Kabinettsbeschluss - Deutsche in den Kongo

QuentinT
Das Bundeskabinett hat mit der Beteiligung der Bundeswehr an der Kongo-Mission der EU einen der wohl bisher gefährlichsten Auslandseinsätze für deutsche Soldaten beschlossen. Die Regierung stockte dafür in ihrem Beschluss vom Mittwoch die Zahl der Soldaten von den bisher geplanten 500 auf 780 auf. Damit stellt Deutschland fast die Hälfte der rund 1.700 EU-Soldaten aus 18 Ländern, die unter deutscher Militärführung die seit langem ersten freien Wahlen im Kongo am 30. Juli absichern sollen. Der Bundestag soll am 1. Juni über den auf vier Monate begrenzten Einsatz entscheiden, der aber laut Verteidigungsministerium mit Vor- und Nachbereitung auch sieben Monate dauern kann. Der Einsatz ist umstritten.



Für die Bundeswehr sei dies zwar kein Kampfeinsatz, aber auch keinesfalls ein Routine-Einsatz, sagte ein Offizier. Die Soldaten stellten sich auf erhebliche Risiken ein. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sagte in Berlin: "Wir haben ein Interesse daran, dass sich der Kongo in eine stabile, friedliche, demokratische Entwicklung begibt." Afrika sei der Nachbarkontinent Europas. Vier Millionen Menschen seien im Bürgerkrieg im Kongo ums Leben gekommen. Die Europäische Union setzt darauf, dass es durch die Präsenz der EU-Truppen nicht zur Gewalt unter rivalisierenden Gruppen während der Wahlen kommt. Neben Deutschland trägt Frankreich die Hauptlast für die Mission.

Neben den bisher geplanten 500 deutschen Kräften für die mögliche Rettung etwa von Wahlbeobachtern im Großraum der Hauptstadt Kinshasa will die Regierung weitere 280 Unterstützungskräfte im Bereich Sanität und Logistik zur Verfügung stellen. Die Sicherheit und medizinische Versorgung der deutschen Soldaten gebiete es, dass ausreichend Unterstützung geleistet werde, sagte Jung. Am 29. Mai soll der Operationsplan für den genauen Einsatz der deutschen Soldaten verabschiedet werden. Mitte Juni wird der EU-Ministerrat endgültig über die Mission entscheiden, die allein den deutschen Verteidigungsetat mit 56 Millionen Euro belasten wird. Entgegen ersten Überlegungen wird kein deutsches Versorgungsschiff eingesetzt.

Birgit Homburger, stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, kritisierte auf n-tv den geplanten Kongo-Einsatz: "Die FDP ist sehr skeptisch gegenüber diesem Einsatz, weil viele offene Fragen nach wie vor bestehen.". Nach wie vor sei es ungeklärt, ob tatsächlich die Einsatzdauer von vier Monaten gehalten werden könne. "Was passiert beispielsweise, wenn die Ergebnisse demokratischer Wahlen nicht akzeptiert werden? Es handelt sich bei dem Kongo um nicht um ein Land, das eine so gefestigte Demokratie hat wie wir sie gewohnt sind."
Der FDP-Politiker Wolfgang Gerhardt sagte der ARD: "Wir halten das für eine der am schlechtesten, auch politisch, vorbereiteten Missionen, die wir jemals erlebt haben." Die Linksfraktion hat bereit ein Nein angekündigt. Die Grünen plädieren dagegen für eine Ausweitung des Mandats. Der Bundestag befasst sich an diesem Freitag in erster Lesung mit dem Einsatz. Es ist der erste Auslandseinsatz unter der Amtsführung von Jung.

Die Lübecker CDU-Bundestagsabgeordnete Anke Eymer hat laut "Lübecker Nachrichten" ihre Funktion als Berichterstatterin im Auswärtigen Ausschuss für das südliche Afrika wegen des Kongo-Einsatzes niedergelegt. Die Informationslage sei diffus, das deutsche Interesse an dem Einsatz unklar.
Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Bundestages, Ulrike Merten (SPD), hält dagegen die Risiken des Einsatzes für "beherrschbar". Die Soldaten der EU würden zusätzlich zu den schon im Kongo stationierten 17000 Soldaten der UN-Friedenstruppe Monuc entsandt, sagte sie im RBB-Inforadio. Die Bundeswehrsoldaten seien gut ausgebildet und ausgerüstet. "Sie wissen, dass Einsätze, die außerhalb Deutschlands stattfinden, nicht ungefährlich sind, sondern sie stellen sich auf ein mögliches Risiko ein. Aber wir gehen davon aus, dass die Risiken beherrschbar sind."

Das Bundeskabinett beschloss zudem eine Verlängerung der Mandate für die Bundeswehreinsätze im Kosovo und im Sudan. Das teilte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg am Mittwoch in Berlin mit. Die letzte Entscheidung trifft der Bundestag. Es wird mit Zustimmung der Abgeordneten gerechnet.

Der Kosovo-Einsatz soll um ein Jahr verlängert werden. An der internationalen Kosovo-Schutztruppe (KFOR) sind derzeit rund 2600 deutsche Soldaten beteiligt. Die Hilfe der Bundeswehr für die westsudanesische Krisenregion Darfur soll um sechs Monate verlängern werden. Bis zu 200 deutsche Soldaten unterstützen dort die Friedensmission "AMIS" der Afrikanischen Union (AU) vor allem mit Transporthilfe - in der Krisenregion Darfur selbst werden keine deutschen Soldaten eingesetzt.
------
n-tv
Oliver
Zitat:
Die Lübecker CDU-Bundestagsabgeordnete Anke Eymer hat laut "Lübecker Nachrichten" ihre Funktion als Berichterstatterin im Auswärtigen Ausschuss für das südliche Afrika wegen des Kongo-Einsatzes niedergelegt. Die Informationslage sei diffus, das deutsche Interesse an dem Einsatz unklar.


Diese Passage lässt mich schon ein wenig erschaudern
u4u|Wizz
Zitat:
Original von Oliver
Zitat:
Die Lübecker CDU-Bundestagsabgeordnete Anke Eymer hat laut "Lübecker Nachrichten" ihre Funktion als Berichterstatterin im Auswärtigen Ausschuss für das südliche Afrika wegen des Kongo-Einsatzes niedergelegt. Die Informationslage sei diffus, das deutsche Interesse an dem Einsatz unklar.


Diese Passage lässt mich schon ein wenig erschaudern


Inwiefern?

Ich weiß nicht, was ich von dem Einsatz halten soll. Ich finde, dass der Bundestag ein bisschen Show macht. Wir müssen da nicht, was bringt es uns? Dort sind schon 17000 UN-Soldaten für MONUC unterwegs, was bringen 1700 EU-Soldaten, die schon am 30.7. die Wahlen unterstützen bzw. begleiten sollen?!?! Rein gar nix, die Vorbereitungszeit ist viel zu kurz.

Letztendlich wird ein ungeliebter Präsident an der Macht sein und wir Soldaten spielen seine Leibgarde, damit er nicht gelyncht wird... und das wird sicher nicht 4 Monate dauern, sondern wesentlich länger.

Ich wäre zwar selbst bereit in den Kongo zu gehen (Logistik ist ja dabei), aber ich würde mich dennoch fragen, was das Ganze bringen soll.

2 unserer "Wölfe" sind schon abgezogen, die gehen in den Kongo.

(Wolf = Mercedes GL250 leicht)
Oliver
Zitat:
Original von u4u|Wizz
Zitat:
Original von Oliver
Zitat:
Die Lübecker CDU-Bundestagsabgeordnete Anke Eymer hat laut "Lübecker Nachrichten" ihre Funktion als Berichterstatterin im Auswärtigen Ausschuss für das südliche Afrika wegen des Kongo-Einsatzes niedergelegt. Die Informationslage sei diffus, das deutsche Interesse an dem Einsatz unklar.


Diese Passage lässt mich schon ein wenig erschaudern


Inwiefern?



Letztlich steht da, dass Eymer am besten über Sinn oder Sinnlosigkeit dieses Einsatzes und seiner Rahmenbedingungen Bescheid wissen müsste. Und die Frau hat nun ihr Amt niedergelegt. Na warum wohl?
Selbst für eine Friedenstruppe sollte immer die Regel gelten, potentielle Gefahrenquellen frühzeitig zu erkennen. Und auf mich macht diese Geschichte eher einen gegenteiligen Eindruck, als hätte da niemand einen Plan, was die Jungs da unten alles erwarten könnte.
u4u|Wizz
Zitat:
Original von Oliver
Zitat:
Original von u4u|Wizz
Zitat:
Original von Oliver
Zitat:
Die Lübecker CDU-Bundestagsabgeordnete Anke Eymer hat laut "Lübecker Nachrichten" ihre Funktion als Berichterstatterin im Auswärtigen Ausschuss für das südliche Afrika wegen des Kongo-Einsatzes niedergelegt. Die Informationslage sei diffus, das deutsche Interesse an dem Einsatz unklar.


Diese Passage lässt mich schon ein wenig erschaudern


Inwiefern?



Letztlich steht da, dass Eymer am besten über Sinn oder Sinnlosigkeit dieses Einsatzes und seiner Rahmenbedingungen Bescheid wissen müsste. Und die Frau hat nun ihr Amt niedergelegt. Na warum wohl?
Selbst für eine Friedenstruppe sollte immer die Regel gelten, potentielle Gefahrenquellen frühzeitig zu erkennen. Und auf mich macht diese Geschichte eher einen gegenteiligen Eindruck, als hätte da niemand einen Plan, was die Jungs da unten alles erwarten könnte.


Ja, ok. Da stimme ich dir zu. Die meisten Politiker haben davon keine Ahnung, das ist nunmal leider so. Der Vorsitzende des BwVerbandes Oberst Gertz, ist auch dagegen, auf solche Leute sollte gehört werden, Leute, die davon Ahnung haben und die meisten sagen eben, dass es keinen Sinn macht, dass was da auf uns zukommt, ist etwas völlig Neuartiges. Kindersoldaten, schwer bewaffnete Rebellen, Kaltblütiges Gemetzel.

Die meisten Soldaten, mit denen ich schon über das Thema Kongo gesprochen hab, sind derselben Meinung: Was sollen wir da?
u4u|Wizz
Sejabu - Bei den Kämpfen um die Milizen-Hochburg Tchei im Osten des Landes seien 32 Aufständische getötet worden, sagte ein Regierungsvertreter am Sonntag. In den Reihen der Milizen seien auch Kindersoldaten im Einsatz gewesen. Auf Seiten der von der Uno unterstützten Regierungstruppen habe es bei den stundenlangen Gefechten mit Maschinengewehren und Granaten vier Tote gegeben.

Uno-Soldaten sollen die für den 30. Juni geplanten Wahlen im Kongo sichern. Die Bundesrepublik will auf Bitten der Vereinten Nationen 780 Soldaten als Teil einer EU-Truppe zur Absicherung der Wahl stellen. Sie sollen für eventuelle Evakuierungen bereit stehen. Dafür soll ein Großteil der Truppe im nahe gelegenen Gabun in Reserve gehalten werden.

Gesteuert wird der Einsatz aus dem Einsatzführungskommando in Potsdam. Das Mandat der Bundeswehr soll auf den Raum Kinshasa begrenzt sein.


Quelle: www.spiegel.de
Thurgood
Mit großer Mehrheit hat der Bundestag die Entsendung deutscher Soldaten in den Kongo beschlossen. FDP und Linkspartei lehnten die Beteiligung an der umstrittenen Mission in Afrika ab.

Berlin - 440 Parlamentarier stimmten im Parlament für den Einsatz, 135 dagegen, sechs Abgeordnete enthielten sich. Die Fraktionen von FDP und Linkspartei lehnten die Beteiligung an der EU-Mission ab.

Die Bundeswehr wird 780 der insgesamt rund 2000 Soldaten zur Absicherung der seit Jahrzehnten ersten freien Wahlen in dem zentralafrikanischen Land am 30. Juli stellen. Der Einsatz ist auf insgesamt sieben Monate angelegt.

Die Haupteinsatzkräfte der Bundeswehr sollen im Nachbarland Gabun in Bereitschaft stehen. Die Kosten der Mission "Eufor RD Congo" werden auf 56 Millionen Euro veranschlagt.

SPD und Union sind der Auffassung, dass Frieden im Kongo, der eine Schlüsselrolle habe, "Signalwirkung für ganz Afrika" hätte. Die oppositionellen Grünen unterstützen die Mission ausdrücklich. Fraktionschef Fritz Kuhn erinnerte an den Völkermord in Ruanda und das Scheitern der internationalen Staatengemeinschaft. Nun hätten die Vereinten Nationen die EU um Hilfe gebeten. Es sei keine Lösung, einen Einsatz abzulehnen und sich danach "wieder wortreich" an den Klagen über mögliches Scheitern westlicher Hilfe zu beteiligen.

Redner von Linkspartei und FDP sagten dagegen, statt Soldaten hätten zunächst mehr zivile Helfer zum Aufbau demokratischer Strukturen geschickt werden müssen.

spiegel.de