Öffentlicher Dienst: Zehntausende wollen Arbeitgeber in die Knie zwingen

Thurgood
Seit Tagen erhöhen die Gewerkschaften mit Warnstreiks den Druck auf die Arbeitgeber im öffentlichen Dienst - heute nun gehen die Tarifverhandlungen in die fünfte und möglicherweise entscheidende Runde. Eine Annäherung ist jedoch nicht in Sicht, die Fronten sind verhärtet.

Ver.di- Verhandlundlungsführer Achim Meerkamp sieht nur geringe Chancen für eine Einigung mit Bund und Kommunen. Der "Rheinischen Post" sagte er: "Ich habe kein gutes Gefühl, dass wir zu einer Einigung kommen." Zugleich warnte er die Arbeitgeber, mit unveränderten Positionen in die Verhandlungen zu gehen. Die Gewerkschaften seien dazu bereit, ihren Forderungen mit flächendeckenden und unbefristeten Streiks Nachdruck zu verleihen.

Kein neues Angebot

Gestern hatte eine Sprecherin von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble ein neues Angebot ausgeschlossen. Man erwarte, dass die Gewerkschaften ernsthaft über das vorliegende Angebot verhandelten. Ver.di-Chef Frank Bsirske bezeichnete das bisherige Angebot als "provokativ, frech und schamlos". Die Arbeitgeber bieten fünf Prozent mehr Lohn bei Arbeitszeitverlängerung, ver.di verlangt acht Prozent.

e Verhandlungen in Potsdam werden von neuen Warnstreiks in Süddeutschland begleitet. Am frühen Morgen legten viele Beschäftigte in Hessen, Bayern, Baden-Württemberg und im Saarland die Arbeit nieder. Allein in Baden-Württemberg wollen nach Gewerkschaftsangaben 20.000 Menschen ihre Arbeit unterbrechen. Davon sollen Verwaltungen, Kindertagesstätten, Nahverkehrsbetriebe, Kliniken und die Müllabfuhr betroffen sein. Im Saarland sind neben dem öffentlichen Nahverkehr auch die Beschäftigen von Krankenhäusern zu Warnstreiks aufgerufen, in Bayern die Mitarbeiter der Verwaltung.

Gestern hatten bundesweit bereits 100.000 Gewerkschafter vorübergehend die Arbeit niedergelegt. Hunderte Flüge fielen aus, Zehntausende Passagiere mussten umbuchen oder andere Verkehrsmittel nutzen. Allein die Lufthansa strich rund 300 ihrer 1200 Inlandsflüge. Die Aktionen an den Flughäfen wurden gegen Mittag beendet, hatten aber auch danach noch Verspätungen zur Folge.

In Berlin fährt keine U-Bahn mehr

In Berlin, wo separate Tarifverhandlungen geführt werden, traten die Beschäftigten der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) in einen unbefristeten Streik. U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen fuhren nicht, nur ein Notbetrieb wurde aufrecht erhalten. Die Gewerkschaft fordert acht bis zwölf Prozent mehr Geld für die Beschäftigten der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und ihrer Tochter Berlin Transport. Das Arbeitgeber-Angebot sieht eine stufenweise Erhöhung des Gehalts um sechs Prozent bis 2010 vor.

tagesschau.de
u4u|Wizz
Pforzheim steht heute auch still.

Irgendwie macht mir die Entwicklung Angst. Erst GDL, jetzt ver.di.

Ich finde man hat vor langer Zeit einen großen Fehler begangen. Als die Gewerkschaften geschaffen wurde und man die Wahl hatte zwischen Beteiligung oder Mitsprache, hätte man sich für Beteiligung entscheiden sollen.

Aber andererseits verstehe ich auch etwas die Mitarbeiter, die mehr Lohn fordern. Wenn das Unternehmen höhere Gewinne erzielt und die Manager sich die Taschen vollstopfen, ja selbst die Politiker ihre Diäten aufgrund "Nachholbedarfs" erhöhen, dann ist es doch das Normalste der Welt, dass die, die ihre Hände für den gesteigerten Reichtum der Reichen dreckig machen, auch mehr wollen.

Ich finde die ganze Entwicklung scheiße.

Für mich als Normalbürger ist es ohnehin scheiße. Ich bin auf die Bahn angewiesen um zu Shootings zu kommen ebenso auf die Fluggesellschaften. Wenn ich wochenlang ein teures Shooting plane und dann komm ich nicht zum Flughafen oder mein Flieger geht nicht, dann bin ich der Gearschte.
Thurgood
Potsdam (Reuters) - Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat sich skeptisch zu den Erfolgsaussichten der Schlichtung im Tarifstreit des öffentlichen Dienestes geäußert.

Bei einem Scheitern könne er eine Urabstimmung für einen Streik nicht ausschließen, sagte Verdi-Chef Frank Bsirske am Freitag in Potsdam. Streiks könne es dann ab April geben.

Die Tarifverhandlungen für die 1,3 Millionen Bediensteten von Bund und Kommunen waren am Morgen gescheitert. Ab Mitte März soll in einer Schlichtung eine Lösung des Tarifkonflikts versucht werden.

reuters.de