Unwort des Jahres 2006: Frist für Vorschläge läuft ab

Thurgood
Was folgt auf «Entlassungsproduktivität», «Humankapital», «Tätervolk» und «Ich-AG»

Die Frist für Vorschläge zum «Unwort des Jahres 2006» läuft ab. Nur noch bis zum 8. Januar nimmt die Jury Anregungen aus der Bevölkerung entgegen. Sie ist allerdings nicht daran gebunden, das am häufigsten genannte Wort zu wählen, wie der Sprecher der Unwort-Jury, der Frankfurter Germanistik-Professor Horst Dieter Schlosser, am Mittwoch mitteilte. Das «Unwort des Jahres 2006» wird am 19. Januar in Köthen bekannt gegeben.

Im vergangenen Jahr wurde «Entlassungsproduktivität» zum Unwort gekürt nach «Humankapital» (2004), «Tätervolk» (2003) und «Ich-AG» (2002). Gesucht werden sprachliche Missgriffe, die im vergangenen Jahr besonders negativ aufgefallen sind, weil sie etwas «unangemessen wiedergeben und dabei möglicherweise sogar ethische Normen verletzt haben». Bis Anfang Dezember waren bereits 1500 Vorschläge bei der Jury eingegangen.

Zu den bislang eingesandten Begriffen zählen laut Schlosser «Neiddebatte» zur Verhöhnung der Kritik an zu hohen Managergehältern und «Prozessökonomie» für die Einstellung von Strafverfahren, «kindgerechte Abschiebung», «Multikultischwuchteln» für homosexuelle Politiker, «Abwrackprämie» für die Zuschüsse bei der Entlassung älterer Mitarbeiter und «Eindeutschung» für die Integration von Zuwanderern. Chancen haben auch «Kleinvoliere» für Minikäfige, «mobile ethnische Minderheiten» für Sinti und Roma sowie «Pro Ana» als Werbetitel einer Lifestyle-Bewegung, die Magersucht befürwortet.

Quelle

Wort des Jahres war ja "Fanmeile" für mich allerdings ein Kandidat für das Unwort BIG GRIN

Was gibts sonst noch für Vorschläge?

- Problembär
- No-Go-Area
- Killerspiele
u4u|Daywalker
Auch wenn´s nicht wirklich zum "Unwort des Jahres" passt, habe ich ein persönliches Hasswort (bzw. Hassname): Schünemann!
Wobei, wenn man sich "unangemessen wiedergeben und dabei möglicherweise sogar ethische Normen verletzt haben" anschaut, passt das total zum Herrn Schünemann. Hinzu kommen verbrecherische Lügen in Verbindung mit vorsätzlicher Unterstützung künftiger Amokläufe junger Menschen.

Ja, Unwort des Jahres ist eindeutig Schünemann!

Ansonsten passt natürlich "Killerspiel" perfekt und es würde mich auch nicht wundern, wenn das Wort "gewinnt".
John Cole
hmm, Killerspiel hat durchaus berechtigte Chance auf Erfolg...

Ein einzelnes Wort hab ich garnicht.

Der "Ausdruck des Jahres" ist für mich aber "Verzögerungen im Betriebsablauf", bzw. "...verspätete Anschlussreisende aus Richtung Köln..." BIG GRIN
Thurgood
"Freiwillige Ausreise" ist das Unwort des Jahres 2006. Dies gab eine Jury aus Sprachwissenschaftlern in Köthen in Sachsen-Anhalt bekannt. Der Begriff bezieht sich darauf, dass viele abgelehnte Asylbewerber vor einer Abschiebung unter Zwang "freiwillig" in ihre Heimat zurückkehren würden.

In diesem Fall von einer Freiwilligkeit zu sprechen, erfüllt nach Ansicht der Jury die Kriterien für ein Unwort. Schon seit 1991 werden mit dieser Auszeichnung sprachliche Missgriffe angeprangert, die grob unangemessen sind oder die Menschenwürde verletzen. Im Vorjahr war "Entlassungsproduktivität" zum Unwort gekürt worden. Andere Unwörter des Jahres waren bisher unter anderem "Gotteskrieger", "Humankapital", "Ich-AG" und "sozialverträgliches Frühableben".

"Unterschicht" am häufigsten vorgeschlagen

Gerügt wurde von der Jury der Begriff "Konsumopfer". So habe der Modemacher Wolfgang Joop Models umschrieben, die zu Lasten ihrer Gesundheit für das Schönheitsideal der Konsumgesellschaft, nämlich "extrem schlanke, letztlich magere Figuren", hungern müssten. Ebenfalls eine Rüge verdient nach Ansicht der Sprachexperten auch das Wort "Neiddebatte". Damit habe der frühere Bundesbankpräsident Ernst Welteke die ernsthafte Diskussion um die Angemessenheit von Millionenbezügen bestimmter Spitzenmanager "auf die Stufe eines kleinkarierten Neides herabgewürdigt".

Insgesamt lagen der sechsköpfigen Jury 1130 Vorschläge für das Unwort vor, so viele wie nie. Darunter befanden sich auch Begriffe wie "Prekariat", "Problembär", "Gesundheitsreform", "Prozessökonomie", "Kleinvoliere" oder "kindgerechte Abschiebung". Am häufigsten wurde allerdings "Unterschicht" vorgeschlagen.

tagesschau.de-User stimmen für "Killerspiele"

Auch tagesschau.de hatte seine User um Vorschläge für sprachliche Missgriffe gebeten und eine Auswahl anschließend zur Abstimmung gestellt. Aus der nicht repräsentativen Umfrage ging "Killerspiele" nach langer Führung von "Sozialverträglicher Arbeitsplatzabbau" als Favorit hervor.

Normalerweise wird das Unwort in Frankfurt am Main verkündet. Köthen wurde in diesem Jahr wegen des 390. Geburtsjahres der so genannten Fruchtbringenden Gesellschaft als Veranstaltungsort ausgewählt, die einst gegen die Verunstaltung der deutschen Sprache kämpfte. Erstes Oberhaupt dieser literarischen Gruppe der Barockzeit war Fürst Ludwig von Anhalt-Köthen.

tagesschau.de
Flappo Fatzke
naja "Freiwillige Ausreise" empfinde ich nicht als Unwort - dann schon eher "kindgerechte Abschiebung" zu diesem Thema !!! "Unterschicht" wäre auch noch besser gewesen
Krone
Ganz klar UNTERSCHICHT. BÖSE

Vor allen Dingen steckt soviel Wahrheit dahinter bzw. weiß man wie weit es in unserem Staat schon gekommen ist.