Thurgood

13 Prozent der Bundesbürger sind von Armut bedroht. Das ergab eine Studie des Statistischen Bundesamtes, die Leben und Einkommen in Deutschland mit anderen Ländern verglich. Knapp elf Millionen Mensch müssen danach mit weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens leben.
Blickt man nur auf die nackten Zahlen, steht Deutschland ziemlich gut da: Nur in den skandinavischen Ländern und in Luxemburg laufen weniger Menschen Gefahr, unter die Armutsgrenze zu rutschen. In Irland, Portugal und Griechenland dagegen liegt die Quote der als "armutsgefährdet" geltenden Bürger um die Hälfte höher als hierzulande.
Risikogruppe Alleinlebende und Alleinerziehende
Doch die Gesamtbetrachtung täuscht. Auch bei uns gibt es Risikogruppen, deren Einkommen auffallend niedrig ausfällt. Besonders gefährdet ist generell, wer alleine lebt, erklärte der Vizepräsident des Statistischen Bundesamtes, Walter Radermacher, bei der Vorstellung der Statistik in Berlin. Ein deutlich erhöhtes Risiko gibt es auch für Alleinerziehende und Arbeitslose, "wenn man keine Schulausbildung und keine Berufsausbildung hat. Und wenn man tendenziell auch in den neuen Bundesländern wohnt."
Armutsdefinition gilt auch bei Studenten
Die Armutsgrenze wird bei dieser europaweit ermittelten Statistik relativ kompliziert errechnet: Das tatsächliche Einkommen wird auf die Personen im Haushalt umgerechnet, wobei Kleinfamilien im Vergleich zu vielköpfigen Haushalten als stärker belastet gelten.
Wer 60 Prozent oder noch weniger vom so errechneten Bundesdurchschnitt zur Verfügung hat, gilt als "armutsgefährdet" - wobei es egal ist, ob es sich um einen Studenten handelt, der später vielleicht deutlich besser dasteht oder um Kleinrentner, die im eigenen Haus wohnen können.
Kleine Ausgaben bringen Hälfte in Schwierigkeiten
Das Statistische Bundesamt kommt so auf 10,6 Millionen gefährdete oder tatsächlich arme Menschen in Deutschland. Mit dramatischen Folgen für deren persönliche Lebensverhältnisse. Wenn es kleinere Reparaturen, einen Unfall oder eine andere unerwartet anfallende Ausgabe gibt, sagen laut Radermacher 55 Prozent der von Armut Gefährdeten, das bringt sie in Schwierigkeiten. Beider übrigen Bevölkerung sind das nur 18 Prozent.
Bei einem Viertel der Menschen in der Armutsrisikogruppe reicht es nicht mehr zu regelmäßigen vollwertigen Mahlzeiten, jeder fünfte geht selbst dann nicht zum Arzt oder Zahnarzt, wenn er krank ist oder Beschwerden hat. Besonders armutsgefährdet sind Alleinerziehende und Familien mit vielen Kindern.
Mangelnde Schulausbildung erhöht das Risiko
Auch eine schlechte Schul- und Ausbildung ist ein erheblicher Risikofaktor: "24 Prozent der Personen, die keinen Schulabschluss haben, und auch 24 Prozent derer, die keine abgeschlossene Berufsausbildung haben, liegen unterhalb dieser 60-Prozent-Schwelle, das heißt, sie sind von Armut bedroht", sagte Radermacher. "Wohingegen ein Abitur und ein Hochschulabschluss doch ziemliche 'Versicherungen' gegen ein Armutsrisiko sind."
Sozialleistungen mindern Armutsgefährdung
Arbeitslosengeld, Sozialhilfe und seit kurzem auch die sogenannten "Hartz-IV-Leistungen" tragen allerdings erheblich dazu bei, das Risiko zu vermindern. Ohne Sozialtransfers wären doppelt so viele Menschen armutsgefährdet. Wobei "Hartz-IV" in der Statistik noch gar keine Rolle spielt. Die Daten der Statistik "Leben in Europa" stammen nämlich aus dem Jahr 2004, also bevor die Sozialleistungen in Deutschland neu geregelt wurden.
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