Treffer aus der Limousine
Hertha BSC scheint in der Stürmersuche fündig geworden zu sein - der Argentinier Christian Gimenez weilt in Berlin
Michael Jahn
BERLIN. Dieter Hoeneß, der Manager von Hertha BSC, eilte gut gelaunt aus einem Nebenausgang der Geschäftsstelle auf dem Olympiagelände. Als er einen vorbeigehenden Journalisten erblickte, verschwand er schnell wieder im Inneren des Backsteingebäudes. Er besann sich, grüßte den Journalisten und ging zu seinem nur dreißig Meter entfernt parkendem Mercedes. Danach aber fuhr er bis unmittelbar an den Nebenausgang. Blitzschnell stieg ein Mann mit Sonnenbrille ein, begleitet von seinen Beratern.
Trotz aller Geheimniskrämerei, der Mann mit der Sonnenbrille ist der gebürtige Argentinier Christian Gimenez (31), ein Angreifer, der noch bei Olympique Marseille unter Vertrag steht. Hertha BSC aber, das ist trotz des Versteckspiels längst publik, ist an einer Verpflichtung des ausgewiesenen Torjägers stark interessiert. Dieter Hoeneß jedenfalls fuhr am Mittwochmittag mit Gimenez in einer schwarzen Limousine über das Trainingsgelände und zum Olympiastadion - beides Schauplätze, die Gimenez sicherlich beeindruckt haben.
Das Personalkarussell dreht sich derzeit schnell bei Hertha BSC. Am Mittwochvormittag schaute der Brasilianer Marcelinho ein letztes Mal bei der Mannschaft vorbei. Trainer Falko Götz sagte: "Er hat sich in der Kabine von jedem einzelnen Spieler verabschiedet."
Zu diesem Zeitpunkt war Christian Gimenez schon auf dem Vereinsgelände. Einen Teil der Ablösesumme für Marcelinho - der türkische Erstligist Trabzonspor muss rund 2,5 Millionen Euro überweisen - will Hertha sofort in einen neuen Angreifer investieren. Bislang hieß es immer, Hertha sei mit zwei, drei Kandidaten in engem Kontakt. Nun kann man getrost davon ausgehen, dass Berlins Bundesligist unmittelbar vor der Verpflichtung von Gimenez steht, der auch einen italienischen Pass besitzt. Er wäre der erste Argentinier im Hertha-Trikot.
Die Meriten des "heißblütigen Stürmers", wie ihn Schweizer Journalisten beschreiben, sind durchaus beeindruckend. Für den Provinzklub FC Lugano traf er einst in 95 Spielen 55 Mal. Beim Schweizer Meister FC Basel entwickelte er sich vier Jahre lang zu einem Torgaranten, wurde dreimal Schützenkönig in der Nationalliga und erzielte in 123 Spielen 93 Treffer. 2005 aber wechselte Gimenez mit viel Getöse zu Olympique Marseille - er hatte seinen Transfer sogar mit einem Streik provoziert. In Südfrankreich allerdings mutierte Gimenez zuletzt zum Einwechsler, er schaffte in 21 Einsätzen lediglich einen Treffer und will Marseille schnell verlassen.
Das Modell Pantelic
Denkbar ist auch ein Ausleihgeschäft bis zum Saisonende mit einer Kaufoption für Hertha BSC. Ähnlich hatte es Manager Hoeneß im vorigen Sommer gehalten, als der Serbe Marko Pantelic zunächst von Roter Stern Belgrad ausgeliehen wurde, ehe der Klub Monate später nach langem Abwägen den Stürmer mit einem Dreijahresvertrag ausstattete. Pantelic dankte das Vertrauen. Er erzielte immerhin elf Treffer.
Sollte der Transfer von Gimenez zu Stande kommen, besäße Falko Götz endlich einmal etliche Alternativen in der Offensive. Neben Pantelic, von dem der Trainer die Entwicklung zur Führungskraft erwartet, wäre Gimenez ein quirliger Strafraumspieler. Der in der vorigen Woche verpflichtete Kroate Srdjan Lakic (22) verkörpert dagegen den Typ des schnellen, kopfballstarken Angreifers. Und mit den jungen Ashkan Dejagah (20), Solomon Okoronkwo (19) und Chinedu Ede (19) drängen drei weitere Angreifer in die Startelf. Herthas Trainer ließ am Mittwoch ständig Toraktionen provozieren und Torschüsse üben. Das Gros der Versuche landete allerdings im hohen Fangnetz.
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