Heynckes gibt in Gladbach auf
München/Mönchengladbach - Jupp Heynckes hat die Konsequenz aus der sportlichen Talfahrt von Borussia Mönchengladbach gezogen und ist als Cheftrainer zurückgetreten.
Dies bestätigte der fünfmalige Deutsche Meister am Mittwochmittag, nachdem er entsprechende Zeitungsberichte zuvor noch zurückgewiesen hatte.
Die endgültige Entscheidung fiel erst nach einer letzten Besprechung mit der Vereinsführung am Morgen, in der Heynckes nach nur 215 Tagen um die sofortige Auflösung seines bis 30. Juni 2006 laufenden Vertrags bat.
Der 61-Jährige, der auf alle Ansprüche verzichtete, reagierte mit seinem Schritt auf die rasante Talfahrt des Tabellen-16.
Der Traditionsklub ist nach dem 0:0 gegen den 1. FC Nürnberg am Dienstagabend bereits seit 13 Pflichtspielen ohne Sieg.
Königs: "Bedauern diesen Schritt"
"Wir alle bedauern diesen Schritt von Jupp Heynckes sehr, denn wir haben mit ihm in einem sehr freundschaftlichen und guten Verhältnis zusammengearbeitet", sagte Gladbachs Präsident Rolf Königs.
"Er ist ein großartiger Mensch und absoluter Ehrenmann. Jupp Heynckes wird immer ein Borusse bleiben."
Luhukay steht als Nachfolger parat
Als Nachfolger steht der bisherige Heynckes-Assistent Jos Luhukay parat, der das Team zunächst am Samstag bei Arminia Bielefeld betreuen wird.
Der Holländer, bis Saisonbeginn bei Zweitligist SC Paderborn tätig, war erst in der Winterpause mit einem Vertrag bis Saisonende ausgestattet worden und galt seitdem als potenzieller neuer Chefcoach.
Zuvor war der 43-Jährige Co-Trainer beim 1. FC Köln und hatte von 2000 und 2002 de Regionalligisten KFC Uerdingen betreut.
Erst seit 1. Juli zurück bei den "Fohlen"
Der ehemalige Borussia-Torjäger Heynckes war erst am 1. Juli 2006 zu den "Fohlen" zurückgekehrt. Bereits von 1979 bis 1987 hatte er die Gladbacher trainiert und wollte nun an die erfolgreichen Zeiten anknüpfen.
Doch stattdessen rutschte die Mannschaft nach ordentlichem Start immer weiter ab und musste auf einem Abstiegsplatz überwintern.
Die Hoffnungen auf Besserung nach der guten Vorbereitung erlitten dann bereits bei der 1:3-Pleite zum Rückrundenauftakt in Cottbus einen herben Dämpfer.
Vierter Trainerwechsel der Saison
Heynckes Demission bedeutet den vierten Trainerwechsel in dieser Saison und den 299. in der Bundesliga-Geschichte seit der Gründung 1963.
In dieser Spielzeit hatten bisher Peter Neururer (Hannover 96) und Bert van Marwijk (Borussia Dortmund) gehen müssen. Dieter Hecking (Alemannia Aachen) hatte um Vertragsauflösung gebeten, um nach Hannover wechseln zu können.
Letzter Erfolg Mitte Oktober
Der letzte Erfolg der Gladbacher datiert vom 14. Oktober des vergangenen Jahres, als man beim 3:1 gegen den VfL Wolfsburg den letzten von nur vier Heimsiegen feierte.
Schon nach dem trostlosen Remis gegen Nürnberg hatte Heynckes zum wiederholten Mal einen Rückzug angedeutet. Auf die Frage eines Boulevard-Reporters, ob er auch im nächsten Spiel auf der Bank sitzen werde, hatte er geantwortet: "Wenn Sie mit Ihrer Schmutzkampagne weitermachen, dann überlege ich mir das."
"Wir sind enttäuscht"
Über die Leistung seiner Elf hatte der Ex-Nationalspieler sich frustriert gezeigt. "Wir sind enttäuscht, weil wir gewinnen wollten. Der Punkt ist zwar zu wenig, aber wenn wir immer so spielen, holen wir auch wieder Siege", sagte Heynckes.
"Die Mannschaft hat engagiert gespielt, war taktisch geschickt klug und hat keine Nürnberger Chance zugelassen. In unserer Situation aber fehlt manchmal vor dem Tor nur die Ruhe, und die Aktionen sind zu übereilt."
Minus-Kulisse im Borussia-Park
Daher reichte es vor der Saison-Minuskulisse von nur 33.116 Zuschauern im Borussia-Park nach schwachem Spiel erneut nicht zu einem "Dreier".
Dabei hatten die Gladbacher sogar noch Glück, dass ein reguläres Nürnberger Tor durch Iwan Saenko nach 14 Minuten von Schiedsrichter Babak Rafati wegen Abseits nicht gegeben wurde. Fernsehbilder zeigten, dass der Pass in die Spitze von einem Gladbacher Spieler kam.
Auch die verstärkten Bemühungen der Gastgeber nach der Pause blieben ohne Ertrag. Offenbar zu wenig für ihren Trainer.
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