Interview mit Doppelgänger "Bruce Li"

Chrisse
Eigentlich heißt er im richtigen Leben Ho Chung-tao, und ist 1950 in Taiwan geboren. Bevor er zum Bruceploitation Schauspieler wurde, arbeitete er als Stuntman, unter dem westlichen Namen James Ho.

Hier ein Interview mit ihm:

Zitat:
Das folgende Interview wurde von Wong Lin-Gua (W) mit Ho Chung-Tao (H) geführt:

W: Wann und wo wurden sie geboren?

H: Ich wurde 1950 in einer ländlichen Gegend Taiwans geboren.

W: Wie lebten sie, bevor sie zum Film kamen?

H: Bis zur High School verschlang ich diese altertümlichen Kampfkunst-Novellen und war ein grosser Fan der alten Kampfkunstfilme. Gleichzeitig mochte ich auch die Filme mit James Bond und ganz besonders „Our Man Flint“ (in Deutschland: „Derek Flint schickt seine Leiche“) mit James Coburn. Ich bewunderte Coburn für seine Coolness, seine Ruhe und seine Bildschirmpräsenz.

W: Wie war ihr erster Kontakt zu den Kampfkünsten?

H: In der Schule hatte die Gelegenheit, viele verschiedene Kampfkünste auszuprobieren. Ich nahm beim Judo, Tae Kwon Do, Boxen und ein wenig beim Shaolin Bak Hok teil. Dies führte dazu, dass ich später Wing Chun und Karate lernte. Wenn ich zurückdenke, war aber jede der Kampfkünste eine grossartige Erfahrung.

W: Wie kamen sie zum Film?

H: 1970 trat ich einer Sporthochschule bei, Hauptfach Gymnastik, und zur gleichen Zeit schrieb ich mich in die Schule der „Taiwan Movie Association“ ein. Hier lernte ich erstmals die verschiedenen Aspekte der Filmproduktion kennen. Mein Schauspiellehrer Joseph Kwok unterstützte mich bei meinen ersten Schritten ins Filmgeschäft.

W: Wurden ihnen sofort gute Rollen angeboten?

H: Anfangs musste ich meine Fähigkeiten als Stuntman unter Beweis stellen. Man konnte nichts ablehnen, da bereits ein Anderer nur darauf wartete, deinen Platz einzunehmen. Was meine Filmkarriere betrifft, war dies meine schwerste Zeit.

W: Wann wurde aus dem Stuntman ein Star?

H: Als Bruce Lee 1973 starb. Er hinterliess eine Lücke in den Kinos, welche die Filmproduzenten schliessen wollten. Ein befreundeter Martial-Arts Choreograph erzählte den Produzenten davon. Und er sagte: „Hier, sehen sie, Ho Chung Tao’s Profil sieht aus wie das Profil von Bruce Lee!“. Die Produzenten antworteten: „Die Ähnlichkeit ist nicht übel.“. Danach erklärt ihnen mein Freund, dass ich zwar kämpfen und schauspielern kann, aber noch etwas Filmerfahrung brauche. Daraufhin wurde mir von ihnen gesagt, dass ich mir keine Sorgen machen soll und die Hauptrolle in ihrem nächsten Film spielen werde. Dieser Film hiess „Conspiracy“ und spielte in den 1920er Jahren.

W: Wann tauschten die Produzenten ihren echten Namen gegen die geldbringenden Namen „Bruce Li“ oder „Li Hsiao Lung“ ein?

H: Bei meinem zweiten Film, ein Film, der sich um das Leben von Bruce Lee drehte. Wie auch immer, ich mochte diese Filme nicht. Ohne mein Wissen und Zustimmung änderten die Produzenten meinen Namen in „Li Hsiao-Lung“.

W: Das war der Augenblick, als sie eine Auszeit nahmen?

H: Ja, genau. Ich ging für ein paar Jahre zur Armee. Nachdem ich meine Pflichten erfüllte, kam ich zurück zum Film. Die Produzenten arbeiteten immer noch an Biografien von Lee.

W: Sie haben mit einigen Legenden des Genres gearbeitet. Erinnern sie sich an den Film, den sie mit Lung Fei drehten?

H: Das war “Bruce Lee Against Superman”, ein ziemlich durchschnittlicher Film. Die Kampfchoreografie hätte besser sein können.

W: Sie drehten einige Film mit dem Produzenten Jimmy Shaw. Waren sie mit den Ergebnissen zufrieden?

H: Ich drehte diese Filme für Jimmy Shaw 1975. Am meisten mochte ich „Fist Of Fury 2“, wo ich den jüngeren Bruder von Bruce Lee spielte.

W: Wer gab ihnen eigentlich das Pseudonym Bruce Li?

H: Das war Jimmy Shaw, der mich unter dem englischen Namen Bruce Li vermarktete. Ich war strikt dagegen. Auch wenn ich ihn darstellen konnte, so konnte ich doch nie Bruce Lee sein. Ständig sagte ich zu meinen Produzenten, dass Bruce Lee mein Vorbild ist. Dass ich ihn mag und vergöttere, und sie mich bitte aus dem Lee-Ographic Humbug heraushalten sollten.

W: Welche Meinung haben sie von diesen Filmen mit Lee-Doppelgänger, die weltweit gezeigt wurden?

H: Ich wurde müde von diesen biografischen Konzepten. Ich sollte Bruce spielen, oder seinen Bruder, seinen Onkel. Also eigentlich jeden, der irgendwie mit ihm hätte verwandt sein können. Lee hat den Status eines Kriegsgottes. Wir sollten sein Andenken nicht in den Schmutz ziehen, denn er präsentiert das Wesentliche der Kampfkünste.

W: Welche Richtung schlug ihre Karriere nach den Produktionen von Jimmy Shaw ein?

H: 1976 kam ich nach Hong Kong und unterschrieb einen Vertrag mit Eternal Films. Unser erstes gemeinsames Projekt war “Bruce Lee- The Man, The Myth“. Der Film wurde an vielen Orten, wie in Hong Kong, USA, Korea und Rom gedreht. Von der Action war ich nicht begeistert und das Bild von Lee wurde nicht so gezeigt, wie es hätte sein können. Nach den Dreharbeiten entschloss ich mich, mein Schauspiel zu ändern und mich anderen Drehbüchern zuzuwenden. Das konnte man in meinen nächsten Film mit Eternal sehen. Der Film hiess „Dynamo“ und ich war mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

W. Erinnern sie sich noch an das Casting von Golden Harvest’s “Game Of Death“?

H: Golden Harvest kam auf mich zu, weil ich eine Rolle in dem –bis dahin nicht fertiggestellten- “Game Of Death” spielen sollte. Ich lehnte das Angebot ab. Sie wollten drei Schauspieler vermischen, um die Rolle von Bruce zu übernehmen. Dieses Konzept gefiel mir überhaupt nicht.

W: Warum brauchte man drei Schauspieler dafür?

H: Man wollte die Attribute verschiedener Darsteller vereinen. Ein Schauspieler aus Hong Kong sollte das Gesicht liefern, ein Koreaner war für die hohen Tritte zuständig und keine Ahnung, was ich dort tun sollte.

W: Warum haben sie die Rolle nicht angenommen?

H: Ich sagte Harvest, dass ich nur mitspiele, wenn ich Bruce spielen darf. Dafür hätte ich alle aktuellen Verpflichtungen aufgegeben und hätte das Beste für das Andenken an Bruce Lee getan.

W: In wie vielen Filme spielten sie mit und welche mochten sie besonders?

H: Ich machte um die 30 Filme. Drei davon heben sich hervor. Zunächst ist es „Dynamo“, ein guter Film um meine kämpferischen Schauspieltalente zu zeigen. Und ich mochte das einfache, aber subtile Drehbuch des Films. Ein weiterer Favorit ist „Fist Of Fury 2“. Ich mochte die Stimmung und die Optik des Films. Mein Lieblingsfilm ist jedoch „Chinese Stuntman“. Er gab mir die Gelegenheit, einen Film zu produzieren, Regie zu führen und die Hauptrolle zu spielen. Ich hatte ein ehrgeiziges Team dabei, angefangen mit dem Kameramann Peng Kang, über Phillip Ko, Kung Fu John (John Ladalski) und Dan Inosanto, um einen guten Actionfilm zu machen.

W: Spielten sie je in einem traditionellen Kung-Fu Film (Kostümfilm) mit?

H: Ja, in “Ming Patriots”. Ich hasste es, diesen Film zu drehen, weil ich an die Ansichtsweisen des Regisseur gebunden war. Aber es war ein altertümlicher Kung-Fu Film, mit all den langen Roben, den langen Haare und den klassischen Waffen.

W: 1985 zogen sie sich aus dem Filmgeschäft zurück. Üben sie trotzdem noch die Kampfkünste aus?

H: Ich bin immer noch aktiv, was die Kampfkünste betrifft. Ich unterrichte auch noch Schüler in den Grundlagen der TV- und Filmproduktion.

W: Würde man ihnen unbegrenzt finanzielle Mittel und freie Hand geben, welchen Film würden sie drehen?

H: Ich würde gerne die wahren Aspekte des chinesischen Kung-Fu darstellen. In meiner Rolle würde ich einen Kerl spielen, der ins Showgeschäft kommt, und danach wieder einen bescheideneren Lebensweg einschlägt. Also in etwa wie es meine Rolle in “Dynamo” war.

W: Wie möchten sie in Erinnerung bleiben?

H: Als Ho Chung-Tao oder James Ho. Ich möchte nicht als Bruce Li oder Li Hsiao Lung in Erinnerung bleiben, denn das haben die Produzenten nur für die Vermarktung erfunden. Ich möchte ich bleiben.


http://www.cinemasia.de/index.php?option...id=369&Itemid=1



Ich finde den voll ok. Er sagt selbst, es war die Industrie die ihn als "Bruce Li" und "Li Hsiao Lung" verkaufte, er selbst will als Ho Chung-tao oder James Ho in Erinnerung bleiben, auf keinen Fall als Bruce Li oder Li Hsiao Lung.


PS: Nehme an die meisten wissen´s, aber Bruce Lees Spitzname war Lee Siu Long (kleiner Drache Lee). Die Industrie gab "Bruce Li" den Spitznamen Li Hsiao Lung, was sich so ähnlich anhört. ZWINKER
Gin Lai
Zitat:
Original von Chrisse


PS: Nehme an die meisten wissen´s, aber Bruce Lees Spitzname war Lee Siu Long (kleiner Drache Lee). Die Industrie gab "Bruce Li" den Spitznamen Li Hsiao Lung, was sich so ähnlich anhört. ZWINKER


Hi Chrisse,

beide Begriffe sind richtig und bedeuten dasselbe, nämlich: "Kleiner Drache Lee".
"Lee Siu Loong" (übrigens mit Doppel-O) ist die kantonesische; "Li Hsiao Lung" die mandarin´sche Schreibweise.

So, genug kluggeschissen für heute.... WEGSCHMEISS

Gruß,
Michael
Chrisse
Ne, is doch gut so. ZWINKER

Dachte die Namen hätten ne andere Bedeutung. Naja, da Bruce ja in Hongkong aufwuchs ist die kantonesische Version richtig, also Lee Siu Loong. Sein kantonesischer Geburtsname ist ja Lee Jun-fan, mandarin Lee Yuen Kam.

Aber die sagen alle Lee Jun-fan oder Lee Siu Loong, eben weil das die kantonesischen Versionen sind.

Wong Fei-hung wird von allen auch so geschrieben, sprich von der Gegend aus der er kam abhängig.

Huo Yuan-jia wird auch so gut wie immer so geschrieben bzw. gesprochen. Die kantonesische Version ist Fok Yuen-gap, aber das sagt kaum einer.

Mandarin ist ja das sog. "hochchinesisch", kantonesisch eher ein Dialekt, der aber ausschließlich im Raum Hongkong benutzt wird.

So, jetzt hab ich auch genügend. WEGSCHMEISS ZWINKERLACH