Airbus: Gerüchte über Abbau von 10.000 Stellen

Thurgood
Der ins Trudeln geratene Flugzeugbauer Airbus könnte französischen Spekulationen zufolge in den kommenden Jahren 10.000 Stellen streichen. Das Unternehmen nennt diese Zahl "voreilig" - der Kampf um Macht und Strategien bei der EADS-Tochter geht unterdessen weiter.

Paris - Die Führung des Flugzeugbauers Airbus denkt der französischen Finanzzeitung "La Tribune" zufolge über den Abbau von fast 10.000 Stellen nach. Der Abbau soll in den kommenden Jahren stattfinden und ohne Entlassungen geschehen, berichtet die Internetausgabe der Zeitung und beruft sich auf eine dem Unternehmen nahe stehende Quelle.

Der neue Airbus-Chef und Co-Chef des Mutterkonzerns EADS Chart zeigen Louis Gallois hat Gewerkschaftsvertretern in Toulouse nach deren Angaben heute keine Zahlen zum angekündigten Stellenabbau bei dem Flugzeugbauer genannt. Gallois habe im Gespräch bekräftigt, dass es zunächst keinerlei Veränderungen an den Airbus-Standorten geben werde, sagte Julien Tavalan von der Gewerkschaft Force Ouvrière am Sitz der EADS-Tochter Airbus.

Gefragt nach den Gerüchten, es sollten etwa 10.000 Stellen abgebaut werden, um Airbus aus den Turbulenzen zu bringen, habe Gallois dementiert. "Er ist nicht in der Lage, uns eine Zahl zu geben", sagte Tavalan, "Gallois hat uns aber versichert, man werde die Produktionsstätten nicht antasten und alles tun, um Mitarbeiter mit Altersmaßnahmen gehen zu lassen." Außerdem wolle Gallois sein Möglichstes tun, damit das Langstreckenflugzeug A350 gebaut werde, berichtete Tavalan.

Airbus wies die Spekulationen um die Stellenstreichungen zurück: Es sei "voreilig", von 10.000 wegfallenden Arbeitsplätzen zu sprechen, sagte eine Sprecherin. "Ich kann diese Zahl nicht bestätigen, es ist für jede Zahl zu früh." Der Flugzeughersteller beschäftigt derzeit 55.000 Menschen.

Sanierungsprogramm "Power8" soll Kosten senken

Das in der vergangenen Woche angekündigte Vier-Jahres-Programm "Power8" sieht eine Senkung der Gemeinkosten um 30 Prozent vor, was zahlreiche Stellen in der Verwaltung kosten soll. Zudem hatte Goldman Sachs in einer Ende September veröffentlichten Studie sieben der 16 Airbus-Werke als konzerneigene Standorte in Europa verzichtbar genannt, darunter vier deutsche.

Die Vorsitzenden des Verwaltungsrates der Airbus-Muttergesellschaft EADS, Manfred Bischoff und Arnaud Lagardère, wollen Airbus so schnell wie möglich in die EADS integrieren. Im Gespräch mit dem "Handelsblatt" bekräftigten sie ihre Absicht, das milliardenschwere Sparprogramm "Power 8" rasch voranzutreiben.

Der neue Airbus-Chef und Gallois, hatte in einem Radiointerview am Morgen "schmerzhafte" Personaleinschnitte bei Airbus angekündigt. Einzelheiten nannte er nicht. Damit bleibt unklar, ob und inwieweit die 22.000 in Deutschland beschäftigten Airbus-Mitarbeiter betroffen sind. Diese Frage hatte schon nach der Ankündigung eines Sparprogramms für Airbus in der vergangenen Woche für Beunruhigung gesorgt.

Die Ankündigungen über "schmerzhafte" Jobverluste wurden heute in Hamburg von einigen Airbus-Mitarbeitern mit Galgenhumor quittiert. "Sie sehen ja, dass die Flugzeuge hier noch fliegen. So gesehen ist doch alles in Ordnung", scherzt ein Angestellter auf dem Weg zum Werk in Hamburg-Finkenwerder. Dabei geht bei den Zeitarbeitern die Angst um: "Wir sind ja schließlich die Ersten, die entlassen würden", sagt ein Arbeiter aus der Produktion. Bei anderen Mitarbeitern ist durch den Führungswechsel neuer Mut gewachsen: "Wir werden jetzt einfach hart arbeiten, dann haben wir bald keine Krise mehr."

Nach Informationen der Zeitung "Die Welt" will Airbus sein geplantes Sparprogramm schneller umsetzen als zunächst angekündigt. So sollen erste Maßnahmen für das Hamburger Werk bereits in dieser Woche besprochen werden, berichtet die Zeitung. Dazu treffe sich am Donnerstag die Steuerungsgruppe aus Betriebsräten und Unternehmensführung, um Auswirkungen des Sparprogramms auf die Beschäftigten zu erörtern. Aus dem Umfeld des Unternehmens sei zu erfahren gewesen, dass in Norddeutschland bis zu 1000 Arbeitnehmer betroffen seien. Entlassungen bis zum Jahr 2012 seien ausgeschlossen, doch Streichungen bei den Zeitarbeitern sowie Kurzarbeit in der A380-Produktion seien möglich.

Ex-Airbus-Chef berichtet unverblümt von Problemen

Erst gestern hatte Gallois nach dem Rücktritt von Christian Streiff neben dem EADS-Co-Chefposten auch den Job des Airbus-Chefs übernommen. Streiff hatte nach nur 100 Tagen im Amt das Handtuch geworfen. In einem ausführlichen Interview mit der französischen Zeitung "Le Figaro" sprach er jetzt unverblümt über seine Probleme mit dem Mutterkonzern EADS.

Streiff sagte, bei Airbus seien ihm die wirksame Befugnisse für eine Verbesserung verwehrt worden. Airbus sollte eher eigenständig agieren und nicht von EADS beherrscht werden, forderte er. Streiff bezeichnete das Verhältnis zwischen Airbus und EADS als Hauptursache für die Probleme. Wenn sich die Unternehmensführung nicht weiterentwickle, müsse man sich um die Zukunft Sorgen machen.

Gallois widersprach Streiff. "Airbus kann nicht unabhängig agieren, wenn 100 Prozent der Anteile EADS gehören", sagte er. Allerdings gab er zu, die verschiedenen deutschen und französischen Abteilungen von Airbus müssten besser verzahnt werden. Darüber hinaus wies Gallois Streiffs Einschätzung zurück, wonach die Erholung des Unternehmens 15 Jahre in Anspruch nehmen werde.

Spekulationen um neuen Airbus-Deutschland-Chef

Bei Airbus gibt es möglicherweise weitere Wechsel im Management. Nachdem Gallois auch die Führung bei dem EADS-Tochterunternehmen übernommen hat, wird nun über einen neuen Deutschland-Chef spekuliert.

So meldete "Die Welt" unter Berufung auf Unternehmenskreise, dass die Ablösung des Vorsitzenden der Geschäftsführung von Airbus Deutschland, Gerhard Puttfarcken, eine Frage von Wochen sei. Airbus dementierte dies. "Gerhard Puttfarcken stand und steht nicht zur Disposition", sagte Airbus-Sprecher Tore Prang. EADS-Sprecher Christian Poppe wollte zu dem Bericht keine Stellung nehmen. Gallois werde möglicherweise aber über weitere personelle Veränderungen bei Airbus befinden, räumte er ein.

Angesichts der Spekulationen über einen möglichen Abzug von Produktionskapazitäten aus Deutschland bekannte sich der EADS-Co-Vorstandsvorsitzende Thomas Enders erst in der vergangenen Woche nach einem Treffen mit Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) ausdrücklich zu den sieben deutschen Standorten. Der größte ist Hamburg mit rund 12.000 Mitarbeitern.

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Der neue Airbus-Chef Louis Gallois kommt heute zu seinem Antrittsbesuch nach Hamburg. Die Belegschaft erwartet ihn mit nervöser Spannung - Gallois hat in einem Rundschreiben an alle Mitarbeiter radikale Veränderungen angekündigt.

Hamburg - Gallois hat die Airbus-Beschäftigten unmittelbar vor seinem Antrittsbesuch beim deutschen Stammwerk in Hamburg auf einen grundlegenden Konzernumbau eingestimmt. Der neue Airbus-Chef und EADS-Co-Chef Gallois habe einen Rundbrief in englischer Sprache an alle Airbus-Mitarbeiter verschickt, berichtet die "Bild"-Zeitung. Darin kündigt er der Belegschaft an, dass "in einigen Bereichen radikalere Veränderungen notwendig" seien.

"Wir werden unsere Effizienz deutlich erhöhen müssen", heißt es demnach in dem Schreiben. Und das werde "nicht dadurch möglich sein, lediglich unsere industrielle Leistungsfähigkeit weiter zu entwickeln". Steigende Effizienz erfordere auch mehr Integration innerhalb von Airbus und, wenn nötig, "drastische Maßnahmen", betonte Gallois. Um dies zu erreichen, müssten die Beziehungen innerhalb von EADS vereinfacht werden. Zur Vorbereitung konkreter Maßnahmen werde Airbus insbesondere in den Dialog mit den Arbeitnehmervertretern treten. Gallois habe zudem betont: "Und wir wissen, dass die Anstrengungen in ausgeglichener Weise von den verschiedenen Heimatländern der Airbus-Eigner geteilt werden müssen."

Gallois wird sich heute in Hamburg über die Probleme beim Riesen-Airbus A380 informieren. Das Unternehmen musste wegen Produktionsproblemen bei dem Flugzeug die Auslieferungen wiederholt verschieben und hat deshalb mit Milliardeneinbußen zu rechnen. Der Ärger vor allem mit der Verkabelung liegt unter anderem an einem mangelhaften Zusammenspiel der beiden zentralen Standorte Toulouse und Hamburg. Gallois trifft daher unter anderem den Chef von Airbus Deutschland, Gerhard Puttfarcken, sowie Bürgermeister Ole von Beust und Wirtschaftssenator Gunnar Uldall (beide CDU). Puttfarcken betonte jedoch, das Zusammentreffen mit Gallois sei kein Krisengespräch, sondern ein Antrittsbesuch.

Für heute ist auch ein erstes Gespräch von Unternehmensführung und Arbeitnehmervertretern geplant, bei dem Möglichkeiten zur flexiblen Arbeitszeitgestaltung bei Airbus Deutschland diskutiert werden sollen. "Wir werden beraten, wie wir möglichst klug dem Auslastungsloch bei A380 begegnen", sagte Puttfarcken.

Der Deutschlandchef wies einen Bericht zurück, wonach das Unternehmen sich im Zuge des Sparprogramms von fünf Standorten mit zusammen 6600 Beschäftigten trennen wolle. "Das entbehrt jeder Grundlage, das ist falsch." Über die Auswirkungen des milliardenschweren Sparprogramms auf die einzelnen Standorte solle bis Anfang 2007 entschieden werden. Gallois selbst hatte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gesagt, er wolle erst "in einigen Monaten" über die Zukunft einiger Standorte entscheiden. Dabei werde er den Rotstift nicht nur an deutschen Produktionsstätten anlegen, sondern in den Produktionsländern Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien gleichermaßen.

Die Krise bei Airbus dürfte heute auch den deutsch-französischen Ministerrat in Paris mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem französischen Präsidenten Jacques Chirac beherrschen. Berlin will dabei auf einen fairen Lastenausgleich in der Bewältigung der Krise pochen. SPD-Fraktionschef Peter Struck forderte die Bundesregierung zum Handeln auf. "Die EADS-Beteiligung von DaimlerChrysler muss in deutscher Hand bleiben", sagte er der "Neuen Presse" in Hannover. "Wir können und dürfen nicht zusehen, wie die Hoheit über EADS nach und nach ins Ausland geht." Airbus müsse weiter in Deutschland produzieren.

DaimlerChrysler Chart zeigen hält derzeit als größter Aktionär 22,3 Prozent an EADS Chart zeigen. Der französische Staat ist mit 15 Prozent beteiligt und der Lagardère-Konzern mit 7,5 Prozent. Fünf Prozent liegen bei der staatlichen russischen Wneschtorgbank, sie hat jedoch keinen Einfluss auf die Unternehmensführung.

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In Deutschland hat erstmals eine Großbank ihre Bereitschaft offiziell erklärt, bei EADS mit einzusteigen. Damit wird es immer wahrscheinlicher, dass der deutsche Staat gemeinsam mit privaten Partnern bei der Airbus-Mutter einsteigt.

Düsseldorf - In Deutschland wird weiter an Modellen für einen möglichen Staatseinstieg beim Airbus-Mutterkonzern EADS gefeilt. Nun hat erstmals eine deutsche Großbank erklärt, sich eine aktive Rolle bei der Neuordnung des deutsch-französischen Raumfahrtkonzerns auch im Rahmen eines gemeinsamen Einstiegs mit dem Staat vorstellen zu können. "Wir hätten uns zwar eine industrielle Lösung gewünscht. Wir würden uns aber auch anderen Lösungen nicht verschließen, wenn sie betriebswirtschaftlich sinnvoll sind", sagte ein Sprecher der Commerzbank dem "Handelsblatt".

Berichten zufolge haben die Deutsche Bank Chart zeigen, die Commerzbank Chart zeigenund die US-Investmentbank Goldman Sachs Chart zeigender Bundesregierung zugesagt, sie bei der Wahrung des deutschen Einflusses auf EADS Chart zeigenzu unterstützen. Auslöser für die Bemühungen ist die Ankündigung von DaimlerChrysler Chart zeigen, das Aktienpaket des Konzerns an EADS von 22,5 Prozent auf 15 Prozent zu reduzieren. Wie es in Bankenkreisen hieß, könnten sich auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und die Landesbanken - darunter die WestLB und die LBBW - an der indirekten Wahrung der deutschen Interessen beteiligen, etwa über eine Wandelanleihe. Dem "Handelsblatt"-Bericht zufolge werden von der Bundesregierung neben der Wandelanleihe noch andere Modelle geprüft, bei denen EADS-Anteile bei den Banken geparkt und dann am Kapitalmarkt platziert werden könnten.

Emirates bestellt Maschinen ab

Die Fluggesellschaft Emirates hat unterdessen zehn Maschinen des bisher größten in Dienst gestellten Airbus-Flugzeuges A340-600 abbestellt. Wie Emirates-Chef Tim Clark am Freitag bei einem Besuch am Flughafen Heathrow in London sagte, wurde auch die Option für zehn weitere Maschinen des Typs mit Platz für 380 bis 419 Passagiere storniert. Die Gesellschaft hatte bereits im Frühjahr angekündigt, sie habe die Bestellung bis auf Weiteres verschoben, um eine spritsparendere Version abzuwarten.

Viel stärker dürfte die Airbus-Manager aber treffen, dass Emirates sich Clark zufolge auch die Passagier-Kapazitäten für den geplanten Typ 747-8 von Boeing vorlegen lassen will, wie das "Wall Street Journal" berichtet. Die Fluggesellschaft fordere dabei Änderungen, um die Sitzkapazität zu steigern. Die 747 ist die größte Maschine von Boeing und steht weitgehend in Konkurrenz mit dem neuen Airbus A380. Mit 45 Bestellungen des A380 ist Emirates bislang der größte Kunde von Airbus. Emirates hat im Juli bereits zehn Bestellungen für die Frachtversion der 747-8 aufgegeben.

Clark hatte am Freitag bestätigt, dass er Ingenieure seiner Gesellschaft zu Airbus nach Toulouse und Hamburg geschickt habe, um sich über den Stand beim Bau des neuen Super-Airbus A380 zu informieren. Er sagte, es wäre "verrückt", neue Verzögerungen bei dem größten Passagierflugzeug der Welt auszuschließen. Airbus hatte Anfang Oktober zum dritten Mal seine Liefertermine für den A380 verschoben.

Qantas bestellt acht A380

Eine gute Nachricht für Airbus gab es am Wochenende aber wenigstens. Die australische Fluggesellschaft Qantas hat trotz der Lieferkrise beim A380 acht weitere Maschinen bestellt. Es ist die erste A380-Bestellung seit Juni 2005. Airbus hat damit insgesamt 167 Order für das weltgrößte Passagierflugzeug, das den europäischen Hersteller mit seinen Produktionsproblemen in die aktuelle tiefe Krise stürzte. Der Lieferpreis der neuen Bestellung beträgt zwei Milliarden.

Gemessen am Ausmaß der Probleme ist das aber nur ein kleines Trostpflaster. Die Zahl der Maschinen, die verkauft werden müssen, um Geld mit dem A380 zu verdienen, wurde vor kurzem wegen der Verzögerungen von 270 auf 420 erhöht. Bis zu dieser Marke fehlen Airbus immer noch 253 Flugzeuge.

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