Thurgood

Schläge, Tritte, Prügel: Ein neuer Fall von Polizeigewalt erschüttert Los Angeles. Ein 31-Jähriger starb auf mysteriöse Weise kurz nach seiner Festnahme. Die Polizei berichtet von Atemschwierigkeiten, drei Augenzeugen von einer Knüppelorgie.
Die Darstellungen der Geschehnisse, die zum Tod eines 31 Jahre alten Mannes nach einer Festnahme in Los Angeles führten, könnte unterschiedlicher kaum sein. Im offiziellen Polizeibericht heißt es, die Beamten hätten Mauricio Cornejo am Wochenende wegen Waffen- und Drogenbesitzes festgenommen. Am Abend dann habe man bei dem Mann plötzlich Atemschwierigkeiten bemerkt und einen Krankenwagen gerufen. Die Ärzte hätten dann nur noch den Tod des Gefangenen feststellen können. Eine Erklärung für das plötzliche Ableben liefert die Polizei nicht. Die Todesursache solle eine Obduktion klären, heißt es lapidar im Polizeibericht.
Für mehrere Augenzeugen der Festnahme ist es ganz klar, woran Mauricio Cornejo gestorben ist. Eine Zeugin sagte der "Los Angeles Times", sie habe gesehen, wie die Beamten den bereits mit Handschellen gefesselten Mann mehrmals mit einem Knüppel auf den Kopf und den Körper geschlagen hätten. "Sie gingen unglaublich gewalttätig vor", sagte sie. Sie hätten noch immer auf Cornejo eingeschlagen, als dieser schon am Boden lag.
Eine zweite Frau, die das Geschehen beobachtet hat, äußerte sich ähnlich. Die Polizisten hätten dem Mann gegen den Kopf und in die Rippen getreten und ihn mit Knüppeln geschlagen. Nachdem die Cops ihm Handschellen angelegt hatten, sei die Prügelorgie noch eine Minute weitergegangen. Cornejo habe laut um Hilfe gerufen.
Zeugin Nummer drei erlebte laut "Los Angeles Times" mit, wie Cornejo in seiner Arrestzelle starb. Die Frau, die auf dem Polizeirevier auf ihre Tochter wartete, sah angeblich, wie die Beamten mindestens zweimal auf den gefesselten Mann eintraten. Die Cops hätten ihn dann in eine gegenüberliegende Zelle geschafft. Die Rettungssanitäter hätten schließlich erfolglos versucht, den Mann zu reanimieren. "Er stirbt", hörte sie eigenen Angaben zufolge jemanden sagen.
Die Menschen in dem Viertel, in dem Cornejo festgenommen wurde, sind empört über das rücksichtslose Vorgehen der Beamten. Dort, in Ramona Gardens, gebe es öfter unangenehme Zwischenfälle mit der Polizei. Einige wollen sogar festgestellt haben, dass es einige Beamte besonders auf die Bewohner des Viertels abgesehen hätten, schreibt die Zeitung. "Ehe man sich's versieht, steht man mit dem Rücken zur Wand", wird einer der Bewohner zitiert. "Es wird immer schlimmer", sagt ein anderer.
Schon vor einigen Monaten gab es in der Stadt große Aufregung, nachdem mehrere Fälle von brutalen Übergriffen durch Polizisten bekannt geworden waren. Diese Szenen hatten Zeugen mit Handykameras aufgenommen, so dass sich die Brutalität der Cops auch von außen recht eindeutig bewerten ließ. Auch im Fall Cornejo gibt es zwar eine Videoaufnahme, doch darauf ist kaum etwas zu erkennen.
Auf Druck der Öffentlichkeit, schreibt die "Los Angeles Times", habe die Polizei inzwischen immerhin eine aktualisierte Pressemitteilung herausgegeben. Cornejo sei aggressiv gewesen und habe sich der Festnahme widersetzt, ist dort zu lesen. Die Beamten hätten dann auch zugeschlagen. Cornejo, der in der Mitteilung als Gangmitglied bezeichnet wird, habe kaum auf die Schläge reagiert und auch dann noch nach den Polizisten getreten, als er schon gefesselt war.
Die Obduktion ist inzwischen abgeschlossen - und wenig erhellend. Die Todesursache betreffend, kamen die Mediziner zu keinem Ergebnis. Cornejos Nachbarn haben nun Spenden für seine Beerdigung gesammelt. Gegen ein Entgelt boten sie an, Autofahrern den Wagen zu waschen. Das Los Angeles Police Department schickte umgehend Einsatzkräfte dorthin: mehrere Hubschrauber und etliche Polizisten in Kampfmontur.
spiegel.de