Iran und Irak rücken zusammen

Thurgood


Die früheren Kriegsgegner Irak und Iran wollen enger zusammenarbeiten. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad bot Regierungschef Nuri al-Maliki an, für mehr Sicherheit im Irak zu sorgen. Beide vereinbarten auch eine gemeinsame Erschließung von Ölfeldern.

Teheran - Es gehe vor allem darum, Sicherheit und Stabilität im Irak herzustellen, sagte Ahmadinedschad heute nach einem Treffen mit Maliki in Teheran. "Die Sicherheit im Irak zu verbessern bedeutet die Sicherheit und die Stabilität in der ganzen Region zu stärken", sagte Ahmadinedschad bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Maliki. Die iranische Regierung biete dem Nachbarland "unsere gesamte Erfahrung beim Wiederaufbau" an, sagte der iranische Präsident.

Der Erweiterung der Beziehungen zwischen Bagdad und Teheran stehe nichts im Wege. Die Beziehungen zwischen dem Irak und Iran gingen weit über normale nachbarschaftliche Beziehungen hinaus, sagte Ahmadinedschad.

Maliki sprach von einem nützlichen Treffen in zahlreichen Feldern und einem "Wendepunkt" in den bilateralen Beziehungen. Iran sei für Bagdad ein "wichtiges" Land. Die Länder vereinbarten eine engere politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Ursprünglich war erwartet worden, dass Maliki die Regierung in Teheran darum bitten würde, sich nicht in interne Angelegenheiten seines Landes einzumischen. Dies hatte ein Regierungssprecher angekündigt. Während Malikis zweitägigem Besuch sollen Abkommen in den Bereichen Handel, Energie und Verkehr geschlossen werden. Bald soll es Flugverbindungen zwischen den beiden Ländern geben.

Iran will dem Nachbarland auch beim Wiederaufbau der Ölindustrie helfen. Beide Staaten wollen nun bei der Erschließung von Ölfeldern zusammenarbeiten. Eine entsprechende Vereinbarung solle in den kommenden Monaten unterzeichnet werden, sagt Iraks Ölminister Hussein al-Schahristani der Nachrichtenagentur Reuters. Dabei werde es um grenzüberschreitende Vorkommen zwischen den beiden Nachbarn gehen. Zudem werde der Irak Rohöl zu iranischen Raffinerien pumpen. Dazu würden beide Länder eine Pipeline bauen.

Unter dem früheren irakischen Präsidenten Saddam Hussein führte der Irak in den 80er Jahren einen achtjährigen Krieg mit dem Nachbarland. Auf beiden Seiten starben hunderttausende Soldaten.

Die Mehrheit der Bevölkerung im Irak ist genauso wie in Iran schiitisch. Unter dem gestürzten Ex-Präsidenten Saddam Hussein, einem Sunniten, wurden die Schiiten unterdrückt. Jetzt beäugen viele sunnitisch geführte arabische Staaten den Aufstieg der Schiiten im Irak und mögliche enge Kontakte zum Iran misstrauisch.

Obwohl die USA die Beziehungen zwischen den beiden Ländern offiziell unterstützen, wird auch dort ein möglicher Einfluss Irans auf die schiitische Regierung gefürchtet. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das iranische Atomprogramm und der harten Haltung der USA wird befürchtet, dass Iran die Gewalt gegen die US-Truppen im Irak schüren könnte.

Nach dem Treffen mit dem iranischen Präsidenten war ein Gespräch Malikis mit dem geistlichen Oberhaupt Irans, Ajatollah Ali Chamenei, geplant. Morgen soll Maliki, der seit fünf Monaten im Irak als Ministerpräsident im Amt ist, den einflussreichen ehemaligen Präsidenten Akbar Haschemi Rafsandschani treffen. Möglich sei außerdem ein Gespräch mit dem Generalsekretär des höchsten nationalen Sicherheitsrates, Ali Laridschani, sagte ein irakischer Vertreter.

Einige schiitische Politiker im Irak haben enge Beziehungen nach Teheran. Maliki, der der schiitischen Daawa-Partei angehört, hatte in den 80er Jahren während Saddams Herrschaft in Iran gelebt.

spiegel.de