Kämpfe zwischen Hamas und Fatah eskalieren

Thurgood
Schießereien, Straßensperren und mindestens 13 Tote

Von einem Waffenstillstand, den die Palästinenserorganisationen Fatah und Hamas am Dienstag vereinbart hatten, kann keine Rede mehr sein. Die Lage im Gaza-Streifen erinnert derzeit eher an einen Bürgerkrieg. Seit gestern sind mindestens 13 Menschen ums Leben gekommen.

Szenen wie im Bürgerkrieg - mit Schnellfeuergewehren und Granaten greifen Hamas-Anhänger eines der Ausbildungslager der Fatah-nahen Präsidentengarde in Gaza-Stadt an. Dutzende von Menschen werden verletzt, Krankenwagen werden kaum noch vorgelassen. An einer anderen Stelle im Gaza-Streifen überfallen Hamas-Kämpfer einen Fatah-Radiosender und versuchen, das Gebäude in die Luft zu jagen. Auf den verlassenen Straßen im Gaza-Streifen sind nur noch Bewaffnete der beiden verfeindeten Gruppierungen zu sehen. Alle 200 bis 300 Meter sind provisorische Straßensperren errichtet worden, wechselweise von Hamas und Fatah, teilweise stehen die Vermummten auf Häuserdächern und belegen sich gegenseitig mit schwerem Feuer.

Die Hamas, so heißt es aus Fatah-nahen Kreisen, sei nunmehr zum offenen Kampf gegen die konkurrierende palästinensische Macht angetreten; die Islamisten wollten der Fatah im Gaza-Streifen eine endgültige Niederlage zufügen. Im arabischen Fernsehsender Al Arabia räumte der wichtigste Fatah-Politiker und potenzielle Abbas-Nachfolger Mahmud Dahlan am Morgen ein, dass seine Fraktion dabei sei, den Kampf gegen die Hamas zu verlieren.

13 Tote innerhalb weniger Stunden

Seit gestern haben die streckenweise mit exzessiver Gewalt geführten Feuergefechte mindestens 13 Menschenleben gefordert, darunter auch das eines elfjährigen Jungen. In die überlasteten Krankenhäuser wurden bis Freitagmittag 170 Verletzte eingeliefert. Hamas-Kämpfer würden in erheblichem Umfang Fatah-Sicherheitskräfte gefangen nehmen, hieß es. Unbestätigten Berichten zufolge würden die Hamas ihren Kontrahenten gezielt und aus kurzer Distanz in Arme und Beine schießen, um die Opfer anschließend der medizinischen Notversorgung zu überlassen.

Islamische Universität überfallen

Die bewaffneten Verbände der verfeindeten Lager befinden sich offenkundig in Alarmbereitschaft. In der vergangenen Nacht überfielen Mitglieder der Fatah-treuen Präsidentengarde die Islamische Universität in Gaza-Stadt. Dabei seien sieben Iraner festgenommen worden, die der Hamas als Waffenexperten zur Verfügung gestanden hätten, wie israelische Medien unter Berufung auf Fatah-Offizielle melden. Einer der Festgenommenen hätte im Verlauf des Feuergefechts Selbstmord begangen. Diese Angaben wurden jedoch von der Hamas energisch bestritten. Fotos oder gar Aussagen von den angeblich festgenommenen Iranern, die die Behauptungen der Fatah bestätigen würden, wurden anschließend nicht präsentiert.

Auslöser der jüngsten Gewaltwelle war ein Hamas-Überfall auf einen LKW-Konvoi der Fatah gestern Nachmittag. Die Islamisten waren davon überzeugt, einen der Waffentransporte gestoppt zu haben, mit denen die US-Regierung mit Hilfe Ägyptens, Jordaniens und Israels die Sicherheitskräfte von Palästinenser-Präsident Abbas stärken wollen. Bevor der Westen die Fatah von Mahmud Abbas richtig aufgerüstet habe, so heißt es im Gaza-Streifen, wolle die Hamas der verfeindeten Fraktion den Garaus machen.

tagesschau.de