Thurgood
Das Projekt ist höchst umstritten; Umweltaktivisten laufen Sturm. Trotz aller Proteste heißt es Wasser Marsch am gerade fertig gestellten Drei-Schluchten-Damm in Zentralchina. Fließen wird auch viel Geld - unter anderem an deutsche Ingenieure.
Peking - Die Arbeiten am Staudamm für das größte Wasserkraftwerk der Welt in Zentralchina sind abgeschlossen. Zwölf Jahre lang dauerte die Konstruktion, heute schütteten die Arbeiter den letzten Beton in die 185 Meter hohe und 2309 Meter lange Staumauer an den drei Schluchten des Jangtse-Stromes. Der gigantische Damm soll der Stromerzeugung und der Hochwasserkontrolle dienen.
Auch Deutschland profitiert von dem Projekt: Den Auftrag für den Bau des weltweit größten Schiffshebewerks am Damm erhielten zwei deutsche Ingenieurunternehmen, wie die Nachrichtenagentur Xinhua mitteilte. Lahmeyer International (LI) im hessischen Bad Vilbel und Krebs und Kiefer (KuK) in Darmstadt sollen bis Ende des Jahres die Pläne für den Schiffsaufzug vorlegen. Angaben über das Auftragsvolumen liegen bislang nicht vor.
Ursprünglich war die Fertigstellung der Betonbauarbeiten erst für Frühjahr 2007 vorgesehen. Das Wasserkraftwerk kann nun jedoch bereits 2008 und damit ein Jahr früher als geplant in Betrieb gehen. 26 Turbinen werden für eine Leistung von 85 Milliarden Kilowattstunden sorgen.
So imposant die technischen Daten, so umstritten das Projekt: Umweltschäden, geologische Risiken und die Umsiedlung von bisher rund einer Million Menschen für den 660 Kilometer langen Stausee machen die Anlage zum ökologischen und infrastrukturellen Risiko. Die Zahlen sprechen für sich: In diesem Jahr müssen weitere 80 000 Menschenumsiedeln. Am Ende werden 1,3 Millionen Menschen ihre Heimat verloren haben, wenn der Wasserstand die normale Höhe von 175 Meter erreicht.
"Alle Befürchtungen, die wir vor dem Staudammbau hatten, haben sich bestätigt. Nicht nur das - es ist sogar noch schlimmer geworden", erklärte die langjährige Gegnerin des Projektes und Umweltaktivistin Dai Qing der dpa in Peking. Weil ganze Dörfer und Städte mit Fabriken und Müllkippen im Wasser versunken seien, habe die Wasserverschmutzung stark zugenommen. Außerdem habe sich die Fließgeschwindigkeit des Flusses verlangsamt, hinzu komme eine zunehmende Verschlickung. Am Ufer des Stausees drohten Erdrutsche, weil der Untergrund aufgeweicht werde; die Schifffahrt sei stark beeinträchtigt. Da der Bau des Schiffshebewerks neben der großen fünfstufigen Schleuse wegen finanzieller und technischer Probleme mehrere Male verschoben worden sei, müssten Schiffe heute lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Auch die Umsiedelungspolitik der Regierung geriet unter Beschuss: So hätten korrupte Funktionäre Gelder veruntreut.
Mit Hilfe ausländischer Firmen will man die technischen Probleme lösen: Man sei auf staatlicher Seite zu dem Schluss gekommen, dass die deutsche Technologie am besten hierfür geeignet sei, hieß es bei Xinhua. Die Kooperation mit ausländischen Unternehmen "zielt darauf, die Sicherheit zu garantieren", so der Leiter des Staudammprojekts, Li Yong'an. Der Aufzug soll 120 Meter lang sein und jeweils ein Schiff bis 3000 Tonnen befördern können, um den Höhenunterschied deutlich schneller als durch die Schleuse zu bewältigen. Kritikern hält Li Yong'an die Rentabilität des Projektes vor: Ausländische
Kostenschätzungen seien falsch. Die Baukosten lägen mit 180 Milliarden Yuan (heute 18 Milliarden Euro) deutlich unter den ursprünglich geplanten 203 Milliarden, Niedrige Zinsen und strenge Ausgabenkontrolle hätten das Vorhaben ebenfalls billiger gemacht. Westliche Experten schätzen die wahren Kosten allerdings auf das doppelte der offiziellen Angaben. Und welche Quittung die Umwelt präsentiert, ist sowieso offen.
spiegel.de

Peking - Die Arbeiten am Staudamm für das größte Wasserkraftwerk der Welt in Zentralchina sind abgeschlossen. Zwölf Jahre lang dauerte die Konstruktion, heute schütteten die Arbeiter den letzten Beton in die 185 Meter hohe und 2309 Meter lange Staumauer an den drei Schluchten des Jangtse-Stromes. Der gigantische Damm soll der Stromerzeugung und der Hochwasserkontrolle dienen.
Auch Deutschland profitiert von dem Projekt: Den Auftrag für den Bau des weltweit größten Schiffshebewerks am Damm erhielten zwei deutsche Ingenieurunternehmen, wie die Nachrichtenagentur Xinhua mitteilte. Lahmeyer International (LI) im hessischen Bad Vilbel und Krebs und Kiefer (KuK) in Darmstadt sollen bis Ende des Jahres die Pläne für den Schiffsaufzug vorlegen. Angaben über das Auftragsvolumen liegen bislang nicht vor.
Ursprünglich war die Fertigstellung der Betonbauarbeiten erst für Frühjahr 2007 vorgesehen. Das Wasserkraftwerk kann nun jedoch bereits 2008 und damit ein Jahr früher als geplant in Betrieb gehen. 26 Turbinen werden für eine Leistung von 85 Milliarden Kilowattstunden sorgen.
So imposant die technischen Daten, so umstritten das Projekt: Umweltschäden, geologische Risiken und die Umsiedlung von bisher rund einer Million Menschen für den 660 Kilometer langen Stausee machen die Anlage zum ökologischen und infrastrukturellen Risiko. Die Zahlen sprechen für sich: In diesem Jahr müssen weitere 80 000 Menschenumsiedeln. Am Ende werden 1,3 Millionen Menschen ihre Heimat verloren haben, wenn der Wasserstand die normale Höhe von 175 Meter erreicht.
"Alle Befürchtungen, die wir vor dem Staudammbau hatten, haben sich bestätigt. Nicht nur das - es ist sogar noch schlimmer geworden", erklärte die langjährige Gegnerin des Projektes und Umweltaktivistin Dai Qing der dpa in Peking. Weil ganze Dörfer und Städte mit Fabriken und Müllkippen im Wasser versunken seien, habe die Wasserverschmutzung stark zugenommen. Außerdem habe sich die Fließgeschwindigkeit des Flusses verlangsamt, hinzu komme eine zunehmende Verschlickung. Am Ufer des Stausees drohten Erdrutsche, weil der Untergrund aufgeweicht werde; die Schifffahrt sei stark beeinträchtigt. Da der Bau des Schiffshebewerks neben der großen fünfstufigen Schleuse wegen finanzieller und technischer Probleme mehrere Male verschoben worden sei, müssten Schiffe heute lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Auch die Umsiedelungspolitik der Regierung geriet unter Beschuss: So hätten korrupte Funktionäre Gelder veruntreut.
Mit Hilfe ausländischer Firmen will man die technischen Probleme lösen: Man sei auf staatlicher Seite zu dem Schluss gekommen, dass die deutsche Technologie am besten hierfür geeignet sei, hieß es bei Xinhua. Die Kooperation mit ausländischen Unternehmen "zielt darauf, die Sicherheit zu garantieren", so der Leiter des Staudammprojekts, Li Yong'an. Der Aufzug soll 120 Meter lang sein und jeweils ein Schiff bis 3000 Tonnen befördern können, um den Höhenunterschied deutlich schneller als durch die Schleuse zu bewältigen. Kritikern hält Li Yong'an die Rentabilität des Projektes vor: Ausländische
Kostenschätzungen seien falsch. Die Baukosten lägen mit 180 Milliarden Yuan (heute 18 Milliarden Euro) deutlich unter den ursprünglich geplanten 203 Milliarden, Niedrige Zinsen und strenge Ausgabenkontrolle hätten das Vorhaben ebenfalls billiger gemacht. Westliche Experten schätzen die wahren Kosten allerdings auf das doppelte der offiziellen Angaben. Und welche Quittung die Umwelt präsentiert, ist sowieso offen.
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