ins Chaos stürzen wird. Leider wird Israel innerhalb kürzester Zeit unter unerträglichen Druck der internationalen Gemeinschaft kommen, die erklären wird, Hamas sei demokratisch gewählt", sagte der ehemalige israelische Außenminister Silwan Schalom.
Westen fordert Gewaltverzicht
Der Westen rief die Hamas zum Gewaltverzicht auf. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte: "Wir können uns unterschiedlichen Kräfte in der Regierung vorstellen". Voraussetzung sei allerdings ein Abschwur von der Gewalt und die Anerkennung des Existenzrechts Israels, sagte Steinmeier im Bayerischen Rundfunk. "Das scheint für die Hamas noch ein weiter Weg zu sein."
Für die EU erklärte Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner, die Union wolle mit jeder künftigen palästinensischen Regierung zusammenarbeiten, solange diese nur friedliche Mittel einsetze. EU-Chefdiplomat Javier Solana erklärte, der absehbare Hamas-Wahlsieg verändere die Lage in Nahost grundlegend. "Die Ergebnisse dürften uns mit einer völlig neuen Situation konfrontieren, die wir beim EU-Außenministertreffen am nächsten Montag diskutieren werden." Die Hamas steht seit zehn Jahren auf der Schwarzen Liste der EU für Terror-Organisationen.
US-Präsident George W. Bush hatte nach ersten Berichten über einen sich andeutenden Sieg der Hamas erklärt, die Hamas sei nur dann ein Gesprächs- und Verhandlungspartner, wenn sie das Ziel der Zerstörung Israels aufgebe. "Eine politische Partei muss, um lebensfähig zu sein, sich zum Frieden bekennen... Entsprechend werde ich mit Hamas umgehen, wenn sie Verantwortung übernehmen sollte", sagte Bush.
Der französische Premierminister Dominique de Villepin äußerte sich "besorgt" über den Sieg der radikal-islamistischen Bewegung. Auch der niederländische Außenminister Ben Bot forderte die Hamas auf, der Gewalt abzuschwören und das Existenzrecht Israels anzuerkennen.
