Schwere Wahlschlappe für Bushs Republikaner

Thurgood


Nach dem überlegenen Sieg im US-Repräsentantenhaus stehen die Demokraten auch im Senat vor der Mehrheit. Die Bekanntgabe des Endergebnisses der Senatswahl könnte sich aber noch um Wochen verzögern.

Die Auszählung würde erst am 27. November beginnen, gab der US-Nachrichtensender CNN bekannt. In den beiden noch hart umkämpften Bundesstaaten Montana und Virginia lagen am Mittwoch demokratische Kandidaten knapp in Führung. Sollten die Demokraten beide Bundesstaaten gewinnen, hätten sie künftig auch eine Mehrheit im Senat.

US-Präsident George W. Bush muss nach den Ergebnissen der Kongresswahl künftig mehr Rücksicht auf die Opposition nehmen. Nach zwölf Jahren gewannen die Demokraten wieder die Mehrheit im Repräsentantenhaus.

Im Repräsentantenhaus werden die Demokraten nach einer Prognose des US-Fernsehsenders NBC ihre Zahl der Mandate von 201 auf 232 ausbauen können. Bereits der Zugewinn von 15 Mandaten hätte für die Rückeroberung der Kammer ausgereicht. Die Republikaner werden künftig 202 Abgeordnete stellen.

Bei der Kongresswahl wurden alle 435 Sitze im Abgeordnetenhaus neu vergeben. "Das amerikanische Volk hat - von Küste zu Küste - den Wechsel gewählt. Heute haben wir Geschichte geschrieben", sagte die Fraktionsvorsitzende der Demokraten, Nancy Pelosi, die damit zur ersten Präsidentin der Kammer in der Geschichte der USA wird.

Bei der Senatswahl konnten die Demokraten, die dort bisher 44 Mandate hatten, vier zusätzliche Sitze in Pennsylvania, Rhode Island, Ohio und Missouri zugewinnen.

Bush enttäuscht

US-Präsident Bush äußerte sich nach Angaben des US-Nachrichtensenders CNN enttäuscht über den Verlust der Mehrheit im Abgeordnetenhaus und will den oppositionellen Demokraten eine Zusammenarbeit anbieten. Das Präsidialamt setzte für 13 Uhr Ortszeit (19 Uhr MEZ) eine Pressekonferenz im Weißen Haus an.

"Er wird damit anfangen, den Gewinnern zu gratulieren und die Hand auszustrecken, damit beide Parteien bei den Themen, denen unser Land gegenübersteht, kooperieren", sagte Bushs Berater Dan Bartlett.

Präsidialamtssprecher Tony Snow sagte, die Kongresswahl sei nicht so verlaufen, "wie wir uns das erhofft haben". Allerdings sei nun auch klar: "Die Demokraten haben viel Zeit damit verbracht, sich darüber zu beklagen, was der Präsident getan hat." Jetzt hätten sie die Gelegenheit, selbst zu agieren.

Zuvor hatte der oberste Präsidenten-Berater Karl Rove Bush offiziell darüber informiert, dass das Repräsentantenhaus an die Demokraten gegangen sei.

Hillary Clinton erfolgreich

In New York wurde die demokratische Senatorin Hillary Clinton für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Die frühere First Lady der USA gilt als mögliche Anwärterin auf die demokratische Präsidentschaftskandidatur bei der Wahl in zwei Jahren. Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer wurde in New York zum Gouverneur gewählt. Spitzer erzwang als Generalstaatsanwalt des Staates nach

Finanzskandalen Reformen an der Wall Street und machte sich außerdem einen Namen als Reformer im Unternehmensrecht.

Der Republikaner Rick Santorum, ein enger Gefolgsmann von Präsident Bush, verlor in Pennsylvania gegen seinen demokratischen Herausforderer Robert Casey. In Ohio gewann die Demokratin Sherrod Brown gegen den republikanischen Amtsinhaber Mike DeWine, und in Rhode Island schlug der Demokrat Sheldon Whitehouse den bisherigen Senator Lincoln Chafee.

Mit Leichtigkeit gewannen zwei Veteranen im Senat ihre Wiederwahl: Edward Kennedy in Massachusetts und der 88 Jahre alte Robert Byrd in West Virginia. Byrd ist der mit 48 Amtsjahren dienstälteste Senator in der US-Geschichte.

Lieberman siegt als Parteiloser

Der parteilose Kandidat Bernie Sanders gewann im Staat Vermont einen Sitz im US-Senat. Sanders hat angekündigt, im Senat mit den Demokraten stimmen zu wollen. In Connecticut wurde der unabhängige Senator Joseph Lieberman wiedergewählt.

Der ehemalige Vizepräsidentschaftskandidat der Demokraten trat als Unabhängiger an, weil er bei der innerparteilichen Vorwahl wegen seiner Unterstützung der Irak-Politik Bushs gescheitert war. Er könnte zum Zünglein an der Waage im Senat werden. Lieberman hatte gesagt, er würde sich als Unabhängiger auf die Seite seiner früheren Partei stellen.

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