Thurgood

Der Zentralrat der Juden hat die Bildungsarbeit zum Holocaust an deutschen Schulen scharf kritisiert. Vor allem in Ostdeutschland gebe es noch Lehrer, die über die Nazi-Zeit «fast überhaupt nichts» wüssten, sagte Präsidentin Knobloch.
Der Zentralrat der Juden hat deutschen Schulen große Defizite beim Thema Holocaust vorgeworfen und Konsequenzen für den Geschichtsunterricht gefordert. «Es ist dringend notwendig, den Geschichtsunterricht neu zu gestalten, weil das Thema Nationalsozialismus darin viel zu kurz kommt», sagte die Präsidentin des Zentralrats, Charlotte Knobloch, der Netzeitung.
Sie plädierte dafür, diesen Bereich der jüngsten deutschen Geschichte aus dem regulären Geschichtsunterricht auszugliedern. «Das Thema Nationalsozialismus könnte ein eigenes Schulfach sein», sagte sie. «Das müsste gesetzlich so geregelt werden, dass es bundesweit gilt.» Als Projekt mache es keinen Sinn, betonte sie, weil dann die Finanzierung nicht sicher sei. «Ich bin dafür, so etwas dauerhaft zu etablieren.» Zu diesem Zweck sei es auch notwendig, die Lehrerausbildung «vollkommen neu» zu konzipieren. «Die Lehramtsstudiengänge im Fach Geschichte sollten mit einem zusätzlichen Seminar ergänzt werden», schlug die Zentralrats- Präsidentin vor.
Knobloch begründete ihren Vorschlag mit Versäumnissen der Schulen beim Thema Nationalsozialismus. Schwere Vorwürfe richtete sie in diesem Zusammenhang vor allem an die in Ostdeutschland unterrichtenden Lehrer: «In den neuen Bundesländern gibt es immer noch Lehrkräfte und Personal im Erziehungsbereich, die über die Vergangenheit fast überhaupt nichts wissen», beklagte die Zentralrats- Präsidentin. «Wie sollen sie dann Kindern und Jugendlichen beibringen, was war?»
Sie wies vor diesem Hintergrund auf das Problem Rechtsextremismus in den neuen Bundesländern hin. «Im Bundesland Sachsen ist der Horror quasi schon Realität», sagte sie. «Die Rechten sind dort fest etabliert.» Sie hätten bestimmte Landesteile und gewisse Ortschaften in ihrer Hand, erläuterte Knobloch und fügte mahnend hinzu: «Man darf dieser braunen Wirklichkeit keine Nahrung geben.»
Deshalb sei es «ganz entscheidend», neue Wege der Holocaust-Vermittlung zu finden. In einem extra Fach Nationalsozialismus könnte man nach Ansicht Knoblochs beispielsweise «auf das Wissen von Zeitzeugen zurückgreifen und auf die Möglichkeiten, die die vielen Gedenkstätten bieten». Gerade für junge Menschen seien die Leute, die den Holocaust erlebt hätten, wichtig. Sie könnten Jugendlichen Fragen beantworten, die nicht in Lehrbüchern stünden. Viele begriffen dann, dass die Judenvernichtung «ein einmaliger Völkermord in der Geschichte war».
Knobloch stellte dabei in den Vordergrund, dass eine «richtige» Vermittlung des Holocaust «um Gottes Willen den jungen Menschen kein Schuldgefühl aufladen» dürfe.
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