"Non-telegraphic"-Strikes

Shu
Servus!

Hier soll sum den ansatzlosen Schlag, Stoß, Tritt etc gehen. Klar ist der Begriff durch Bruce Lee geprägt und wird zumindest mir direkt mit JKD assoziiert, jedoch muß es hier nicht ausschließlich um JKD gehen. Egal welcher Stil: Schnell und ohne Ankündigung zuschlagen, das ist es was auch ein Boxer ein Kickboxer etc brauchen kann ZWINKER .

Hat wer irgendwelche Tipps, Texte, Clips, was auch immer? Selbst konn tich nicht wirklich passendes auf die Schnelle Auftreiben. Vielleicht hat ja wer was.

Grüße
Shu
Tsukiyomi
http://home.arcor.de/marko.kalker/pdfs/hammer.pdf

das vielleicht :)!

Einen richtig non-telegraphic Punch hinzukriegen denk ich ist sehr schwer zu erlenen bzw. dauert seine Zeit! :)

Man braucht die richtige Technik. die nötigen Attribute und einfach die Lockerheit....Übung Übung Übung ^^
Gin Lai
Das "Non-Telegraph-Principle" (NTP) adaptierte Bruce Lee aus dem westlichen Fechten, wo man seit jeher größten Wert darauf legt, jegliche Art von Angriffs- oder Abwehraktionen zu verbergen. Das Prinzip verhindert, dass bspw. die Schlagabsicht bereits im Ansatz für den Gegner zu „lesen“ ist - der Schlag im Vorfeld also regelrecht „telegrafiert“ wird. Oftmals liegt die Ursache für das Telegrafieren der eigenen Aktionen in der falschen Reihenfolge innerhalb der Bewegungseinleitung: Bei sämtlichen Handtechniken gilt von daher das „Hand Moves First Principle“: Der Schlag wird demnach stets zuerst durch die Handbewegung initiiert - erst dann folgen Körper (-masse) und Schritteinleitung. Dieses Prinzip macht den Angriff unberechenbarer und verschafft dem Ausführenden einen zeitlichen Vorteil, weil es den Gegner wirkungsvoll daran hindert, seine Verteidigungsmaßnahmen auf den Angriff zu timen. Voraussetzung für dieses „Non-Telegraphic-Manöver“ ist das Vermeiden solcher Bewegungen, die dem Gegner im vorhinein die (Art der) Angriffsabsicht zu erkennen geben. Dazu zählen sämtliche schwungvorbereitende und ausholende Bewegungen, wie z.B. das Aufrichten des Körpers, das Zurückziehen des Schlagarms, das Eindrehen des Oberkörpers, das Anheben der Schulter, Beugen der Knie, etc. Aber auch ein subtiles Ballen der Faust, jegliche Form von "Set-Up" ("in Stellung gehen"), Gewichtsverlagerung, oder gar eine "verräterische Grimasse" sind allesamt Indizien und "Informationen", die dem Gegner Aufschluß darüber geben können, dass ein Angriff unmittelbar bevorsteht.
Im Verteidigungsfall kann das NTP bspw. dazu beitragen, dass Art und Weise der eigenen Abwehr für den Gegner nicht ausrechenbar ist, so dass sich für den eigenen (im Idealfall zeitgleichen) Konter ein (Zeit-) Vorteil verschaffen lässt, weil man die eigene Abwehraktion so spät und so knapp wie möglich durchführt, dass dem Angreifer keine Chance gelassen wird, den Angriff abzubrechen, neu anzusetzen, oder auf halbem Wege eine andere Route/Ebene zu wählen.
Dieses Non-Telegraph-Principle ist eines von vielen, welche sämtliche im Jeet Kune Do verwendeten Techniken erst zum Leben erwecken und funktional machen. Genau genommen sind sie Bestandteil des im JKD überaus wichtigen Attribute-Trainings, welches stets Hand in Hand mit dem Techniktraining absolviert werden muss, um nicht zu einer leblosen "Technikmarionette" zu mutieren.
Das NTP lässt sich sowohl mit Partner als auch alleine üben.
Beim Training mit einem Partner ist dieser für die Kontrolle zuständig, indem er darauf achtet, ob z.B. die Schlagabsicht durch eine vorbereitende Bewegung oder sonstiges telegrafiert wird. Für den Ausführenden ist wichtig, dass er nicht verkrampft, sondern locker bleibt und den Fokus - weg von der Pratze - auf den Non-Telegraph-Aspekt legt. Auch empfiehlt es sich, grundsätzlich aus einem Bewegungsfluß heraus zu agieren; d.h., man vermeidet sämtliche Aktionen stationär, oder aus dem Stillstand heraus vorzunehmen. Dies beschleunigt die eigenen Aktionen ungemein und macht es dem Gegner schwerer, den Angriffszeitpunkt wahrzunehmen.
Wer keinen Partner zur Hand hat, sollte einen möglichst großen Spiegel verwenden, mit Hilfe dessen er seine Bewegungen überprüfen, kontrollieren und entsprechend korrigieren kann. Mit bspw. der "Hanging Paper-Übung" lässt sich das NTP gefahrlos z.B. mit schnellen Fingerjabs trainieren.
Und nicht vergessen: "Always keep a poker face!" (Bruce Lee)

Gruß,
Michael
Shu
Zunächst einmal danke an Tsuki, das pdf hatte ich schon gesucht, aber nur einen alten link in einem anderne forum gefunden, der nicht mehr funktioniert hat! Thx!

@Gin Lai: Sind das deine Worte? Wenn ja, Hut ab! Wenn nicht wär eeine Quellenangabe interessant.

Und nun noch etwas im Bezug auf euch beide: Das Hammer-principle ist dem "Hand moves first"-Prinricple unterzuordnen, oder?

Was auch sehr interessant ist und in dem pdf aus Tsukis post steht: non-telegraphic und non-intension.

Wie ich das verstehe heißt non-telegraphic schlicht, dass man ansatzlos schlägt, der start der schlagbewegung also unerwartet kommt. Non-intension ist mehr auf der Gefühlsebene angesiedelt? Stimmt das? Also dass man "geistig" nicht verkrampft und wieder ohne einen "inneren" Widerstand abschießt?
Gin Lai
Zitat:
Original von Shu


@Gin Lai: Sind das deine Worte? Wenn ja, Hut ab! Wenn nicht wär eeine Quellenangabe interessant.


Hallo Shu,

yep, sind meine Ergüsse. BIG GRIN
Dass dir der Text auszugsweise bekannt vorkommt, liegt evtl. daran, dass du ihn schon mal auf der (alten) JKD Cologne Website gelesen hast.
Da ich mich zwischenzeitlich mit einer eigenen Gruppe selbstständig gemacht habe, sind die Artikel und Übersetzungen momentan allerdings nicht online.

Zitat:
Und nun noch etwas im Bezug auf euch beide: Das Hammer-principle ist dem "Hand moves first"-Prinricple unterzuordnen, oder?


Right.
Ohne "Hand Moves First" kein "Hammer Principle".

Zitat:

Wie ich das verstehe heißt non-telegraphic schlicht, dass man ansatzlos schlägt, der start der schlagbewegung also unerwartet kommt.


Korrekt!

Zitat:
Non-intension ist mehr auf der Gefühlsebene angesiedelt? Stimmt das? Also dass man "geistig" nicht verkrampft und wieder ohne einen "inneren" Widerstand abschießt?


Nicht aussschliesslich.
Non-Intention verbindet quasi beide "Welten" miteinander.
Einerseits ist es Ausdruck eines wachen, fokussierten Geistes, der frei ist von "inneren Widerständen", wie du so treffend formuliert hast; andererseits, ist es aber auch eine jederzeit abrufbare Technik, die schlicht auf physikalischen Grundlagen basiert.
Guckstu:

Non-Intention (nach Patrick Strong)
Die ursprüngliche Idee entstammt der Chi Sao Übung aus dem Wing Chun.
Im Chi Sao wird vorwärtsgerichteter Druck auf den Gegner ausgeübt. In Folge dessen schnellt immer dann, wenn der Gegner den Kontakt zur Hand abreissen lässt, oder seine Linie verändert, die Hand des Wing Chun Praktizierenden wie eine „los-flitschende“ Bambusstange nach vorne.
Dieses „Nach-vorne-Schnellen“ bedarf keiner Muskelkontraktion; vielmehr bewirkt es ein unmittelbares Lösen der Muskelanspannung. Sowie die Hand nach vorne schiesst, verlagert sich der Schwerpunkt nach vorne, was ein Ungleichgewicht und ein „Aufladen“ (Vorspannung) der Hüfte verursacht.
Bevor die grossen Muskelgruppen überhaupt kontrahieren können, ist der Gegner bereits getroffen; und dem Schlag sind Gewicht und beschleunigte Körpermasse nachgefolgt.
Analog zum Wasser, welches sich vor einem Damm aufstaut: In dem Moment, wo sich ein Riss auftut, strömt das Wasser hindurch - völlig ohne Intention. Wie Bruce zu sagen pflegte: „Nicht Du entscheidest wann Du zuschlägst - „es“ entscheidet für Dich!“
In Vorkampfstellung, wo der Kontakt zum Gegner noch nicht hergestellt ist und es keinen „Federeffekt“ gibt um die Bewegung einzuleiten, bleibt das Prinzip „zu schlagen, ohne die Intention zu schlagen“, dennoch erhalten.
Statt der gezielten Bewegungsabsicht, nutzt man nun die Schwerkraft als "Servo-Mechanismus" um die Bewegung einzuleiten.
Sich ohne Intention zu bewegen wird innerhalb der Wachsamkeitsstellung durch eine leichte Schwerpunktverlagerung nach vorne ermöglicht. Die kleinste Bewegung mit der Führhand reicht nun aus, den Schwerpunkt zu verlagern - ein Übergang den Bruce Lee Schüler Patrick Strong als „Critical Edge“ bezeichnet. Um diese „Critical Edge“ wahrzunehmen, muss man sein Körpergefühl einsetzen.
Wenn sich die Hand nach vorne bewegt, verursacht dies eine leichte Veränderung innerhalb des Schwerpunkts. Wird die Hand plötzlich nach vorne geworfen und gleichzeitig die Anspannung in den stabilisierenden Muskeln gelöst, schiesst man mit minimalem Muskelaufwand nach vorne und entwickelt mühelos enormen Schwung.
Die eigentliche Kontraktion der Muskeln wird erst stattfinden, wenn man sich bereits auf dem Weg zum Ziel befindet, wodurch der eigene Vorstoss unberechenbar, schnell und schlagtechnisch sauber durchgeführt werden kann.
Weil (quasi) ohne Intention zugeschlagen wird, wird der Gegner bereits getroffen sein, bevor er den Schlag überhaupt hat wahrnehmen können.
Bruce hielt in seinen Notizen fest, dass Anspannung und überflüssige Muskelkontraktionen generell wie eine Bremse wirken - somit Geschwindigkeit reduzieren und Kraft vergeuden.
Der Körper agiert besser, wenn man in der Lage ist „loszulassen“ statt zu forcieren.

Gruß,
Michael
Shu
Zitat:
Original von Gin Lai
Zitat:
Original von Shu


@Gin Lai: Sind das deine Worte? Wenn ja, Hut ab! Wenn nicht wär eeine Quellenangabe interessant.


Hallo Shu,

yep, sind meine Ergüsse. BIG GRIN
Dass dir der Text auszugsweise bekannt vorkommt, liegt evtl. daran, dass du ihn schon mal auf der (alten) JKD Cologne Website gelesen hast.
Da ich mich zwischenzeitlich mit einer eigenen Gruppe selbstständig gemacht habe, sind die Artikel und Übersetzungen momentan allerdings nicht online.


Es kann in der Tat gut sein ich ihn auf der alten page mal gesehen, gelesen, überflogen habe. Jedoch war mir deine Verbindung zu der Seite bzw. zu JKD Cologne nicht geläufig!

Jedenfalls toll ausgedrückt! Entspricht der Sache in ziemlich genau der Weise wie auch ich sei aufgefasst habe (wenn auch sehr viel oberflächlicher).

Zitat:
Original von Gin Lai
Non-Intention (nach Patrick Strong)
Die ursprüngliche Idee entstammt der Chi Sao Übung aus dem Wing Chun.
Im Chi Sao wird vorwärtsgerichteter Druck auf den Gegner ausgeübt. In Folge dessen schnellt immer dann, wenn der Gegner den Kontakt zur Hand abreissen lässt, oder seine Linie verändert, die Hand des Wing Chun Praktizierenden wie eine „los-flitschende“ Bambusstange nach vorne.
Dieses „Nach-vorne-Schnellen“ bedarf keiner Muskelkontraktion; vielmehr bewirkt es ein unmittelbares Lösen der Muskelanspannung. Sowie die Hand nach vorne schiesst, verlagert sich der Schwerpunkt nach vorne, was ein Ungleichgewicht und ein „Aufladen“ (Vorspannung) der Hüfte verursacht.
Bevor die grossen Muskelgruppen überhaupt kontrahieren können, ist der Gegner bereits getroffen; und dem Schlag sind Gewicht und beschleunigte Körpermasse nachgefolgt.
Analog zum Wasser, welches sich vor einem Damm aufstaut: In dem Moment, wo sich ein Riss auftut, strömt das Wasser hindurch - völlig ohne Intention. Wie Bruce zu sagen pflegte: „Nicht Du entscheidest wann Du zuschlägst - „es“ entscheidet für Dich!“
In Vorkampfstellung, wo der Kontakt zum Gegner noch nicht hergestellt ist und es keinen „Federeffekt“ gibt um die Bewegung einzuleiten, bleibt das Prinzip „zu schlagen, ohne die Intention zu schlagen“, dennoch erhalten.
Statt der gezielten Bewegungsabsicht, nutzt man nun die Schwerkraft als "Servo-Mechanismus" um die Bewegung einzuleiten.
Sich ohne Intention zu bewegen wird innerhalb der Wachsamkeitsstellung durch eine leichte Schwerpunktverlagerung nach vorne ermöglicht. Die kleinste Bewegung mit der Führhand reicht nun aus, den Schwerpunkt zu verlagern - ein Übergang den Bruce Lee Schüler Patrick Strong als „Critical Edge“ bezeichnet. Um diese „Critical Edge“ wahrzunehmen, muss man sein Körpergefühl einsetzen.
Wenn sich die Hand nach vorne bewegt, verursacht dies eine leichte Veränderung innerhalb des Schwerpunkts. Wird die Hand plötzlich nach vorne geworfen und gleichzeitig die Anspannung in den stabilisierenden Muskeln gelöst, schiesst man mit minimalem Muskelaufwand nach vorne und entwickelt mühelos enormen Schwung.
Die eigentliche Kontraktion der Muskeln wird erst stattfinden, wenn man sich bereits auf dem Weg zum Ziel befindet, wodurch der eigene Vorstoss unberechenbar, schnell und schlagtechnisch sauber durchgeführt werden kann.
Weil (quasi) ohne Intention zugeschlagen wird, wird der Gegner bereits getroffen sein, bevor er den Schlag überhaupt hat wahrnehmen können.
Bruce hielt in seinen Notizen fest, dass Anspannung und überflüssige Muskelkontraktionen generell wie eine Bremse wirken - somit Geschwindigkeit reduzieren und Kraft vergeuden.
Der Körper agiert besser, wenn man in der Lage ist „loszulassen“ statt zu forcieren.


Sehrschöner Text!

Danke dafür, mein Drucker läuft ja schon auf Hochtouren!:)

Eine Kleinigkeit verstehe ich nicht. Es ist die Rede von einem Aufladen der Hüfte. ["Sowie die Hand nach vorne schiesst, verlagert sich der Schwerpunkt nach vorne, was ein Ungleichgewicht und ein „Aufladen“ (Vorspannung) der Hüfte verursacht."]

Versteche ich das so richtig? -> Die Hand geht vor, eine Schwerpunktverlagerung folgt daraus. Die Hüfte selbst ist leicht eingedreht wie in der On-Guard. Ganz simpel: Damit ich nicht umfalle brauch ich einen Schritt. Beim Auftreffen des Schalges kommt de Schnappbewegung hinzu, aus Arm etc etc, und eben auch der Hüfte, die dann vollends eingedreht wird.
Sehr vereinfacht, das ist klar, aber ist diese Vorspannung so zu verstehen?
Gin Lai
Zitat:
Original von Shu

Versteche ich das so richtig? -> Die Hand geht vor, eine Schwerpunktverlagerung folgt daraus. Die Hüfte selbst ist leicht eingedreht wie in der On-Guard. Ganz simpel: Damit ich nicht umfalle brauch ich einen Schritt. Beim Auftreffen des Schalges kommt de Schnappbewegung hinzu, aus Arm etc etc, und eben auch der Hüfte, die dann vollends eingedreht wird.
Sehr vereinfacht, das ist klar, aber ist diese Vorspannung so zu verstehen?


Hallo Shu,

exakt!
Zugegeben, "Vorspannung" ist vielleicht ein wenig hochtrabend ausgedrückt.
Es soll halt den Effekt beschreiben, der einsetzt, wenn die Hüfte (und somit Körpermasse) zeitlich leicht versetzt der Bewegung der Hand nachfolgt, um den Schlag mit der notwendigen Körperstruktur (Rotation, Beschleunigung, Kraft) zu versehen/versorgen.
Sicher, ein (Falling-) Schritt würde die Schlagwirkung zusätzlich optimieren, ist aber - wie du weisst - je nach Distanz und Situation nicht immer durchführbar.
Ansonsten hast du die theoretische Grundlage ganz richtig verstanden, Shu!
Wobei wir beim Thema sind: Theorie ist die eine Seite; dieses und andere Prinzipien umzusetzen, ist eine ganz andere. Klein anzufangen - z.B. mit dem "Hand Moves First- Principle", welches schon schwer genug umzusetzen ist - hilft den Körper auf derartige "JKD-Hochziele" einzustimmen.
Wie immer: Übung macht den Meister!

Gruß,
Michael