Italiens Regierungschef bietet Rücktritt an

Thurgood


Der italienische Ministerpräsident Romano Prodi will nach einer Abstimmungsniederlage seiner Koalitionsregierung im Senat Staatspräsident Giorgio Napolitano seinen Rücktritt anbieten. Das kündigte Infrastrukturminister Antonio Di Pietro nach einer Krisensitzung des Kabinetts in Rom an. Der Staatspräsident kann den Rücktritt annehmen oder Prodi bitten, weiter im Amt zu bleiben.

Die Regierung hatte zuvor im Senat eine wichtige Abstimmung zur Außenpolitik verloren. Einige Parlamentarier der Mitte-links-Koalition verweigerten dem Afghanistan-Einsatz ihre Zustimmung. Ebenfalls umstritten war die geplante Vergrößerung des US-Militärstützpunkts im norditalienischen Vicenza. Die in der Regierung vertretenen Grünen und Kommunisten sehen beides kritisch.

Außenminister Massimo D'Alema hatte zuvor erklärt, die Regierung sollte im Fall einer Niederlage zurücktreten. Bei der Abstimmung handelte es sich aber nicht um ein Misstrauensvotum und war daher nicht bindend. Die Opposition forderte umgehend den Rücktritt von Ministerpräsident Prodi.

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Nach dem überraschenden Rücktritt von Ministerpräsident Prodi will Italiens Staatspräsident Napolitano mit den Parteispitzen über einen Ausweg aus der Regierungskrise beraten. Eine Lösung könnte ein erweitertes Bündnis sein. Denn die Koalition fürchtet eine Rückkehr von Silvio Berlusconi.

In einer dunklen Limousine ließ sich der Verlierer durchs regennasse Rom nach Hause chauffieren. Kein Interview, kein Statement für die wartenden Journalisten - Romano Prodi schlich sich wortlos in den Palazzo Chigi, nachdem er Staatspräsident Giorgio Napolitano seine Rücktritterklärung überreicht hatte.

Die Mitte-Links-Koalition, an die viele Italiener nach der Ära Berlusconi Hoffnungen geknüpft hatten, ist am Ende. Auf der Suche nach einem Ausweg aus der Regierungskrise schaut jetzt alles auf den Staatspräsidenten. Napolitano muss nach Prodis Rücktritt entscheiden, wie es in Italien weitergeht. "Der Präsident der Republik", so sein Sprecher Donato Marra, "hat sich eine Entscheidung vorbehalten und die Regierung zunächst aufgefordert, zur Abwicklung der laufenden Geschäfte im Amt zu bleiben."

Platz für weitere Koalitionspartner?

Dieses Prozedere ist üblich, wenn in Italien eine Regierung zusammenbricht. Bevor das Rücktrittsgesuch endgültig akzeptiert wird, muss eine Lösung für die Krise gefunden sein. Sofortige Neuwahlen wären eine Variante. Sie gilt im Moment aber als unwahrscheinlich. Die ersten Signale aus der gestürzten Mitte-Links-Koalition deuten darauf hin, dass sie es mit einer umgebildeten Regierung und zusätzlichen Partner noch einmal versuchen will. "Es wird jetzt eine Phase der Gespräche beginnen", sagt Fraktionschefin Marina Sereni. "Ich glaube, das gesamte Mitte-Links-Bündnis ist daran interessiert, im Senat die Basis für eine sichere Mehrheit zu schaffen. Eventuell auch dadurch, dass man das Bündnis erweitert."

In ihrer Hoffnung, neue Partner ins Boot zu holen, schaut die gescheiterte Koalition unter anderem auf die christdemokratische UDC. Sie war Teil der vor einem Jahr abgewählten Berlusconi-Koalition, ist in den vergangenen Monaten aber zunehmend auf Distanz zum Führer des rechten Lagers gegangen. Politisch verbindet die bislang regierenden Mitte-Links-Parteien und die UDC wenig. Einig sind sie allerdings darüber, dass sie eine Rückkehr Silvio Berlusconis an die Macht verhindern wollen.

Erschrocken vor der eigenen Courage

Bei den Linken herrscht nach Prodis Rücktritt lähmendes Entsetzen. Auch bei den beiden kommunistischen Parteien der gestürzten Koalition, die Prodi das Regieren in den vergangenen Monaten so schwer gemacht hatten. Bei der entscheidenden Abstimmung zur Außenpolitik gestern hatten die Parteiführer der Koalition zur Unterstützung Prodis aufgerufen, radikale Abweichler aber ließen die Regierung kippen. Zwei kommunistische Senatoren verweigerten die Gefolgschaft. Gemeinsam mit zwei Senatoren auf Lebenszeit, darunter der ehemalige Ministerpräsident Andreotti, besiegelten sie das Ende der Koalition.

Für Prodi ist es ein Déjà-vu-Erlebnis. Seine erste Regierung war vor gut acht Jahren unter ähnlichen Umständen gestürzt. Damals wie heute hatte sich der ehemalige Wirtschaftsprofessor schlicht verrechnet. Er glaubte eine Mehrheit im Parlament sicher zu haben und musste bei einer entscheidenden Abstimmung feststellen, dass auf seine Partner - vor allem die am linken Rand - kein Verlass ist.

Neuwahlen als Chance für Berlusconi

Ob das Ende der Koalition auch das endgültige Aus für Prodi bedeutet, ist zurzeit offen. Von seinen bisherigen Regierungspartnern heißt es: Wenn es die gestürzte Koalition erneut versucht, erweitert beispielsweise um einige Christdemokraten, könne der Ministerpräsident nur Romano Prodi heißen. Sein großer Kontrahent Silvio Berlusconi spielt bei den in der vergangenen Nacht hektisch entworfenen Koalitionsspielereien bislang keine Rolle. Die Chance des Medienmoguls würde bei Neuwahlen kommen. In Umfragen liegt Berlusconis Partei derzeit deutlich in Führung. Staatspräsident Napolitano beginnt seine Gespräche zur Lösung der Regierungskrise heute Vormittag.

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Romano Prodi soll mit seinem bisherigen Kabinett die Regierungsgeschäfte in Italien weiterführen. Staatspräsident Giorgio Napolitano lehnt den Rücktritt des Ministerpräsidenten ab. Prodi solle sich einer Vertrauensabstimmung stellen.

Rom - Napolitano forderte Prodi heute auf, sich zur Überwindung der Regierungskrise einer Vertrauensabstimmung im Parlament zu stellen. Wenn Prodi eine Mehrheit in beiden Kammern erhalte, könne er seine Mitte-Links-Koalition fortsetzen. Vermutlich wird es Mitte nächste Woche Vertrauensabstimmungen im Senat und in der Abgeordnetenkammer geben, verlautete in Rom.

Allerdings dürfte es für Prodis Koalition im Senat wieder sehr eng werden, auch wenn sie auf die Unterstützung der Senatoren auf Lebenszeit setzt. Laut Medienberichten dürfte das Mitte-Links-Lager trotz ein oder zwei Überläufer aus den ehemaligen Oppositionsreihen lediglich über 161 oder 162 Stimmen im Senat verfügen - die absolute Mehrheit liegt bei 161 Stimmen. Der Vorsitzende der Rechtspartei Nationale Allianz, Gianfranco Fini, forderte, dass Senatoren auf Lebenszeit bei der Vertrauensabstimmung nicht mitstimmen dürfen.

Auch Unterstützung aus der Opposition

Bei den Krisengesprächen mit Napolitano in den letzten Tagen hätten Spitzenvertreter aller Koalitionsparteien mit Napolitano für eine Wiederauflage der Regierung Prodi plädiert, hieß es. Dagegen lehnte Oppositionschef Silvio Berlusconi eine solche Lösung strikt ab, eine derart knappe Mehrheit genüge nicht zum Regieren. Allerdings war er inzwischen von der Forderung nach sofortigen Neuwahlen abgerückt.

Ein früherer Minister in der Regierung Berlusconis hat seine Unterstützung für Prodis Mitte-links-Koalition angekündigt. Er werde in einem Vertrauensvotum im Parlament "wahrscheinlich" für Prodi stimmen, sagte der frühere führende christdemokratische Politiker und jetzige Senator Marco Follini der Zeitung "Corriere della Sera". Zur Begründung sagte Follini, er wolle die Regierung befreien "vom Druck der Minderheiten".

Prodi war am Mittwoch zurückgetreten, nachdem er in einer wichtigen Abstimmung im Senat gescheitert war. Unter anderem ging es dabei um die weitere Stationierung der italienischen Truppen in Afghanistan. An dieser Frage war die Koalition wegen mangelnder Unterstützung der Kommunisten gescheitert.

Zur Neuauflage der Mitte-Links-Regierung stellte Prodi ein Zwölf-Punkte-Programm vor, für das er breite Unterstützung aus den Reihen der bisherigen Koalition erhalten habe. "Auf dieser Basis können wir es noch mal versuchen", sagte der amtierende Außenminister Massimo D'Alema gestern.

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