Rechtsextremismus - Verwirrung der Gefühle

Thurgood


Was hat sich der Mann nicht schon abgearbeitet an seinen Thesen. Die Hartz-IV-Proteste im Sommer 2004 wollte er in „nationalistische Gesinnungsbahnen“ lenken, damit „die ganze BRD“ stürze. Anfang des Jahres dann diagnostizierte er einen vorrevolutionären Zustand in Deutschland, bezeichnete die „Vertreter der politischen Klasse der BRD“ als „politkriminell“ und sprach vom „bundesdeutschen Stasi-Staat“, auf den er spucke und orakelte, eine „nationale Wende“ kündigte sich an. Und statt dessen nun diese WM, allenthalben dieser Fußball-Patriotismus, diese Begeisterung für das eigene Land, die Bundesrepublik Deutschland! Aus den jüngsten Zeilen von Jürgen Gansel (32), Chefideologe der NPD-Fraktion, spricht tiefe Verwirrung.

Schon daß in diesen schwarz-rot-gold drapierten Tagen Leute wie die Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, die Deutschen zu mehr Nationalstolz ermunterten, müsse doch mißtrauisch machen, warnt er. Der neuerdings propagierte Patriotismus solle die bestehenden Gesellschaftsverhältnisse stabilisieren und habe eindeutig Ablenkungscharakter. „Den verarmten Massen werden ein paar süße Aufputschbonbons in schwarz-rot-goldenem Wickelpapier hingeworfen und ihnen die Zugehörigkeit zum großen Ganzen vorgegaukelt, wo sie als Globalisierungsverlierer in Wirklichkeit doch längst abgeschrieben und ausgegrenzt sind.“

„Schwarz-rot-goldene Sumpfblüte des Patriotismus“

Über den fröhlichen Massenpatriotismus hat sich in den vergangenen Tagen und Wochen unter Rechtsextremen eine heftige Debatte entwickelt. Als der frühere NPD-Theoretiker Jürgen Schwab kürzlich in einem einschlägigen Internet-Forum begeistert feststellte, er habe noch nie so viele und vor allem so viele junge deutsche Patrioten auf einem Haufen gesehen wie nun bei der WM und seinen Gesinnungsgenossen empfahl, selbst Fahnen und gute Laune mitzubringen, ätzte ein bekennender Nationalsozialist umgehend, allenthalben sei man nicht von Fußball-Patrioten, sondern von Fußball-Idioten umgeben. „Überall keimt die schwarz-rot-goldene Sumpfblüte des Patriotismus auf, gedeiht im Morast der bundesrepublikanischen Gesellschaft und durchseucht langsam sämtliche Bereiche des öffentlichen Lebens.“

Ein anonymer Diskussionsteilnehmer pflichtet dem bei: „Mich kotzen die Pseudopatrioten auch an. Man riskiert Leben und Freiheit für die Nation und dann kommen Feiertags- und BRD-Patrioten aus den Löchern.“ Andere Diskussionsteilnehmer machten deutlich, daß sie schon das schwarz-rot-goldene Symbol des Fußball-Patriotismus ablehnen. Ihre Fahne sei Schwarz-Weiß-Rot.

„Fahne des BRD-Systems“

Auch die NPD setzt sonst ganz überwiegend auf diese Farbkombination. Parteilogos und -material ist meist mit schwarz-weiß-roten Elementen gestaltet. Verfehmte die nationale Opposition in den zwanziger und dreißiger Jahren die Staatsflagge der Weimarer Republik als „schwarz-rot-mostrich“, gilt „Schwarz-Rot-Gold“ heute vielen im rechtsextremen Lager als Fahne des „BRD-Systems“. Dieses Abgrenzungsbedürfnis macht auch ein Blick in den Katalog des NPD-nahen Deutsche-Stimme-Verlags im sächsischen Riesa deutlich. Unter den dort angebotenen Ansteckern findet sich nicht ein einziger in „schwarz-rot-gold“, dafür aber mehrere „schwarz-weiß-rote“ - auch mit Aufdrucken wie „Odins Volk“ oder „Nationaler Widerstand“. Wer unbedingt „Schwarz-Rot-Gold“ will, kann auf lediglich einen Aufnäher und einen Aufkleber zurückgreifen.

Doch verzweifelt bemüht, wenigstens ein bißchen von der gegenwärtigen Stimmung profitieren zu können, versandte die NPD-Fraktion im Sächsischen Landtag vor wenigen Tagen eine Pressemitteilung mit der erstaunlichen Überschrift „Schwarz-Rot-Gold, ja bitte!“ Der Abgeordnete Müller beklagte darin, das Verbot von „Schwarz-Rot-Gold“ an den Dienstwagen der sächsischen Polizei sei eine „kleinkarierte Spaßbremse“.

„Unterirdisch wirkender Normalisierungspatriotismus“

In Wirklichkeit jedoch geht Rechtsextremen in diesen Tagen die ganze „schwarz-rot-goldene“ Stimmung gegen den Strich. So jammert Ideologe Gansel: „Der Fußball-Patriotismus integriert in der Tat jeden, dessen Deutschkenntnisse ihn dazu befähigen, bei irgendeinem Migranten ein schwarz-rot-goldenes Tuch zu erwerben. Was mit der Schwarzenparade in Weiß der Nationalelf vorexerziert wird, klappt auf der tanzende Straße sowieso. Hier werden selbst Neger zu deutschen Patrioten.“

Gansel bleibt nichts anderes, als sich mit einer Weissagung wieder einmal selbst zu trösten: Der deutsche Fußballpatriotismus habe trotz seines trivialen und partyhaften Charakters einen bisher nur „unterirdisch wirkenden Normalisierungspatriotismus“ zutage treten lassen. Und Ideen, deren Zeit gekommen sei, könnten „ganze morsche
Systeme hinwegfegen“.

faz.net
Chrisse
Dazu sag ich nur:

Das ist die Flagge von Hitler und der Rechtsextremen:


Das ist die von Deutschland:


Sollte man immer unterscheiden.
Thurgood
Zitat:
Original von Chrisse
Das ist die Flagge von Hitler und der Rechtsextremen:



die flagge ist aber nichtmal verboten und du darfst sie besitzen ZWINKER