Razer

Berlin (ddp). Die Bundesbürger werden bei der Fliesenauswahl mutiger. «Man traut sich bei der Gestaltung wieder etwas mehr», sagt Heike Kappelt, Sprecherin des Deutschen Industrieverbands Keramische Fliesen und Platten. So seien knallige Farben für Wand und Boden wieder gefragt.
Mutige Heimwerker haben laut der Fachfrau zunehmend mehr Möglichkeiten. Wer will, kann nicht nur mit kräftigen Farben, sondern auch mit neuen Strukturen spielen. So sind Fliesen mit Schiefer-, Textil- oder gar Holzoptik erhältlich. Dadurch würden Einrichtungsgegenstände
vielfach eine völlig neue Wirkung erhalten. «Die Vorzüge der Keramik lassen sich so mit der Anmutung des anderen Materials kombinieren», sagt Kappelt. Das sei gerade bei Marmor ein großer Vorteil.
Fliesen sind langlebig, farb-, lichtecht und in der Regel gut zu reinigen. Hergestellt werden sie aus gemahlenem Ton, Kaolin, Quarz, Feldspat und weiteren mineralischen Zusätzen. Doch Fliese ist nicht gleich Fliese. Unterschieden werden im Wesentlichen Produkte aus Steingut, Steinzeug und Feinsteinzeug.
«Steingutfliesen sind glasierte keramische Fliesen, die eine geringe Abriebfestigkeit haben und für den Innenraum geeignet sind», sagt Markus Kohl, Leiter der Fachgruppe Fliesen- und Plattenverlegegewerbe im Baugewerbeverband Rheinhessen-Pfalz. Sie würden daher vorzugsweise an der Wand im Bad eingesetzt. Robuster und damit auch für den Boden geeignet sind feinporige Steinzeug- und die noch kompakteren Feinsteinzeugfliesen.
Wo die Fliesen eingesetzt werden können, verrät die so genannte Abriebklasse. «Die höchste Stufe V ist für öffentliche Gebäude, geeignet», erläutert Kohl. Wenngleich die Klasse III für Bäder reiche, setze sich Klasse IV zusehends durch. Doch Vorsicht: Die Abriebfestigkeit sagt nichts darüber aus, ob die Fliese unbeschadet bleibt, wenn etwas auf den Boden fällt. «Auch eine Fliese der Klasse V kann eine Macke bekommen,» sagt Kohl.
Wie gut die Qualität einer Fliese ist, lässt sich dem Fachmann zufolge beim Kauf nur schwer erkennen. Unterschiede würden erst beim Verlegen deutlich. So sind hochwertige Fliesen nur schwer zu schneiden oder zu brechen.
Auch wie die gewählte Fliese letztlich im heimischen Bad oder Wohnzimmer wirkt, ist im Geschäft schwer abschätzbar. Kohl empfiehlt daher, sich vom Fachhändler beraten und eine Mustertafel oder ein Paket mitgeben zu lassen. Ist das nicht machbar, rät Kohl - wenn die Möglichkeit besteht - sich das Produkt in 3D-Wirkung auf einem Computer präsentieren zu lassen.
Hat man sich für eine Fliese entschieden, sollte bei einer Verlegung durch den Profi mit rund fünf Prozent Verschnitt kalkuliert werden. «Wer selbst ans Werk gehen will, rechnet zehn Prozent», empfiehlt Kohl. Darüber hinaus sei etwa ein halbes Paket als Reserve für die Zukunft ratsam.
Quelle