Nach dem überraschenden Rücktritt von Ministerpräsident Prodi will Italiens Staatspräsident Napolitano mit den Parteispitzen über einen Ausweg aus der Regierungskrise beraten. Eine Lösung könnte ein erweitertes Bündnis sein. Denn die Koalition fürchtet eine Rückkehr von Silvio Berlusconi.
In einer dunklen Limousine ließ sich der Verlierer durchs regennasse Rom nach Hause chauffieren. Kein Interview, kein Statement für die wartenden Journalisten - Romano Prodi schlich sich wortlos in den Palazzo Chigi, nachdem er Staatspräsident Giorgio Napolitano seine Rücktritterklärung überreicht hatte.
Die Mitte-Links-Koalition, an die viele Italiener nach der Ära Berlusconi Hoffnungen geknüpft hatten, ist am Ende. Auf der Suche nach einem Ausweg aus der Regierungskrise schaut jetzt alles auf den Staatspräsidenten. Napolitano muss nach Prodis Rücktritt entscheiden, wie es in Italien weitergeht. "Der Präsident der Republik", so sein Sprecher Donato Marra, "hat sich eine Entscheidung vorbehalten und die Regierung zunächst aufgefordert, zur Abwicklung der laufenden Geschäfte im Amt zu bleiben."
Platz für weitere Koalitionspartner?
Dieses Prozedere ist üblich, wenn in Italien eine Regierung zusammenbricht. Bevor das Rücktrittsgesuch endgültig akzeptiert wird, muss eine Lösung für die Krise gefunden sein. Sofortige Neuwahlen wären eine Variante. Sie gilt im Moment aber als unwahrscheinlich. Die ersten Signale aus der gestürzten Mitte-Links-Koalition deuten darauf hin, dass sie es mit einer umgebildeten Regierung und zusätzlichen Partner noch einmal versuchen will. "Es wird jetzt eine Phase der Gespräche beginnen", sagt Fraktionschefin Marina Sereni. "Ich glaube, das gesamte Mitte-Links-Bündnis ist daran interessiert, im Senat die Basis für eine sichere Mehrheit zu schaffen. Eventuell auch dadurch, dass man das Bündnis erweitert."
In ihrer Hoffnung, neue Partner ins Boot zu holen, schaut die gescheiterte Koalition unter anderem auf die christdemokratische UDC. Sie war Teil der vor einem Jahr abgewählten Berlusconi-Koalition, ist in den vergangenen Monaten aber zunehmend auf Distanz zum Führer des rechten Lagers gegangen. Politisch verbindet die bislang regierenden Mitte-Links-Parteien und die UDC wenig. Einig sind sie allerdings darüber, dass sie eine Rückkehr Silvio Berlusconis an die Macht verhindern wollen.
Erschrocken vor der eigenen Courage
Bei den Linken herrscht nach Prodis Rücktritt lähmendes Entsetzen. Auch bei den beiden kommunistischen Parteien der gestürzten Koalition, die Prodi das Regieren in den vergangenen Monaten so schwer gemacht hatten. Bei der entscheidenden Abstimmung zur Außenpolitik gestern hatten die Parteiführer der Koalition zur Unterstützung Prodis aufgerufen, radikale Abweichler aber ließen die Regierung kippen. Zwei kommunistische Senatoren verweigerten die Gefolgschaft. Gemeinsam mit zwei Senatoren auf Lebenszeit, darunter der ehemalige Ministerpräsident Andreotti, besiegelten sie das Ende der Koalition.
Für Prodi ist es ein Déjà-vu-Erlebnis. Seine erste Regierung war vor gut acht Jahren unter ähnlichen Umständen gestürzt. Damals wie heute hatte sich der ehemalige Wirtschaftsprofessor schlicht verrechnet. Er glaubte eine Mehrheit im Parlament sicher zu haben und musste bei einer entscheidenden Abstimmung feststellen, dass auf seine Partner - vor allem die am linken Rand - kein Verlass ist.
Neuwahlen als Chance für Berlusconi
Ob das Ende der Koalition auch das endgültige Aus für Prodi bedeutet, ist zurzeit offen. Von seinen bisherigen Regierungspartnern heißt es: Wenn es die gestürzte Koalition erneut versucht, erweitert beispielsweise um einige Christdemokraten, könne der Ministerpräsident nur Romano Prodi heißen. Sein großer Kontrahent Silvio Berlusconi spielt bei den in der vergangenen Nacht hektisch entworfenen Koalitionsspielereien bislang keine Rolle. Die Chance des Medienmoguls würde bei Neuwahlen kommen. In Umfragen liegt Berlusconis Partei derzeit deutlich in Führung. Staatspräsident Napolitano beginnt seine Gespräche zur Lösung der Regierungskrise heute Vormittag.
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