[Feature] u4u.Geschichtsstunde: Es war einmal...

u4u|Gunner
Liebe Gemeinde, liebe u4u.Jünger,

da ich mein ganzes Leben lang schon immer ein sehr wissbegieriger Mensch war und schon in Kindesalter sehr vernarrt darauf war soviel wie möglich zu kennen und wissen und weitestgehend alles richtig zu machen, schmerzt es mich immer mehr mit ansehen zu müssen, dass der Werteverfall unserer heutigen Gesellschaft sich im Niedergang unserer Jugend zeigt.

Darum lasst uns für diese jungen Menschen beten und lasst uns ihnen jeden Tag ein Stück lehren, auf dass sie es in sich behalten und eines Tages ihren Sprösslingen weitergeben werden.

Fortan werden alle jungen Geister unserer u4u.Gemeinde hier jeden Tag, soweit es mir die Zeit zulässt, einen kleinen Beitrag lesen können, was unsere Weltgeschichte betrifft.

Das ist ein kleiner Schritt von mir, aber ein großer Schritt für den Nachwuchs....
u4u|Gunner
Schengener Abkommen




Fuß vom Gaspedal, sich in die Autoschlange einreihen, Pass vorzeigen, Kofferraum öffnen. Diese Zeiten sind für Reisende in Europa vorbei - zumindest an den meisten Binnengrenzen der Europäischen Union. In Schengen, einem kleinen luxemburgischen Weinort, unterzeichneten 1985 Deutschland, Frankreich und die Beneluxländer das gleichnamige Abkommen, das unproblematisches und zügiges Reisen garantieren sollte.

Doch es sollten zehn Jahre vergehen, bevor das Schengener Abkommen am 26. März 1995 in Kraft treten und nach und nach die Schlagbäume zwischen diesen damals neun Mitgliedsstaaten fallen konnten. Was für viele zur Gewohnheit geworden ist, war 1995 ein weiterer Meilenstein für das zusammenwachsende Europa.

Reisen ohne Schranken

Wer sich innerhalb der Schengen-Länder bewegt, kann dies ohne Einschränkung und ohne Kontrollen tun. Reist er aber aus einem Drittstaat ein, das dem Schengener Abkommen nicht angehört, muss er weiterhin seinen Ausweis zücken.

An Häfen und Flughäfen werden Reisende aus dem Schengen-Raum wie Inlandspassagiere behandelt und nicht mehr nach ihrem Ausweis gefragt. Vor allem für die Flughäfen eine organisatorische Herausforderung.

Die Kehrseite der Medaille

Die Kehrseite der Schengen-Medaille: Freie Fahrt für Bürger heißt auch freie Fahrt für Kriminelle. Deshalb wurde in Straßburg SIS aufgebaut, das nicht unumstrittene Schengen-Informationssystem, in dem die polizeilichen Fahndungsdaten aus allen Mitgliedsstaaten des Abkommens eingespeist sind.

Bevor beispielsweise ein Konsulat ein Schengen-Visum erteilt, muss es im SIS überprüfen, ob der Antragsteller in eines der Länder nicht einreisen darf, was dann natürlich für alle anderen Schengen-Länder gilt. Denn die gemeinsame Visa-Politik besagt: wird für einen Schengen-Staat ein Visum ausgestellt oder verweigert, ist dies automatisch für alle Schengen-Länder gültig.

In diesem Sinne wurde auch die Asylpolitik in der EU vereinheitlicht. Das Schengener Abkommen beschere den einen offene Grenzen in Europa, den anderen jedoch geschlossene Grenzschranken, meinen Kritiker und warnen vor einer Festung Europa.


Außerdem am 26.März:


26.3.1949: Patrick Süskind wird geboren

Deutscher Schriftsteller. Seinen ersten Erfolg verbuchte Süskind mit "Der Kontrabass" 1981. Das Ein-Personen-Stück über den Monolog eines Musikers avancierte mit mehr als 500 Aufführungen in über 20 verschiedenen Inszenierungen zum meistgespielten deutschsprachigen Werk der Theatersaison 1984/85. Süskinds 1985 veröffentlichter Debütroman "Das Parfum" wurde ein Welterfolg. Von dem Werk, das in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde, konnten allein im Erscheinungsjahr über 400.00 Exemplare verkauft werden. Süskind arbeitet neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit auch für das Fernsehen. Er schrieb unter anderem die erfolgreichen TV-Serien "Kir Royal" und "Monaco Franze". Mit dem Regisseur Helmut Dietl zeichnete er zudem für das Drehbuch des Kinofilms "Rossini" verantwortlich.


26.3.1911: Tennessee Williams (†25.2.1983)

Eigentlich Thomas Lanier Williams, US-amerikanischer Dramatiker. Williams schrieb nach Beendigung des Studiums Theaterstücke und versuchte sich in verschiedenen Jobs. Den großen Durchbruch brachte ihm die Veröffentlichung der "Glasmenagerie" 1944. Für seine Studie des psychologischen Verfalls "Endstation Sehnsucht" aus dem Jahr 1947 erhielt er den Pulitzer Preis. Williams wahrscheinlich populärstes Stück ist das 1955 erschienene Werk "Die Katze auf dem heißen Blechdach". Die Geschichte einer wohlhabenden Südstaatenfamilie gewann den Pulitzer Preis und wurde mit Elizabeth Taylor und Paul Newman in den Hauptrollen erfolgreich verfilmt. Neben Eugene O'Neill, Sam Shepard und David Mamet gilt Williams als einer der wichtigsten modernen US-Dramatiker.

Zitat des Tages:
Jede Dummheit findet einen, der sie macht. (Tennessee Williams)
u4u|Gunner
"Jumbo"-Katastrophe auf Teneriffa

27. März 1977



10.20 Uhr auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol. Eine Boeing 747 der niederländischen Luftfahrtgesellschaft KLM startet mit 235 Passagieren und 14 Besatzungsmitgliedern in Richtung Gran Canaria. Kapitän des Fluges ist der 51-jährige Veldhuizen Van Zanten, ein erfahrener Pilot.

Während des über vierstündigen Fluges erhält er eine wichtige Mitteilung vom Flughafen Gando auf Gran Canaria. Ein Bombenanschlag hat sich im Terminalgebäude ereignet, alle Flüge werden bis auf weiteres auf die Nachbarinsel Teneriffa umgeleitet. Am Nachmittag landet die KLM-Maschine wohlbehalten auf dem Flughafen Los Rodeos auf Teneriffa.

Nur wenige hundert Meter entfernt von der KLM wird die Maschine von Kapitän Grubb aufgetankt. 378 Passagieren und 16 Besatzungsmitglieder sind an Bord der US-amerikanischen PanAm - Maschine. Die 747 kommt aus Los Angeles und wurde auch auf Teneriffa umgeleitet. Die Lage auf dem Flughafen Gando auf Gran Canaria hat sich nach dem Bombenanschlag schnell beruhigt, die umgeleiteten Maschinen können nun ihr Ziel anfliegen.

Kapitän Veldhuizen lenkt seine 747 zum südöstlich gelegenen Startbahnkopf. Der Flughafen Los Rodeos ist nicht für Jumbo-Jets ausgelegt. Der Rollweg, der parallel zur Startbahn verläuft, ist in manchen Abschnitten zu schmal für die 747, deswegen wird die KLM vom Tower auf die Start- und Landebahn dirigiert.

Als der niederländische Jumbo den Startbahnkopf erreicht, wendet er und meldet seine Startbereitschaft dem Kontrollturm. In die abendliche Dämmerung, es ist ungefähr 18.00 Uhr, hat sich ein dichter Nebel gelegt. Kapitän Veldhuizen Van Zanten hat nur wenige Meter Sicht. Wo sich der Tower befindet, kann er nur ahnen. Deswegen sieht er auch nicht, dass sich die Pam Am von Kapitän Grubb mit behäbigem Tempo auf der Start- und Landebahn nähert. Die beiden Maschinen sind nun keine zwei Kilometer voneinander entfernt.

Kapitän Veldhuizen bekommt vom Tower die Mitteilung: "Warten sie! Ich werde sie dann zum Start aufrufen." Gehört hat man das scheinbar auch im Pan Am Cockpit. Beide Maschinen und der Kontrollturm funken auf der gleichen Frequenz. Ob indes im KLM-Cockpit der Funkspruch des Towers richtig aufgefasst wird, ist fraglich.

Die spanischen Fluglotsen stehen in Verruf, sich nur mangelhaft in englischer Sprache verständigen zu können, außerdem gelten ihre Funksprechanlagen als veraltet. Zusätzlich stehen die Lotsen wegen des ungewöhnlich hohen Flugverkehrs an diesem Tag unter besonderem Stress. Kapitän Veldhuizen versteht offenbar die Aufforderung "Warten sie! Ich werde sie dann zum Start aufrufen" als Starterlaubnis und funkt dem Tower die kryptische Miteilung: "Roger - Rolling!"

Der KLM-Jumbo beschleunigt nun auf der nebelverhangenen Startbahn, auf der sich noch immer die PanAm - Maschine befindet. Der warnende Ruf von Kapitän Grubb bleibt ungehört: "Stop, wir sind noch auf der Startbahn!" Er ist in diesem Moment der einzige, der die sich anbahnende Katastrophe zu ahnen scheint.

Die KLM naht mit großen Schritten. Grubb versucht die vier Turbinen seiner Boeing hochzufahren, um den Abrollweg zu erreichen. Er merkt aber, dass ihm die Zeit nicht reicht und entscheidet sich, auf die Wiese zu steuern. Die PanAm dreht ab. In diesem Moment rast die 747 der KLM mit ungefähr 250 Stundenkilometer in die Seite der US-amerikanischen Boeing. Der niederländische Jumbo wird von dem Flügel des anderen regelrecht aufgeschlitzt und fängt sofort Feuer. Die PanAm wird durch den Aufprall in Stücke gerissen.

"Der Pilot wollte gerade eine Kurve fahren. Plötzlich gab es einen starken Stoß. Alles begann zu explodieren und zusammenzubrechen. Innerhalb von fünf Minuten war das ganze Flugzeug zu Asche zusammengesunken" berichtet später einer der wenigen Überlebenden.

Die Startbahn von Los Rodeos verwandelt sich in ein Flammeninferno. Dazwischen schreiende Passagiere, teilweise mit brennenden und zerfetzten Kleidern. Die Behörden des Flughafens leiten die Rettungsmaßnahmen ein. Über die örtlichen Radiostationen werden Aufrufe an alle Ärzte und Krankenschwestern der Insel gesendet.

Auf der Zufahrt des Flughafens kommt es zum Verkehrschaos, da Verletzte mit Taxis und Privatfahrzeugen zu den Krankenhäusern gebracht werden. Die Feuerwehr kämpft gegen das Inferno. Erst nach neun Stunden wird sie der Flammen Herr. Die erschütternde Bilanz der Jumbo-Katastrophe auf Teneriffa: 583 Tote, wobei keiner der KLM-Passagiere überlebte.

Über die genauen Ursachen der Katastrophe herrscht bei Experten bis heute Unstimmigkeit. Aus dem Abschlussbericht geht lediglich hervor, dass Kommunikationsprobleme und ein Pilotenfehler zur größten Flugzeugkatastrophe der zivilen Luftfahrt führten.

Autor: Oliver Ramme für kalenderblatt.de



Außerdem am 27.März:

27.3.1963: Quentin Tarantino wird geboren

US-amerikanischer Filmregisseur, Produzent und Drehbuchautor. Quentin Tarantino schrieb 1987 sein erstes Drehbuch. Da ihm zunächst die finanziellen Mittel fehlten, es selbst zu verfilmen, verkaufte er es ebenso wie das Skript zu "Natural Born Killers", das 1994 von Oliver Stone bearbeitet wurde. 1992 drehte er mit "Reservoir Dogs" seinen ersten eigenen Film. Mit "Pulp Fiction" gelang ihm dann der große Durchbruch: Tarantino erhielt 1994 in Cannes die Goldene Palme und den Oscar für das beste Drehbuch. Seit diesem Film gilt er als Kultregisseur. Als Schauspieler sah man ihn 1995 in "Desperado" und "From Dust till Dawn". 1997 drehte er "Jackie Brown".

27.3.1993: Bombenanschlag der RAF

Mitglieder eines RAF-Kommandos überwanden in der Nacht vom 26. auf den 27. März die sechseinhalb Meter hohe Mauer der gerade fertig gestellten, 250 Millionen Mark teuren Justizvollzugsanstalt Weiterstadt in Hessen. Sie überwältigten den Wachmann sowie zehn weitere Personen und sperrten sie in einen Lieferwagen. Gegen 5.10 Uhr morgens erschütterten fünf Explosionen die Luft: 200 Kilogramm Sprengstoff verwandelten die JVA in einen Trümmerhaufen. Es entstand ein Sachschaden von 100 Millionen Mark. Zu dem Anschlag bekannte sich ein "Kommando Katharina Hammerschmidt". Der Anschlag wurde als Signal gewertet, dass die RAF den vom damaligen Bundesjustizminister Klaus Kinkel im Januar 1992 angebotenen Dialog mit dem Staat verweigern wollte.

Zitat des Tages:
Wer die Vergangenheit nicht kennt, wird die Zukunft nicht in den Griff bekommen. (Golo Mann)
u4u|Gunner
Nachtrag für 28.März

28.3.1849: Deutsche Reichsverfassung



Das kommt nicht oft vor: einem König wird die erbliche Kaiserwürde angeboten, und er lehnt ab. So geschehen im Frühjahr 1849. Der Grund, warum der preußische König Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone des Deutschen Reichs nicht annehmen wollte, war keinesfalls Bescheidenheit - im Gegenteil, Friedrich Wilhelm IV. sagte damals: "Ich will weder der Fürsten Zustimmung zu der Wahl noch die Krone. Diese sogenannte Krone ist aber schon an sich keine Krone sondern ein Hundehalsband. Sie trägt den Ludergeruch der Revolution von 1848, der albernsten, dümmsten, schlechtesten dieses Jahrhunderts. Einen solchen imaginären Reif, aus Dreck und Letten gebacken, soll ein legitimer König von Gottes Gnaden und gar der König von Preußen sich geben lassen?"

Einberufung einer Nationalversammlung

Die Ablehnung der Kaiserkrone bedeutete das Ende für die erste deutsche Verfassung vom 28. März 1849. Dabei war es Friedrich Wilhelm selbst gewesen, der im März 1848 für Preußen eine verfassungsgebende Versammlung einberufen hatte. Aber das war eben im März 1848, da stand das Volk draußen vor der Tür, auf dem Schlossplatz und auf den Barrikaden in den Straßen von Berlin. Und Friedrich hatte Angst, genau wie die anderen Fürsten. Angst, die demokratische Bewegung, die von Frankreich rübergeschwappt war, könnte sich ausweiten zur Revolution, könnte am Ende die Fürsten von ihren Thronen fegen. Damit es nicht soweit komme, machte man Zugeständnisse, wie eben die Einberufung einer Nationalversammlung auch für das Reich.

Der Dichter Georg Herwegh spottete über die Nationalversammlung, die seit Mai 1848 in Frankfurt in der Paulskirche tagte. Die Parlamentarier - die meisten von ihnen Professoren und Juristen- standen vor keiner leichten Aufgabe. Es gab zwei Kernpunkte der neuen Verfassung: nationale Einheit und demokratische Reform. Beides griff erheblich in alte Rechte der Monarchen ein.

Paulskirchenverfassung

Im Dezember 1848 veröffentlichte die Nationalversammlung einen Grundrechtskatalog, der bürgerliche Rechte wie die Presse- und Versammlungsfreiheit festlegte und die alten Adelsprivilegien abschaffte. Damit schuf man eine Basis, auf der auch spätere Verfassungen aufbauten. Bei der 150-Jahr-Feier des Paulskirchenparlaments erinnerte der damalige Bundespräsident Roman Herzog an diese Verdienste: "Die Paulskirchenverfassung war nicht nur eines der fortschrittlichsten Verfassungsdokumente ihrer Zeit, sie wurde auch zur Urahnin aller nachfolgenden deutschen Verfassungen. Ganz bewusst knüpfte der Parlamentarische Rat 100 Jahre später an den Grundrechtskatalog der Paulskirche an und übernahm vieles daraus, zum Teil sogar wörtlich."

In der Frage der nationalen Einheit entschied man sich für die sogenannte kleindeutsche Lösung, d.h. eine Einigung der deutschen Länder jedoch ohne die Einbeziehung Österreichs. An der Spitze des neuen Reichs sollte ein erbliches Kaisertum stehen, daneben ein demokratisch gewählter Reichstag - jedoch mit stark beschränkten Kompetenzen.

Verfassung gescheitert

Am 28. März 1849 wurde die deutsche Reichsverfassung verabschiedet. Die Nationalversammlung wählte den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. zum deutschen Kaiser. Als dieser die Krone mit dem "Ludergeruch der Revolution" ablehnt, ist die gerade verabschiedete Verfassung gescheitert. Im Juni 1849 wird das verbleibende Rumpfparlament durch das Militär gesprengt, die Grundrechte aufgehoben, Volksaufstände in Berlin, am Rhein, in Baden und der Pfalz niedergeschlagen, getreu dem Motto des preußischen Königs: 'Gegen Demokraten helfen nur Soldaten.'

Autorin: Rachel Gessat für kalenderblatt.de


Außerdem am 28.März:


28.3.1897: Sepp Herberger (†28.4.1977)

Deutscher Fußballtrainer. Joseph "Sepp" Herberger wurde in Mannheim geboren. Er entstammte einer Arbeiterfamilie und schlug sich als Hilfsarbeiter durch. Seit 1914 spielte er für den Verein seiner Heimatstadt, den Sportverein Waldhof-Mannheim. Ab 1927 spielte Herberger in Berlin bei Hertha BSC und besuchte abends die Sporthochschule. Nach dem Olympia-Misserfolg der deutschen Mannschaft 1936 löste Herberger den damaligen Reichstrainer Dr. Otto Nerz ab. Herberger verzichtete auf rigide Kontrolle und ließ die Spielerpersönlichkeiten zur Geltung kommen. Nach dem Krieg arbeitete Herberger an der Sporthochschule in Köln und wurde 1949 erneut Nationaltrainer. Der legendäre Sieg der deutschen Fußballmannschaft bei der Weltmeisterschaft 1954 machte Herberger zum Fußball-Helden.


28.3.1930: Aus Konstantinopel wird Istanbul

Die türkische Metropole am Bosporus erhielt einen neuen Namen: Konstantinopel wurde in Istanbul umbenannt. Eine Stadt mit langer Geschichte: die Griechen gründeten sie um 660 v. Chr., damals Byzanz genannt. Der römische Kaiser Konstantin I. der Große begründete die Stadt dann um 325 als neue Hauptstadt des Oströmischen Reichs. Nach seinem Tode, zu seinen Ehren, wurde Byzanz um 330 in Konstantinopel umbenannt. So hieß die Stadt, die nach dem Vorbild Roms auf sieben Hügeln gebaut wurde bis zur Umbenennung in Istanbul 1930.

Zitat des Tages:
Der Ball ist rund. ("Sepp" Herberger)
u4u|Gunner
29.3.1912

Scott-Expedition endet tragisch





"Seit dem 21. hat es unaufhörlich aus West-Südwest und Südwest gestürmt. Wir hatten am 20. noch Brennstoff, um jedem zwei Tassen Tee zuzubereiten und trockene Kost auf zwei Tage. Jeden Tag waren wir bereit, nach unserem nur noch 20 Kilometer entfernten Depot zu marschieren, aber draußen vor der Zelttür ist die ganze Landschaft ein durcheinanderwirbelndes Schneegestöber. Ich glaube nicht, dass wir jetzt irgendwie auf Besserung hoffen können. Aber wir werden bis zum Ende aushalten; freilich werden wir schwächer und der Tod kann nicht mehr fern sein. Es ist ein Jammer, aber ich glaube nicht, dass ich noch weiter schreiben kann."

Es war eine große menschliche Tragödie, die sich am 29. März des Jahres 1912 in der Antarktis abspielte. Der Verfasser dieser Zeilen, der Brite Robert Falcon Scott starb gemeinsam mit zwei Mitgliedern seiner Expeditionsmannschaft in einem kleinen Zelt inmitten einer unwirtlichen Eiswüste. Nur noch einen weiteren Satz schrieb er mit erfrorenen Fingern in sein Tagebuch, das man später fand: "Um Gottes Willen - sorgt für unsere Hinterbliebenen!"

Scott starb rund zwei Monate nachdem er den Südpol erreicht hatte, im Schneesturm und auf dem Rückweg von einer Expedition, die ihm eigentlich Anerkennung und Ruhm bringen sollte. Eine erste Tragödie hatte sich schon an jenem 16. Januar ereignet, als die - damals noch fünf Männer - den südlichsten Punkt der Erde erreicht hatten. Im Tagebuch notierte Scott:

"Da erblickte Bowers vor uns einen schwarzen Fleck! Ein natürliches Schneegebilde war das nicht - konnte es nicht sein - das sahen wir nur zu bald! Geradewegs marschierten wir darauf los und was fanden wir? Eine schwarze, an einem Schlittenständer befestigte Fahne! In der Nähe ein verlassener Lagerplatz - Schlittengleise und Schneeschuhspuren kommend und gehend - und die deutlich erkennbaren Eindrücke von Hundepfoten - vieler Hundepfoten - das sagte alles! Die Norweger sind uns zuvorgekommen - Amundsen ist der erste am Pol!"

Nach einer mehrere tausend Kilometer langen Reise, die übermenschliche körperliche und seelische Kräfte erforderte, bei der die Männer Entbehrungen aller Art erlitten hatten - Kälte, Erfrierungen, Hunger, waren sie entkräftet, aber zunächst voller Zuversicht am Pol angekommen. Doch dann folgte der Schock: Amundsen war ihnen um einen Monat zuvorgekommen.

Scott notierte in dieser niederschmetternden Stunde: "Alle Gedanken, die in uns aufstiegen, alle Worte, die fielen - alles endete mit dem einen furchtbaren: zu spät! Und als es dann stille wurde im Zelt - da brüteten wir gewiss alle über der einen finsteren Vorstellung: Mir graut vor dem Rückweg!"

Dass Scott und seine Begleiter den Rückweg nicht mehr schafften, hatte mehrere Gründe. Der kurz vor dem rettenden Lebensmitteldepot über sie hereinbrechende Sturm war nur einer davon. Die angeknackste Psyche nach der Enttäuschung am Pol sicher ein anderer. Doch Scott war bei aller akribischen Planung im Vorfeld der Expedition auch ein entscheidender Fehler unterlaufen: Während Amundsen bei seinem Marsch zum Südpol auf Schlittenhunde setzte, hatte Scott auch Motorschlitten und Ponys mitgenommen. Das sollte sich als fataler Irrtum erweisen. Die Schlitten gaben in der arktischen Kälte schnell den Geist auf, die Ponys mussten erschossen werden, weil sie mit den klimatischen Bedingungen nicht zurechtkamen. Das raubte den Männern entscheidende Kräfte.

Für Scott und seine Mannschaft mag es im Nachhinein ein Trost sein, dass die Welt ihn ebenso in Erinnerung behalten hat wie den Südpolbezwinger Amundsen. Und aufgrund der tragischen Umstände ist es der Brite, der in die Herzen der Menschen eingegangen ist und nicht der Norweger.

Autor: Jochen Kürten für kalenderblatt.de


Außerdem am 29.März:


29.3.1939: Terence Hill

Eigentlich Mario Girotti, italienischer Filmschauspieler. Terence Hill wurde in Venedig geboren. Der Sohn eines italienischen Chemikers und einer deutschen Mutter verbrachte seine Kindheit u.a. in Dresden, wo die Familie während des Zweiten Weltkriegs auch dem Bombardement der Alliierten ausgesetzt war. Er studierte in Rom Literatur und Philosophie. Der Mann mit den hellblauen Augen und der sonnengegerbten Haut erhielt seine erste Filmrolle in Luciano Viscontis "Der Leopard" (1962). An der Seite von Bud Spencer trat er ab 1967 in Italo-Western in der Rolle des charmanten und raubeinigen Haudegen auf. Höhepunkt dieser Serie war der Western "Vier für eine Ave Maria" (1968) unter der Regie von Guiseppe Colizzi. International erfolgreich wurde Terence Hill in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts mit den Filmen "Zwei Himmelhunde auf den Weg zur Hölle" (1972) und "Das Krokodil und sein Nilpferd" (1974). Seinen ersten eigenen Film drehte Hill 1984 mit "Keiner haut wie Don Camillo".

29.3.1989: Pyramide im Louvre

Die erste Ausbauetappe des Pariser Louvre mit der Glaspyramide im Innenhof wurde vom französischen Staatspräsidenten Francois Mitterrand eröffnet. Der amerikanische Architekt Ieoh Ming Pei entwarf diese Glaspyramide für den Eingang zum Louvre, dem bedeutendsten Museum Frankreichs. Der futuristische gläserne Bau sorgte für Kontroversen. Er steht im bewussten Gegensatz zu den historischen Gemäuern des Louvre. Die Anordnung von geometrischen Formen und die Verwendung seltener Materialen machten Pei zum gefragten Architekten. Er konzipierte wichtige öffentliche und korporative Gebäude auf der ganzen Welt und leitete eine neue Ära der Stadterneuerung ein. Die Einweihung der Glaspyramide war der Auftakt zum Ausbau des gesamten Komplexes mit einer Ausstellungsfläche von 70.000 Quadratmetern.


Zitat des Tages:
Jeder Mensch hat seine guten Seiten. Man muss nur die schlechten umblättern. (Ernst Jünger)
u4u|Gunner
30.3.1981


Anschlag auf US-Präsident Reagan



Ronald Reagan ist erst seit zwei Monaten im Amt. Er spricht vor Gewerkschaftlern in einem Hotel. Nach der Veranstaltung fallen Schüsse. Der Attentäter will den Präsidenten töten. Sechsmal wird auf Reagan geschossen. Die Sicherheitsbeamten werfen den Präsidenten zu Boden. Die Kugeln treffen einen Leibwächter und den Sprecher des Weißen Hauses. Der Präsident sei okay, so vermelden es die US-amerikanischen Sender.

Eine Stunde später müssen Radio und Fernsehen ihre ersten Meldungen korrigieren. Der Zustand des Präsidenten ist kritisch, ein Schuss traf Reagan in den linken Lungenflügel. Nur mit Glück überlebt er den Anschlag. Auch der Leibwächter und der Pressesprecher überleben den Anschlag.

Die Welt ist geschockt nach dem Attentat, und die Börsenkurse fallen. Es ist bereits der siebte Anschlag auf einen US-amerikanischen Präsidenten im 20. Jahrhundert. Der Mann, der auf den Präsidenten schoss, wird sofort festgenommen.

"Wenn du mich nicht liebst, dann töte ich den Präsidenten"

John Hinckley heißt der Mann, den die Bodyguards festgenommen haben. Hinckley ist ein verwirrter Mann. Er liebt die Schauspielerin Jodie Foster, er tyrannisiert sie, schreibt Drohbriefe. Und in einem dieser Briefe zitiert er einen Satz aus dem Film "Taxi Driver": "Wenn du mich nicht liebst, dann töte ich den Präsidenten."

Fünf Jahre später schießt Hinckley nun tatsächlich auf Präsident Reagan. Er will Jodie Foster damit beeindrucken. Die damals 19-Jährige ist geschockt. Sie zieht sich aus der Öffentlichkeit zurück.

Hinckley wird von dem Gericht für unzurechnungsfähig erklärt. Er landet in einer psychiatrischen Klinik. Er beteuert immer wieder, von seinem Fanatismus geheilt zu sein. Den Film "Taxi Driver" sprechen die Geschworenen von jeglicher Schuld frei.


Autor: Gábor Halász für kalenderblatt.de


Außerdem am 30.März


30.3.1853: Vincent van Gogh (†29.7.1890)

Niederländischer Maler. Vincent van Gogh wurde in Groot-Zundert geboren. Der zeit seines Lebens in ärmlichen Verhältnissen lebende Maler gilt heute u.a. neben Paul Cézanne und Paul Gauguin als Pionier der Moderne in der bildenden Kunst. Van Gogh setzte in seinen farbenprächtigen Werken die Nuancen nicht ein, um die Wirklichkeit wiederzugeben, sondern, um Emotionen und Empfindungen auszudrücken. Die Bedeutung seines Werkes wurde erst nach seinem Tod erkannt. Seine Kunst konnte ihm während seines Lebens nicht zu einem angenehmeren Leben verhelfen. Von den meisten seiner Zeitgenossen wurde er nicht verstanden. Dennoch ließ sich der Maler nie von seinem Stil abbringen und hinterließ ein umfangreiches Lebenswerk, das durch flammende Farben und leidenschaftlichen Pinselstrich gekennzeichnet ist.

30.3.1856: Krimkrieg beendet

Im Krimkrieg, der von 1853 bis1856 dauerte, standen sich Russland auf der einen und die Türkei, Frankreich, England und ab 1855 auch Sardinien auf der anderen Seite gegenüber. Österreich blieb in diesem Krieg zwar neutral, zwang aber Russland zum Rückzug seiner Truppen vom Balkan. Österreich besetzte im September 1854 in Rumänien die "Donaufürstentümer". Im Frieden von Paris am 30. März 1856 vermittelte Österreich zwischen den Kriegsgegnern. Russland musste enorme Verluste hinnehmen. Durch die Haltung Franz Josephs von Österreich wurde der Grundstein für die Feindschaft zwischen Österreich und Russland gelegt, die schließlich mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges eskalierte.


Zitat des Tages:
Nichts tut der Seele besser, als jemandem seine Traurigkeit abzunehmen. (Paul Verlaine)
u4u|Gunner
31.3.1889

Eiffelturm vollendet




Für die Rekordhöhe von 312 Metern und 27 Zentimetern wird am 31. März 1889 sogar die Größe der französischen Fahne mitgezählt. Gigantismus ist nämlich für die Pariser Weltausstellung angesagt, 100 Jahre nach jener Französischen Revolution, die die Welt veränderte. Der Eiffelturm im Herzen von Paris ist vollendet.

Zahlen werden genannt, alles Rekorde zur Einleitung einer neuen, besseren Welt von Technologie und Fortschritt: über 10.000 Tonnen schwer, 352 Tausend-Watt-Strahler, 1.665 Stufen, mehr als 18.000 einzelne Metallstücke, 2,5 Mio. Nieten. Eine Schwindel erregende Statistik, die jeden Franzosen mit Stolz erfüllt. Zumindest inzwischen, denn 1889 war die schlanke Metallkonstruktion sehr umstritten.

Ein "durchlöchertes Zäpfchen"

Die Pariser Zeitung "Le Temps" veröffentlicht am 14. Februar 1887 einen Protestbrief von französischen Künstlern, nachdem etliche Pamphlete und kritische Berichte die Öffentlichkeit auf das "Monstrum" aufmerksam gemacht hatten: "Wir, Schriftsteller, Maler, Bildhauer, Architekten, Liebhaber der bisher intakten Schönheit von Paris, protestieren gegen die merkantile Einbildungskraft eines Maschineningenieurs, der die Stadt unwiderruflich hässlich machen wird. Stellen Sie sich einmal diesen lächerlichen Turm vor, der wie der schwarze Schornstein eines Industriewerks mit seiner barbarischen Masse all unsere Denkmäler demütigen wird. 20 Jahre lang werden wir den abscheulichen Schatten dieser Blech-Säule wie ein Tintenfleck auf der ganzen Stadt sehen."

Paul Verlaine spricht von einem Stadtturm-Skelett, Guy de Maupassant vergleicht den Turm mit einer "hohen, mageren Pyramide von Metall-Leitern". Andere sehen in ihm ein "durchlöchertes Zäpfchen". Die Fantasie der entsetzten Poeten kennt keine Grenzen. Trotzdem ignoriert das Volk die Warnungen der Künstler. Zwei Mio. Besucher erklimmen allein 1889 den Eiffelturm während der Weltausstellung.

Schönheit und Eleganz

Der Erfinder des eisernen Turms heißt Gustave Eiffel, geboren 1832 in Dijon, bekannt durch etliche Werke, vor allem Eisenbahnbrücken und Sternwarten in Bordeaux und Nizza, in Ungarn und in Portugal. Seinen Kritikern erwidert er in der Fachsprache eines Technikers, der an die Schönheit und Eleganz von mathematischen Formeln glaubt: "Die Kurven des Denkmals werden dem Ganzen einen Eindruck von Kraft und Schönheit vermitteln. Im Kolossalen steckt eine gewisse Anziehung, ein eigener Charme, der keiner klassischen Kunsttheorie entspricht."

Zwei Jahre, zwei Monate und fünf Tage nach Beginn der Bauarbeiten ist der Eiffelturm vollendet. Als Dank der Nation erhält Gustave Eiffel am Tag der Vollendung und in luftiger Höhe auf der engen Plattform seines Werkes den Orden der Ehrenlegion.

Die große Trikolore wurde entfernt, als mit der Erfindung des Hörfunks eine Antenne an der Spitze des Turms errichtet wurde. Was übrigens die "Grande Dame von Paris" mit einer Höhe von 318 Metern und 70 Zentimetern zum neuen Rekord brachte.

Autor: Gérard Foussier fürKalenderblatt.de



Außerdem am 31.März:

31.3.1732: Joseph Haydn (†31.5.1809)

Österreichischer Musiker, Komponist und Musiktheoretiker. Neben Wolfgang Amadeus Mozart gilt Haydn als wichtigster Vertreter der Wiener Klassik. Er begann seine Karriere als Chorknabe im Dom von St. Stephan in Wien. Anschließend arbeitete er als freischaffender Musiker. Er spielte Violine und Klavier und komponierte über einhundert erfolgreiche Opern. Seinen Kompositionen und theoretischen Schriften war die Ausbildung der charakteristischen Gattungen der Wiener Klassik, der Sinfonie und des Streichquartetts, zu verdanken. Wie sein Zeitgenosse Georg Friedrich Händel komponierte Haydn auch Oratorien. Am bekanntesten wurden seine Werke "Die Schöpfung" (1798) und "Die Jahreszeiten" (1801).

31.3.1814: Triumph über Napoleon

Die verbündeten europäischen Mächte Großbritannien, Österreich, Russland und Preußen marschierten in einem Triumphzug in die französische Hauptstadt Paris ein und besetzten sie. Nachdem Napoleon am 14. September 1810 auf seinem Russland-Felzug in Moskau einzog, musste er sich wegen großer Verluste 1812 zurückziehen. In den Befreiungskriegen erlag Napoleon der übermächtigen Koalition zwischen England, Russland, Österreich und Preußen in der Völkerschlacht bei Leipzig. Der Fall von Paris hatte seine Absetzung durch den Senat zur Folge. 1814 musste er als Kaiser abdanken und wurde für hundert Tage auf die Mittelmeer-Insel Elba verbannt. Nach seiner Niederlage von Waterloo am 18. Juni 1815 wurde er in staatliche Haft genommen und auf St. Helena verbannt.


Zitat des Tages:
Dubium sapientiae initium - Zweifel ist der Weisheit Anfang. (René Descartes)
u4u|Gunner
Da ich die letzten 6 Tage in Wien war, geht es erst heute weiter.

6.April 1896

Erste Olympische Spiele der Neuzeit




"Von den Völkern zu verlangen, sich gegenseitig zu lieben, ist nichts anderes als eine Kinderei. Von ihnen zu verlangen, sich zu achten, ist keineswegs eine Utopie. Aber um sich zu achten, muss man sich erst einmal kennen lernen. Das ist das echte Fundament des wahren Friedens," soweit Baron Charles Freddie Pierre de Coubertin, der als der geistige Vater der modernen olympischen Bewegung gilt.

Die Idee, den Sport als Instrument des Friedens zu nutzen, angelehnt an die antiken Wettkämpfe der Griechen in Olympia, setzte Coubertin 1894 in die Tat um. Für Mitte Juni lud er zu einem internationalen Kongress über Leibeserziehung in die Aula der ehrwürdigen Pariser Sorbonne. Hierbei sollte es ursprünglich um die Lösung der Amateurfrage gehen.

Kurz vor der Tagung änderte Coubertin den Titel in "Kongress für die Wiederaufnahme der Olympischen Spiele". Am 23. Juni beschlossen die Teilnehmer auf der Schlusssitzung, das "Komitee für die Olympischen Spiele" zu gründen, das sich dann später "Internationales Olympisches Komitee" nannte.

Schnellstart

Die Olympischen Spiele sollten entsprechend den Bedingungen der modernen Zeit wiedererstehen. Außer im Fechten sollten nur Amateure zugelassen werden. Folgende Sportarten sollten nach Möglichkeit bei Olympischen Spielen ausgetragen werden: Leichtathletik, verschiedene Ballspiele, Eislauf, Fechten, Boxen, Ringen, Pferdesport, Schießen, Turnen und Radsport. Außerdem sollte ein Mehrkampf unter der Bezeichnung "Fünfkampf" eingeführt werden.

Pierre de Coubertin wollte sich für die Realisierung seiner Idee ursprünglich Zeit lassen. Erst im Jahre 1900 sollten in Paris anlässlich der Weltausstellung die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit ausgetragen werden. Doch als der Grieche Demetrios Bikelas als erster Präsident des IOC Athen als Ort der ersten Olympischen Spiele der Neuzeit ins Gespräch brachte, war Griechenlands Kronprinz Konstantin so begeistert, dass er auf schnellste Durchführung drängte.

Die Spiele können beginnen

Am 6. April 1896 - Ostermontag - war es so weit. "Ich erkläre den Beginn der ersten Olympischen Spiele in Athen", verkündete Griechenlands König Georg I. pathetisch. In jeweils aktualisierter Fassung gilt diese Eröffnungsformulierung für das Staatsoberhaupt des Gastgeberlandes noch heute.

292 Athleten - Frauen waren nicht zugelassen - aus 13 Nationen kämpften in neun Sportarten aufgeteilt auf 43 Disziplinen, um den Erfolg. Der Sieger erhielt übrigens keine Gold-, sondern nur eine Silber-, der Zweitplatzierte eine Bronzemedaille. Schon der Dritte ging leer aus.

Damals belegten die US-Amerikaner mit elf Siegen Platz eins der inoffiziellen Nationenwertung. Deutschland kam auf Rang drei, stellte aber mit Carl Schuhmann den erfolgreichsten Sportler in Athen. Als Turner im Pferdsprung, am Barren und am Reck, aber auch als Schwergewichtsringer brachte es Schuhmann auf vier Olympiasiege.

Vieles hat sich in der bewegten Geschichte der Olympischen Spiele verändert. Geblieben sind jedoch zwei Dinge - die Finanzierungsprobleme sowie die Olympische Fanfare, mit der die Spiele eingeleitet werden.

Autor: Hanspeter Detmer für kalenderblatt.de


Außerdem am 6.April:


6.4.1890: Anthony Herman Gerard Fokker (†23.12.1939)

Niederländischer Flugzeugkonstrukteur. Er baute ab 1912 in Johannisthal bei Berlin seine ersten Flugzeuge. Bekannt wurde er durch eine Erfindung, die es ermöglichte, ein Maschinengewehr durch die Propellerblätter schießen zu lassen. Binnen 48 Stunden entwickelte Fokker mit seinen Technikern einen Synchronisationsmechanismus für gesteuertes Schießen durch den Propellerkreis. Die Idee: Die Waffe wurde über Nocken und Wellen in dem Augenblick abgezogen, in dem sich kein Propellerblatt vor der Mündung des Maschinengewehrs befand. Nach dem Krieg verlegte Fokker seine Fabrik nach Amsterdam und ging schließlich in die USA, wo er die "Fokker Aircraft Corporation of America" gründete.


6.4.1789: Washington erster Präsident

George Washington wurde von dem Wahlmännerkollegium einstimmig zum ersten Präsidenten gewählt. Sein Amt trat er am 30. April 1789 an. Der ehemalige siegreiche Oberbefehlshaber der aufständischen Kolonien gegen England im Unabhängigkeitskrieg war zunächst 1787 Präsident des Verfassungskonvents. Als Präsident der Vereinigten Staaten wurde er 1792 zum ersten Mal wieder gewählt. Durch seine Ablehnung der zweiten Wiederwahl 1797 wurde der Grundsatz geschaffen, wonach kein Präsident länger als zwei Amtperioden im Amt sein soll. Im selben Jahr zog sich George Washington aus der aktiven Politik zurück.


Zitat des Tages:
Ich habe nichts dagegen, dass die Menschen im Internet verkehren. Aber eine Freundschaft, die in mehreren Biergartenbesuchen gestählt worden ist, ist mehr wert als das ganze Internet. (Roman Herzog)
u4u|Gunner
8.4.1949:

Besatzungsstatut unterzeichnet




8. April 1949 - in Deutschland ein normaler Frühlingstag, wenn man unter den Umständen eines vernichtend geschlagenen Landes, das mit den Folgen des selbstverschuldeten Krieges zu kämpfen hatte, denn von Normalität sprechen kann. Von vier Besatzungsmächten nach zwei höchst unterschiedlichen gesellschaftlichen Entwürfen verwaltet, war nach mehreren Zwischenstationen im Westen längst die Bildung eines westdeutschen Staates im Gange.

Auch in Washington war jener 8. April 1949 ein Frühlingstag, nur dass dort an diesem Tag eine Entscheidung fiel, die sehr viel mit eben jenem westdeutschen Staat jenseits des Atlantiks zu tun hatte. Die Außenminister der USA, Großbritanniens und Frankreichs beendeten eine mehrtägige Konferenz. Auf dieser Konferenz wurde unter anderem mit dem Besatzungsstatut eine rechtsförmige Regelung für das Verhältnis zwischen den Siegermächten und der entstehenden Bundesrepublik Deutschland beschlossen.

Dieses Statut war neben dem Grundgesetz nichts weniger als die Grundlage der staatlichen Existenz Westdeutschlands. Der Staat wurde gegründet, gewiss, doch völkerrechtlich war er nicht handlungsfähig. Er war ein Provisorium, ein Teilstaat zudem.

Das "größtmögliche Maß an Selbstregierung"

1974, zum 25.Jahrestag der Bundesrepublik Deutschland, betonte der damalige Bundespräsident Gustav Heinemann: "Die Hervorhebung des Provisoriums hatte 1949 noch einen anderen Grund: Die Bundesrepublik Deutschland war damals noch kein Staat im vollen Sinne. Ihr fehlten noch etliche Merkmale, die ihr zumal durch das Besatzungsstatut vorenthalten blieben."

In seiner ersten Regierungserklärung am 20. September 1949 erklärte denn auch der wenige Tage zuvor zum ersten Bundeskanzler gewählte Konrad Adenauer: "Wenn auch die Zuständigkeit des Bundestages und der Bundesregierung durch das Besatzungsstatut beschränkt ist, so darf uns doch die Entwicklung, die ich Ihnen eben gekennzeichnet habe, das Werden des deutschen Kernstaates, mit Freude erfüllen."

Grundsätzlich hielt sich Adenauer aber nicht sonderlich bei den Beschränkungen durch das Besatzungsstatut auf, dabei waren sie beträchtlich. "In Ausübung der obersten Gewalt", die den Regierungen der USA, Großbritanniens und Frankreichs "verbleibt", wie es im ersten Satz wörtlich heißt, sollte das deutsche Volk während der Fortdauer der Besatzung das "größtmögliche Maß an Selbstregierung" genießen.

Unter dem Vorbehalt der Alliierten

Die Alliierten betonten ihre Machtbefugnisse etwa bei der Ruhrkontrolle und beim Außenhandel, bei der Frage der Reparationen oder den Angelegenheiten von Flüchtlingen. Vor allem aber: Sie behielten sich das Recht vor, über die Einhaltung des Grundgesetzes und der Länderverfassungen zu wachen.

Wenn Adenauer in seiner Regierungserklärung hervorhob: "Wir wollen zu allen Ländern gute Beziehungen unterhalten, auch solche persönlicher Art - insbesondere aber zu unseren Nachbarländern, den Beneluxstaaten, Frankreich, Italien, England und den nordischen Staaten," so drückte der damalige Bundeskanzler damit zwar einen begrüßenswerten Wunsch aus, doch die auswärtigen Angelegenheiten der Bundesrepublik standen in aller Form unter dem Vorbehalt der Alliierten.

Das Besatzungsstatut

Das Besatzungsstatut stellte fest: "Grundgesetzänderungen, Länderverfassungen, alle anderen Gesetze und alle Abkommen zwischen dem Bund und ausländischen Regierungen treten 21 Tage nach ihrem amtlichen Eingang bei den Besatzungsbehörden in Kraft, es sei denn, dass sie von diesen vorher vorläufig oder endgültig abgelehnt worden sind."

Zwar versprachen die Alliierten große Zurückhaltung bei der Wahrnehmung dieses Rechts, doch grundsätzlich galt: "Die Besatzungsbehörden behalten sich das Recht vor, auf Weisung ihrer Regierungen die Ausübung der vollen Gewalt ganz oder teilweise wieder zu übernehmen, wenn sie dies als wesentlich erachten für ihre Sicherheit oder zur Aufrechterhaltung der demokratischen Regierungsform in Deutschland oder in Verfolgung der internationalen Verpflichtungen ihrer Regierungen."

Über all das hinaus beinhaltete das Statut aber auch eine Perspektive auf Veränderung - spätestens 18 Monaten nach seinem Inkrafttreten am 21. September 1949 sollte eine Überprüfung der Bestimmungen vorgenommen werden.

Die Souveränität der Bundesrepublik

Hatte die Bundesrepublik schon im November 1949 mit dem Petersberger Abkommen das Recht erhalten, konsularische Beziehungen aufzunehmen und internationalen Organisationen beizutreten, sorgte die Revision des Besatzungsstatuts im März 1951 für größere außenpolitische Handlungsfähigkeit der Bundesrepublik. Immerhin wurde nun ein Auswärtiges Amt eingerichtet, das Adenauer in Personalunion übernahm - für mehr als vier Jahre. Denn erst 1955, mit dem Inkrafttreten der Pariser Verträge und der Aufnahme in die NATO, wurde im Wesentlichen die Souveränität der Bundesrepublik hergestellt.

Am 21. September 1949 war dann das Besatzungsstatut in Kraft getreten. Es wurde Adenauer von den drei Hohen Kommissaren auf dem Petersberg oberhalb Bonns mündlich vorgetragen. Eine förmliche Übergabe des Dokuments hatte der Kanzler verhindert.

In seinen Memoiren berichtet er, beim Aufbruch der deutschen Delegation sei ein Beamter der Hohen Kommission an seinen persönlichen Referenten herangetreten und habe ihm ein in Packpapier eingehülltes Buch überreicht. Das Packet wurde erst auf der Rückfahrt nach Bonn geöffnet - es fand sich ein "in Pergament gebundenes und besonders kunstvoll gedrucktes Besatzungsstatut". Das Exemplar war übrigens danach verschwunden. Erst im September 1999 wurde es aus nicht genannter Quelle an das Haus der Geschichte in Bonn gesandt.

Autor: Heinz Dylong für kalenderblatt.de


Außerdem am 8.April:


8.4.1938: Kofi Annan

Ghanaischer Politiker und Diplomat, von 1997 bis 2006 Generalsekretär der Vereinten Nationen (UNO). 1962 begann er, für die Vereinten Nationen in der Haushaltsabteilung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu arbeiten. Durch eine zweijährige Tätigkeit in Ghana unterbrochen, war er stets für die UN tätig. Bevor er deren Generalsekretär wurde, koordinierte Annan die UN-Peacekeeping-Einsätze. Die Verbesserung der Beziehungen zwischen den Vereinten Nationen und den Vereinigten Staaten von Amerika sowie der Kampf gegen die Bürokratie der Organisationen der UN standen im Mittelpunkt der Bemühungen Kofi Annans. 2001 erhielt er zusammen mit den Vereinten Nationen den Friedensnobelpreis.

8.4.1973: Picasso gestorben

Mit Pablo Picasso verlor die Welt den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler. Der Maler, Grafiker und Bildhauer verschied im südfranzösischen Mougins. Als Begründer des Kubismus ("Les Demoiselles d‘Avignon”, 1907, Museum of Modern Art New York) war der Spanier einer der Pioniere und bedeutendsten Vertreter der Malerei der Moderne des 20. Jahrhunderts. In 70 Jahren intensivsten Schaffens widmete er sich auch plastischen und grafischen Arbeiten. Die bekanntesten Werke des Künstlers waren "Guernica" und die als Symbol des Friedens bekannt gewordene Darstellung einer Taube.


Zitat des Tages:
Heute liest nur noch, wer es nicht lassen kann. (Christoph Hein)
u4u|Gunner
9.4.1948: Massaker von Deir Yassin



Wer heute durch Israel fährt, der muss schon gründlich suchen, um - etwa in Galiläa im Norden oder in dem Streifen zwischen Jerusalem und dem Mittelmeer - die Überreste arabischer Dörfer zu finden, die es hier einst gegeben hatte. Manchmal sind nur noch von Unkraut überwucherte Schutthügel übrig, manchmal antike Hausreste in vergleichsweise neuen jüdischen Orten. Rund 400 palästinensische Ortschaften wurden im Krieg von 1948 zerstört und ihre Bevölkerung vertrieben. Orte, die nur auf alten Landkarten weiterleben. Und in der Erinnerung derer, die aus ihnen geflohen sind und seitdem meist in Flüchtlingslagern leben.

Etwa 700.000 Palästinenser mussten 1948 ihre angestammte Heimat verlassen. und sie und ihre Nachkommen bilden den Kern des "Palästinenser-Problems". Viel ist darüber gestritten worden, ob sie grausam vertrieben oder deportiert wurden oder ob sie in der Hoffnung flohen, bald mit den siegreichen arabischen Truppen zurückkehren zu können. Beides trifft sicher zu. Selbst israelische Historiker haben längst eingeräumt, dass es eine systematische Vertreibung und Deportation gab, und es wird längst nicht mehr bestritten, dass es hierbei zu Gewaltanwendung und Grausamkeiten kam.

Symbolkräftigstes Beispiel ist das Dorf Deir Yassin, damals an den westlichen Ausläufern von Jerusalem gelegen. Ein Dorf mit 610 Einwohnern, in das sich mehrere hundert andere vor den Auseinandersetzungen zwischen Juden und Arabern in Schutz gebracht hatten: Deir Yassin liegt auf dem Gebiet des künftigen palästinensischen Staates, hat sich aber mit seinen jüdischen Nachbarn auf friedliche Koexistenz geeinigt, und man glaubt sich hier sicher vor den Kämpfen, die in anderen Teilen Palästinas immer häufiger ausbrechen:

Die Vereinten Nationen haben am 29. November 1947 die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat beschlossen, Jerusalem soll internationalisiert werden, und Großbritannien gibt bekannt, dass es sein Mandat über Palästina aufgeben will. Die arabische Welt lehnt die Teilung ab, und extremistisch-nationalistische jüdische Kreise sind nicht einverstanden, weil sie einen Staat mit mehr Land und weniger arabischen Einwohnern wollen.

Die Lage spitzt sich immer weiter zu, je näher der 15. Mai 1948 rückt - der Tag, an dem die Briten offiziell ihre Flagge über Palästina einholen wollen. Araber halten Proteststreiks ab, es kommt zu bewaffneten Zwischenfällen, und beide Seiten bereiten sich auf den "Tag X" vor. In den Reihen zweier jüdischer Untergrund-Gruppen, der "Irgun" des späteren Ministerpräsidenten Menachem Begin und der "LEHI", entsteht ein heimtückischer Plan: Die Palästinenser, die auf dem Gebiet des geplanten jüdischen Staates leben, sollen in die Flucht getrieben werden. Das Dorf Deir Yassin wird ausgewählt für einen gezielten Angriff, der später mit angeblichen - aber nie bewiesenen - Überfällen von dort aus gerechtfertigt wird:

Mit dem Morgengrauen dringen 120 Angehörige der beiden Organisationen in Deir Yassin ein. Wie Augenzeugen später berichten, sind sie es, die das Feuer eröffnen. Ein Lautsprecherwagen, der die Einwohner angeblich zur Kapitulation und zur Flucht aufrufen soll, kommt nicht zum Einsatz. Am Vormittag ist das Dorf erobert, aber ab 11 Uhr sind wieder Schüsse zu hören: Die Eroberer gehen von Haus zu Haus und erschießen deren Einwohner, darunter Alte, Frauen und Kinder. Die Männer sind meist längst geflohen.

Erst am Nachmittag, als empörte orthodoxe Juden ins Dorf kommen und beschwören, Deir Yassin sei immer friedlich gewesen, kommt das Massaker zu einem Ende. Rund 250 Überlebende werden auf Lastwagen gepackt und in den arabischen Ostteil Jerusalems gefahren, wo man sie auf offener Strasse ablädt.

Deir Yassin hat aufgehört zu existieren. Die Führung der offiziösen jüdischen Untergrundbewegung "Hagana" verurteilt das Massaker, man unternimmt aber nichts gegen die Täter. Und nach der Unabhängigkeit Israels werden Vertreibungen systematisch organisiert, um die im Unabhängigkeitskrieg hinzu gewonnenen Gebiete und Orte von Arabern zu entvölkern. Ihre Einwohner leisten keinen Widerstand: Es hat sich herumgesprochen, was geschehen ist, und das Kalkül der Täter von Deir Yassin geht auf. Für die Palästinenser ist und bleibt Deir Yassin trauriges Symbol dessen, was sie seitdem als "die Katastrophe" beschreiben.

Autor: Peter Philipp für kalenderblatt.de


Außerdem am 9.April:


9.4.1938: Viktor Stepanowitsch Tschernomyrdin

Russischer Politiker. Der Ingenieur Viktor Tschernomyrdin war 1961 der KPdSU beigetreten und übernahm seit 1967 zunächst führende Funktionen in der Energiewirtschaft. Von 1985 bis 1989 Minister für Gasindustrie, war Tschernomyrdin nach dem Zusammenbruch der UdSSR von Mai bis Dezember 1992 in der russischen Regierung als stellvertretender Ministerpräsident wieder für die Energiewirtschaft zuständig. Unter dem Druck der Reformgegner im Volksdeputiertenkongress ernannte ihn Präsident Boris Jelzin im Dezember 1992 zum Ministerpräsidenten. Mit der Entlassung der Regierung am 23.3.1998 verlor Tschernomyrdin sein Amt. Während des Kosovo-Krieges war er als Jugoslawienvermittler von Präsident Jelzin eingesetzt. 1999 wurde er mit der Vorbereitung der Parlamentswahlen im Herbst 1999 und der Präsidentschaftswahlen 2000 beauftragt.

9.4.1906: Asche über Neapel

Der Vesuv brach aus. Der Großausbruch des Vulkans erschütterte den Golf von Neapel. Es handelte sich um die größte Eruption des Vulkans seit dem Untergang von Pompeji und Herculaneum im Jahr 79 n.Chr. Seit dieser Zeit war der Vesuv immer wieder ausgebrochen und hatte die Menschen, die in seinem Umland siedelten, in Angst und Schrecken versetzt. Auch 1906 flog Gestein und Geröll, durch die eruptive Kraft durch die Luft geschleudert, bis zu 500 Meter weit. Das flüssige Gestein, die Lavamasse, begrub die umliegenden Ortschaften unter sich. Die Phänomene und Auswirkungen machten die unberechenbare Kraft des Naturspektakels deutlich. Mehrere hundert Menschen kamen dabei zu Tode.


Zitat des Tages:
Die Männer, die mit den Frauen am besten auskommen, sind dieselben, die wissen, wie man ohne sie auskommt. (Charles Baudelaire)
u4u|Gunner
11.4.1968: Attentat auf Rudi Dutschke





Westberlin 1968. Die Atmosphäre war wie in vielen deutschen Großstädten aufgeheizt. Tausende Studierende rebellierten gegen die Autorität von Staat, Universität und Elternhaus: eine Reaktion auf die verdrängte faschistische Vergangenheit, aus der Deutschland fast nahtlos in sein Wirtschaftswunder fand. Marxistische Theorien, Jean-Paul Sartre und die Philosophen der "Frankfurter Schule" lieferten das Gedanken-Futter für eine neue, kritische Intelligenz.

Die Spaßguerilla der Außerparlamentarischen Opposition formierte sich zur 'radikalen Minderheit': "Es ist keine Zeit nüchterner, kalter, von der Praxis getrennter Reflektion, sondern eine Zeit der Mobilisierung", sagte Rudi Dutschke, der populärste Sprecher des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes im Audimax der Freien Universität Berlin.

Kurze Zeit später gingen Fernsehbilder einer Vietnam-Demonstrationen um die Welt; in Ketten und Reihen untergehakt, rannten studentische Protestler gegen die polizeiliche Übermacht mit Wasserwerfern und Schlagstöcken an. Rudi Dutschke war in der ersten Reihe: "Dass wir durch internationale Massenaktionen systematisch Desertion betreiben in den Armeen und die subversiven Aktionen gegen Kriegsmaterial der Nato verbreitern und so mithelfen, dass kein Kriegsmaterial aus Mitteleuropa nach Afrika, Asien, Südamerika und nach Vietnam geht."

Prozess der Veränderung

In Axel Springers BILD-Zeitung erschien im Zusammenhang mit den Studentenunruhen fast täglich das Wort 'Terror' und lieferte dazu auch ein Gesicht. Ein schmales, asketisches Gesicht, scharfes Profil, intensiv beschwörender Blick, halb von dunklen Haarsträhnen verdeckt. Das Gesicht des 28-jährigen Soziologiestudenten Rudi Dutschke, der Lenins Idee einer permanenten Revolution modernisieren wollte und eine etwas synthetische Befreiungsstrategie entwickelte: "Der Prozess der Veränderung geht über diesen Weg des, wie ich das mal genannt habe, des 'langen Marschs' durch die Institutionen in und außerhalb der Universität."

Dutschke und seine Mitstreiter sahen immer mehr die Notwendigkeit einer "Urbanisierung der Guerillatätigkeit" in den europäischen Metropolen, frei nach den Vorstellungen des Revolutionärs Che Guevara. Der im märkischen Luckenwalde lutherisch-protestantisch geprägte Dutschke akzeptierte tatsächliche Gewalt nur äußerst widerstrebend - ganz anders als die Rote Armee Fraktion, die im April 1968 die ersten Bomben zündete.

"Sanft war er, ein bisschen zu sanft, wie alle Radikalen"

Allerdings, die Westberliner Bevölkerung hatte sich auf ihren "Staatsfeind Nummer 1" festgelegt. An Häuserwänden erschienen Parolen wie: "Vergast Dutschke!". In der Person des jungen Hilfsarbeiters Josef Bachmann fand sich jemand, der Rudi Dutschke am 11. April 1968 niederschoss.

Am 24. Dezember 1979 starb Rudi Dutschke, im Alter von 39 Jahren an den Spätfolgen des Attentats im dänischen Aarhus. Er war am Ende seines Lebens Mitglied der Grünen in Bremen geworden und stand vor der Entscheidung, mit seiner Frau Gretchen und den zwei Kindern nach Deutschland zurückzukehren.

Der widersprüchliche Revolutionär Rudi Dutschke wurde in Berlin beerdigt. Bei der Trauerfeier sang Wolf Biermann ein Lied für ihn, in dem es hieß: "Sanft war er, ein bisschen zu sanft, wie alle Radikalen."


Autorin: Petra Grunert für kalenderblatt.de


Außerdem am 11.April:


11.4.1825: Ferdinand Lassalle (†31.8.1864)

Deutscher Sozialdemokrat. Lassalle studierte beim preußischen "Staatsphilosophen" Hegel, knüpfte aber bald erste Kontakte zu den oppositionellen Linkshegelianern. In Paris traf er den Kommunisten Pierre-Joseph Proudhon und Heinrich Heine. Die Auseinandersetzung mit sozialreformerischen und -revolutionären Theoretikern formte seine Anschauungen. Seit 1846 durch die Freundschaft zur Gräfin Sophie Hatzfeld aller finanziellen Sorgen ledig, nahm Lasalle an der Revolution von 1848/49 teil. 1857 kehrte er nach Berlin zurück und beteiligte sich dort an der Gründung diverser Arbeitervereine, die 1863 in der Gründung des "Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins" (ADAV) mündeten. In diese Zeit fallen auch briefliche Korrespodenzen sowohl mit Karl Marx, dessen Revolutionsthese er ablehnte, als auch mit Bismarck, den er nicht von der Notwendigkeit einer Verfassungsreform in Preußen überzeugen konnte. 1864 ging Lasalle, enttäuscht von den Resultaten seiner Arbeit, in die Schweiz, wo er nach einer Affäre im Duell starb.

11.4.1945: KZ Buchenwald befreit

Im Konzentrationslager Buchenwald floh ein Großteil der SS-Wachmanschaften. In den Tagen zuvor waren 28.000 der 47.000 einsitzenden Häftlinge vor der heranrückenden Front "evakuiert" worden. Auf den "Todesmärschen" kamen nochmals Tausende ums Leben, nachdem während des Krieges schon über 40.000 Menschen in Buchenwald ermordet worden waren. In Buchenwald überrannten die Häftlinge die verbliebenen 120 SS-Männer und befreiten sich selbst. Das Lager wurde der US-Armee übergeben. Der ehemalige Buchenwald-Häftling und Arbeiterschriftsteller Bruno Apitz gestaltete den Kampf der Häftlinge und der illegalen Lagerorganisation von Buchenwald um das Leben eines polnischen Kindes und die Selbstbefreiung in seinem berühmten Roman "Nackt unter Wölfen" (1958). Der Regisseur Frank Beyer verfilmte den Stoff mit Erwin Geschonnek und Armin Mueller-Stahl.


Zitat des Tages:
Des Menschen Gemüt ist sein Geschick. (Ferdinand Lassalle)
u4u|Gunner
14.4.1865: Lincoln ermordet



22.15 Uhr am 14. April 1865. Clara Harris und Henry Rathbone sitzen in der State Box, der Loge im Ford's Theater, und warten gespannt auf den letzten Akt des Stücks "Our American Cousin". Ein vergnüglicher Abend war es bislang. Harris und Rathbone sind in höchster Gesellschaft: Abraham Lincoln und seine Frau sitzen mit ihnen in der Loge, und als sich die Tür von hinten langsam öffnet gelten die Schüsse ihm, dem 16. Präsidenten der USA. Dem Präsidenten, der die USA vor dem Auseinanderbrechen in Nord- und Süd-Staaten rettete und der als Sklavenbefreier in die Geschichte des Landes einging.

Fünf Tage zuvor, am 9. April, musste Südstaaten-General Robert Lee seine Niederlage eingestehen, die Niederlage des Südens gegen den Norden. Als Präsident Lincoln danach auf den Stufen des Weißen Hauses in Washington vor begeistertem Publikum das Ende des Bürgerkriegs verkündet, da hört auch John Wilkes Booth die Worte Lincolns. Er hört vor allem die Pläne des Präsidenten, bestimmten Schwarzen auch das Wahlrecht zu geben. Booth, ein Schauspieler und fanatischer Südstaatler, ist nun zu allem entschlossen.

Schon mitten im Bürgerkrieg, im Sommer 1864 plant Booth mit mehreren anderen, den verhassten Präsidenten zu entführen, als Geisel zu benutzen, um die Kriegsgefangenen der Konföderierten freizupressen. Ein Versuch scheitert. Als Booth nun von Lincoln hört, dass ehemalige Sklaven wählen dürfen sollen, ändern sich vor dem Hintergrund der Niederlage der Südstaaten, die Pläne Booths. Aus der Entführung wird jetzt die Ermordung.

Booths Schüsse auf den Präsidenten sind zugleich das erste Attentat auf den Staatschef der USA und damit der Beginn der Gewalt, die sich immer wieder gegen US-Präsidenten richtete. Knapp hundert Jahre später fiel Kennedy einem Attentat zum Opfer. Lincoln selbst verstarb am Morgen des 15. April. und hinterließ ein Land, das sich nach vier Jahren blutigen Bürgerkriegs erst langsam wieder zusammenfinden musste.

Lincoln stammte aus armen Verhältnissen. Am 12. Februar 1809 in Kentucky geboren, genießt er nur selten kontinuierlichen Schulunterricht. Immer wieder mal ein paar Monate, dann wieder monatelange Unterbrechung. Er selbst schrieb in einem kurzen Lebenslauf: "Ich wuchs in einer wilden Region auf. Bären und andere Tiere trieben sich im Wald herum. Als ich älter wurde, wusste ich nicht viel. Dennoch konnte ich lesen, schreiben und ein bisschen rechnen, aber mehr auch nicht."

Doch der Mann, der so bescheiden über seine Jugend schrieb, verschwieg, was seine Freunde stets erstaunte. In jeder freien Minute versuchte Lincoln sich Wissen anzueignen. Er las Bücher über Bücher, als knapp 21-jähriger hält er in Illinois nach einer Bootstour auf dem unwegsamen Sangamon Fluss seine erste politische Rede über eine Verbesserung des Wasserweges nach Illinois.

Aus dem jungen Laden-Angestellten wird bald ein eigener Geschäftsmann und schließlich bereits 1832 Kandidat für die Illinois General Assembly. Sein Redetalent begeistert das Volk und macht ihn bald zum begehrten Politiker der damaligen Whig-Party, aus der dann später die Republikaner werden. Der Geschäftsmann Lincoln ist nicht sonderlich erfolgreich, ja macht sogar fast bankrott. Als Mitglied der Illinois General Assembly beginnt er mit dem Jura-Studium und wird schließlich Anwalt. Diesmal ist er erfolgreich und weithin anerkannt; den Spitznamen "Honest Abe" führt er als Ehrentitel.

1841 hat Lincoln sein erstes einschneidendes Erlebnis mit Sklaven. Auf einem Mississippi-Dampfer beobachtet er zwölf Schwarze in Ketten und ist empört. Knapp 20 Jahre später noch wirkt die Beobachtung nach, als er am 6. März 1860 sich vehement gegen die Sklaverei ausspricht und damit gegen die Südstaaten wettert, für deren Wirtschaft der Sklavenhandel unabdingbar ist.

Als er im November 1860 zum Präsidenten gewählt wird, ist der Bruch zwischen Nord und Süd nicht mehr zu verhindern. Knapp einen Monat nach Amtsantritt, am 12. April 1861, beginnt mit den Schüssen auf Fort Sumter in Charleston der Bürgerkrieg, ein Krieg, den Lincoln nicht wollte, den er aber trotzdem kämpfen musste, um sein oberstes Ziel, die Einheit der Union, zu erreichen.

Als er am 15. April 1865 stirbt, hat er mit dem gerade erzielten Ende des Bürgerkriegs genau dies erreicht: die Einheit der Union. Es war an seinen Nachfolgern, das große andere Thema Lincolns, die Bürgerrechte, zu verwirklichen.

Der Amerikanist Klaus Milich von der Humboldt-Universität Berlin mit einer abschließenden Einordnung der politischen Bedeutung Lincolns:

"Wenn Sie eine Liste aufmachen würden der wichtigsten Präsidenten, dann zählt natürlich neben Washington und Jefferson im 19. Jahrhundert Lincoln, im 20. Jahrhundert Teddy Roosevelt, Franklin D. Roosevelt und Kennedy zu den entscheidenden Präsidenten, die die amerikanische Geschichte nachhaltig geprägt haben."

Autor: Jens Teschke für kalenderblatt.de


Außerdem am 14.April:

14.4.1977: Sarah Michelle Gellar

US-amerikanische Schauspielerin. Gellar begann mit ihrer Karriere als Schauspielerin im Alter von vier Jahren, als sie von einem Agenten in einem Restaurant entdeckt wurde. Drei Wochen später war sie am Set ihres ersten Films "An Invasion of Privacy". Außer Auftritten im Fernsehen und beim Film ist sie auch immer wieder am Theater zu sehen. So spielte sie mit Matthew Broderick und Eric Stoltz in "Die Witwe Claire". Mitte der 1990er trat sie vermehrt im Fernsehen auf, bis sie 1996 für die Serie "Buffy im Bann der Dämonen" ("Buffy the Vampire Slayer") entdeckt wurde, durch die sie weltweit bekannt und zum Teenie-Idol wurde.

14.4.1783: Lessings "Nathan der Weise"

Gotthold Ephraim Lessings "Nathan der Weise" wurde - zwei Jahre nach dem Tod des Dichters - in Berlin uraufgeführt. Das aufklärerische Drama gilt als Inbegriff der "Humanitätsdichtung", Lessing (1729-1781) plädiert in der Parabel für ein friedliches Nebeneinander der verschiedenen Völker und Religionen. Der Dichter gilt als Erneuerer des deutschen Schauspiels. Noch heute stehen seine bürgerlichen Trauerspiele und Schauspiele auf den Spielplänen vieler Theater. Er verfasste jedoch auch grundlegende theoretische Reflexionen zur Dramatik und zur Literaturkritik. Als Aufklärer verfolgte Lessing mit seiner Kritik am bestehenden deutschen Theater und der Schaffung alternativer Formen das Ziel, den Bürgern mittels des Schauspiels, eine aufgeklärte, vernünftige Moral zu vermitteln.


Zitat des Tages:
Alles, was eine Frau wissen muss, weiß sie schon. (Julie Christie)
u4u|Gunner
16.4.1964: Postzugräuber in England verurteilt



In den frühen Morgenstunden des 8. August 1963 ist der königliche Postzug auf dem Weg von Glasgow nach London. Die Täter manipulieren Signale und bringen den Zug auf einer entlegenen Stelle zum Stehen. Zugführer Jack Mills wird bewusstlos geschlagen, das Begleitpersonal festgesetzt.

Lediglich 15 Minuten brauchen die Täter, um die Postsäcke in drei bereitstehende Laster zu verfrachten. Sie erbeuten knapp 2,6 Mio. Pfund, umgerechnet etwa 50 Mio. Euro. Obwohl die Bande den Überfall minutiös geplant hat, kann die Polizei die Mehrzahl der Tatbeteiligten in den kommenden Monaten festnehmen.

Im bis dahin längsten Prozess der britischen Rechtsgeschichte fallen am 16. April 1964 harte Urteile. Die Helfer der Räuber sollen 25 und die Täter selbst 30 Jahre hinter Gitter. Dem öffentlichen Bild der Täter als "Gentlemen Räuber" widerspricht Richter Edmund Davies noch bei der Urteilsverkündung, er sagte: "Lassen Sie uns die romantische Verklärung als ein "Husarenstück" beiseite schieben: Das war nichts anderes als ein schäbiges Gewaltverbrechen, getrieben von maßloser Gier."

Von der Flucht ins Gefängnis

Mit der Urteilsverkündung endet jedoch die Geschichte des Großen Postzugraubs noch lange nicht. Schließlich sind nicht alle Täter bereit, ihre Strafen im Gefängnis auch abzusitzen. Mehreren gelingt die Flucht. So auch Ronald Biggs. Am 8. Juli 1965 fährt ein Möbelwagen an die Mauer des Londoner Gefängnis Wandsworth. Eine Strickleiter wird über die Mauer geworfen und der Posträuber Ronald Biggs klettert in die Freiheit.

Während die anderen Flüchtigen des Großen Postzugraubs nur wenige Jahre in Freiheit sind, dauert die Flucht von Biggs 36 lange Jahre. Das macht Biggs zum bekanntesten Kriminellen der Welt. Dabei ist er kein wirklich großer Verbrecher, wie der oberste Biggs-Jäger Jack Slipper, Chief Superintendant von Scotland Yard, nach seiner Pensionierung zugibt: "Ronnie Biggs ist ein Mann der Vergangenheit. Und ein großer Fisch war er nie. Er war ein kleiner Junge in einer Bande von äußerst brutalen und gewalttätigen Verbrechern, so aber war Biggs nie."

Biggs unterzieht sich nach seiner Flucht einer Gesichtsoperation. Als er sich in Australien nicht mehr sicher fühlt, flieht er 1974 nach Brasilien. Die Reste seiner Beute aus dem spektakulären Coup sind rasch aufgebraucht. Biggs vermarktet nun sein Image. Er druckt T-Shirts mit seinem Konterfei, gibt ab und zu eine Story für die Klatschpresse der alten Heimat und wer möchte kann sogar für 60 Dollar mit ihm Frühstücken. Die Sex Pistols und später auch die Toten Hosen nehmen Songs mit ihm auf. 2001 hat Biggs genug vom Exil. Er fliegt nach Hause und kehrt 38 Jahre nach dem Großen Postzugraub zurück ins Gefängnis.

Quelle: Autor unbekannt


Außerdem am 16.April:


16.4.1927: Benedikt XVI.

Eigentlich Joseph Ratzinger, deutscher Geistlicher, ab 2005 Papst der katholischen Kirche. Der erste deutsche Papst nach fast 500 Jahren wurde 1958 Professor an der Freisinger Hochschule für Theologie. In den darauf folgenden Jahren lehrte er an den Universitäten von Bonn, Münster, Tübingen und Regensburg katholische Dogmatik. Auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurde er zum offiziellen Konzilstheologen berufen. Später gehörte er der Glaubenskommission der deutschen Bischöfe und der Internationalen Päpstlichen Theologenkommission in Rom an. 1977 wurde er zum Erzbischof von München-Freising geweiht. Wenig später wurde der Dogmatiker in den Kardinalsstand berufen. Papst Johannes Paul II. machte ihn im November 1981 zum Präfekten der Glaubenskongregation, der höchsten und zentralen Instanz für die Interpretation und Verteidigung der katholischen Lehre. Nach dem Tod Papst Johannes Paul II. wurde Josef Kardinal Ratzinger am 19. April 2005 zu Papst Benedikt XVI. gewählt.

16.4.1871: Erste Deutsche Verfassung

Die auf Entwürfe Bismarcks zurückgehende Verfassung des neu gegründeten Deutschen Reiches trat in Kraft. Der Reichstag blieb mit Gesetzgebungs- und Budgetkompetenz Ausdruck demokratischer Mitbestimmung in Deutschland. Kaiser Wilhelm I. blieb Chef des Militärs und ernannte Bismarck zum Reichskanzler. Der Kanzler hatte die alleinige Verantwortung für die Außenpolitik und musste per Verfassungsbeschluss nur vor dem Kaiser Rechenschaft ablegen. Bevor Gesetzte und Regierungsakte des Kaisers in Kraft traten, mussten sie vom Reichskanzler abgesegnet werden. Grundlegende Fragen bei der Ausgestaltung der deutschen Verfassung, selbst in der Heeresfrage, wurden von Bismarck in der Schwebe gehalten.


Zitat des Tages:
Wer auf der Stelle tritt, kann nur Sauerkraut fabrizieren. (Peter Ustinov)
u4u|Gunner
17.4.1961: Schweinebucht



Seit zwei Jahren mussten die USA nun schon mit anschauen, wie sich in ihrem Hinterhof auf der Zuckerrohrinsel Kuba die Revolution des Fidel Castro etablierte und in alle Bereiche der Politik, der Wirtschaft und der Gesellschaft vordrang. Castro betrieb intensiv die Vertiefung der Beziehungen zur Sowjetunion und verteufelte gleichzeitig die USA. Die Enteignung und Verstaatlichung US-amerikanischen Eigentums auf der Insel schritt voran. In vielen anderen lateinamerikanischen Staaten wurden derartige Maßnahmen mit Sympathie beobachtet, die Rolle der USA wurde im Lichte nicht nur der kubanischen Ereignisse immer kritischer beleuchtet.

Einen vorläufigen Tiefpunkt erreichten die kubanisch-amerikanischen Beziehungen gleich zu Beginn des Jahres 1961, als Castro am 2. Januar die USA aufforderte, das Botschaftspersonal innerhalb von 48 Stunden von 87 auf elf US-Amerikaner zu reduzieren. 80 Prozent der insgesamt 300 Botschaftsangestellten würden für das FBI spionieren, so der Vorwurf Kubas. Daraufhin brach die Eisenhower-Administration die diplomatischen Beziehung ganz ab und forderte alle US-Bürger auf, Kuba zu verlassen.

Kuba scheiterte im UN Sicherheitsrat mit dem Versuch eine Resolution gegen die USA durchzubringen. Angeblich war die Invasion Kubas bereits beschlossene Sache, und sowohl in Florida als auch in Honduras und Guatemala würden amerikanische Söldner trainieren, so der Vorwurf Castros.

Die Anschuldigungen nahmen in der Folgezeit an Schärfe zu: Die kubanische Presse berichtete von der Verhaftung von Terroristen, die aus dem kubanischen Exil eingeschleust worden seien. Es folgte eine Welle der Verhaftungen gegen mutmaßliche Agenten und Dissidenten. Kuba machte mobil, da die Invasion noch vor der Amtsübernahme von Präsident Kennedy am 20. Januar 1961 befürchtet wurde. Dazu kam es nicht, aber auch nach dem John F. Kennedy ins Weißen Haus eingezogen war entspannte sich die Lage keinesfalls.

Auch Vermittlungsversuche von Seiten Argentiniens wurden von beiden Seiten abgelehnt: Kuba hielt die USA auf Grund ihrer offiziellen Äußerungen für nicht verhandlungsbereit, und Washington stellt im Gegenzug die Bedingung, Castro müsse sich zunächst von den imperialistischen Maximen der Sowjetunion und Chinas distanzieren.

Unterdessen hatte das kubanische Exil in den USA begonnen, innere Spaltung und Rivalitäten zu überwinden. Ende März fand in Miami ein Treffen zweier verfeindeter Gruppierungen statt, die sich zu einer vereinigten Front zusammenschlossen und von Florida aus die kubanische Bevölkerung zur Revolte gegen Castro aufrief.

Im Hintergrund trainierten bereits seit Mai 1960 kubanische Gurrilias in sieben verschiedenen Camps in Guatemala, und zwar unter Aufsicht eines US-Offiziers. Amerikanische Piloten übernahmen die Schulung kubanischer Flieger. Unter Eisenhower waren die Pläne zur Invasion Kubas bereits weit ausgereift, doch sein Nachfolger im Weißen Haus gegen ein derartiges Vorhaben. Kennedy versprach lediglich, kubanische Rebellen mit Schiffen und Ausrüstung zu unterstützen. Auf diese Weise sollten die Rebellen auf die Insel gelangen und dort die Reihen der Castro Gegner verstärken.

Doch die Rechnung ging nicht auf. Die Landung in der Schweinebucht scheiterte. 500 Rebellen drangen in das Landesinnere vor, wo sie auf eine 20.000 Mann starke kubanische Truppe trafen, die die Invasion innerhalb von 24 Stunden beendete. Über 1000 Rebellen kamen in kubanische Gefangenschaft, und Castro versuchte einen Monat später, sie gegen 500 Bulldozer gewissermaßen auszutauschen, sozusagen als eine Art Wiedergutmachung für die durch die Invasion entstandenen Schäden.

Die Regierung Kennedy ging auf diesen Tausch nicht ein, unterstütze aber die Bemühungen eines Bürgerkomitees, Geld zu sammeln, um die Bulldozer zu finanzieren. Auch diese Mission scheiterte, Castro stellte laufend neue Bedingungen und erhöhte seine Forderungen.

Die Verwicklungen der CIA in die gescheiterte Landung in der Schweinebucht wurden später nur spärlich untersucht. Die kubanischen Exilorganisationen in den USA beschuldigten zwar die CIA, durch übereiltes Handeln zum Scheitern beigetragen zu haben. Präsident Kennedy beeilte sich jedoch, persönlich die politische Verantwortung für die fehlgeschlagene Invasion zu übernehmen, und somit die CIA aus der öffentlichen Diskussion zu nehmen.

Die gescheiterte Landung in der Schweinebucht brachte international eher dem Castro Regime Sympathien ein. In den folgenden Tagen fanden in Europa und Lateinamerika antiamerikanische Massenkundgebungen statt, die größte von ihnen in Mexiko, wo am 21. April 15.000 Castrosympathisanten auf die Straße gingen; in Montevideo waren es am selben Tag 8000 Demonstranten. Auf Kuba selbst hingegen fand in den folgenden Monaten eine Welle der Verhaftungen statt, der sich einige zum Teil hochrangige Regierungsbeamte allein dadurch entziehen konnten, in dem sie in lateinamerikanischen Botschaften um Asyl ersuchten.

Autorin: Mirjam Gehrke für kalenderblatt.de


Außerdem am 17.April:


17.4.1894: Nikita Sergejewitsch Chruschtschow (†11.9.1971)

Russischer Politiker. Nikita Chruschtschow wurde als Sohn eines Arbeiters in Kalinowka geboren. 1935 wurde er Mitglied des Zentralkommités der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (ZK der KPdSU) und 1939 Politbüromitglied. Dank seiner Zurückhaltung überstand er die "Säuberungen" Stalins. Im Zweiten Weltkrieg war Chruschtschow politischer Kommissar und Erster Sekretär der Ukrainischen Parteiorganisation. Nach dem Tod Stalins (1953) wurde er Erster Sekretär des ZK und 1958 Ministerpräsident. Er rechnete auf dem XX. Parteitag 1956 mit den Verbrechen Stalins ab. In Ungarn setzte Chruschtschow Panzer zur Niederschlagung des Volksaufstandes ein. Dem Westen gegenüber verfolgte er trotz Berliner Mauer (1961) und Kuba-Affäre (1962) einen Kurs der "friedlichen Koexistenz", der zum Bruch mit China führte. Chruschtschow wurde 1964 entmachtet und von Leonid Iljitsch Breschnew abgelöst.

17.4.1521: Luther angeklagt

Luther wurde unter Anklage des Hochverrats dem Kaiser im Reichstag zu Worms vorgeführt und verteidigte seine reformatorische Lehre mit den Worten "Gott helfe mir, Amen." Die Fahrt Luthers nach Worms glich einem Triumphzug, denn er wurde mit Begeisterung in der Stadt empfangen. Sein Auftreten während der Verteidigung seiner Thesen, die er 1520 in Wittenberg veröffentlicht hatte, wird in historischen Schriften als sachlich, klug und überlegt beschrieben. Er musste zwei Mal vor dem Kaiser erscheinen, jedes Mal wurde ihm nahe gelegt, seine Lehren zurück zu nehmen. Ein Schutzbrief gewährte Luther nach dem Prozess für 21 Tage freies Geleit. Danach verhängte der Kaiser ein Edikt, das ihn für "vogelfrei" erklärte. Fürst Friedrich der Weise rettete Luther, indem er Luther entführen ließ, ihn in Schutzhaft nahm und auf die Wartburg bei Eisenach brachte.


Zitat des Tages:
Bist du nüchtern, biste schüchtern - bist du voll, biste toll. (Flappo Fatzke)
u4u|Gunner
20.4.1999: Attentat in Littleton



Um 11 Uhr 30 Ortszeit stehen die Telefone der Notrufzentrale in Littleton nicht mehr still. Aufgebracht melden die Anrufer Schüsse an der Columbine Highschool. Die Schüler Eric Harris und Dylan Klebold, 17 und 18 Jahre alt, stürmen schwer bewaffnet das Gebäude und schießen auf jeden, der ihnen über den Weg läuft.

In 50 Minuten töten sie zwölf Schüler und einen Lehrer. Anschließend begehen sie Selbstmord. Eine Überlebende erinnert sich: "Ich sah aus dem Fenster und sah die beiden Trenchcoats, die noch auf dem Parkplatz Bomben warfen. Dann erschossen sie ein Mädchen vor der Eingangstür. Dann kam einer in die Bibliothek und tötete alle um mich herum und hielt mir eine Waffe ins Gesicht. Ich begann zu weinen und flehte um mein Leben. Daraufhin tötete er ein Mädchen neben mir durch einen Kopfschuss. Dann schoss er einem farbigen Jungen ins Gesicht, nur weil er schwarz war. "

In der Cafeteria hatten Eric und Dylan Bomben versteckt. Zum Glück gehen diese nicht hoch, sonst hätte es womöglich hunderte Opfer gegeben. Die Beiden sind gute Schüler und stammen aus geordneten Familienverhältnissen. Doch sie gelten als Außenseiter. Ähnliches gilt für den Deutschen Robert Steinhäuser, der im April 2002 am Erfurter Gutenberg-Gymnasium 16 Menschen erschießt.

Ursachenforschung

Dr. Frank Robertz beschäftigt sich als wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Gewaltprävention und angewandte Kriminologie in Berlin mit Tötungsdelikten bei Jugendlichen. Er hält die Suche nach Anerkennung für eine zentrale Motivation solcher Taten: "Die glauben keinen Platz in der Gesellschaft zu finden und sich nur durch Gewalt konstituieren zu können und wollen dann sozusagen mit einem letzten großen Gewaltakt demonstrativ aus dem Leben scheiden. Wir sehen ja am Beispiel Steinhäuser, am Beispiel Columbine und vielen, vielen anderen, dass die Jugendlichen dann über lange Zeit auf den großen Illustrierten abgebildet sind, und damit haben sie letztlich ihr Ziel erreicht."

Aus den Tagebüchern der Täter in Littleton geht hervor, dass sie den Amoklauf bereits ein Jahr vorher geplant und die Abläufe der Schule akribisch studiert haben. An die Waffen gelangen die beiden Teenager problemlos über volljährige Freunde - in mehr als jedem zweiten US-amerikanischen Haushalt gibt es Schusswaffen.

Prävention und Lösungsansätze

In seinem Oscar prämierten Dokumentarfilm "Bowling for Columbine" macht Michael Moore die Waffenindustrie für das Schulmassaker verantwortlich. Wie die meisten Amokläufer konsumierten die Täter von Littleton aber auch Gewalt verherrlichende Videofilme und Computerspiele, sogenannte Egoshooter. Insbesondere aus der Politik wird daher bei jedem neuen Gewaltfall an Schulen ein Verbot solcher Killerspiele gefordert.

Einige der US-amerikanischen Bundesstaaten setzen seit dem Massaker von Littleton auf schärfere Sicherheitskontrollen und Waffengesetze. Überwachungskameras und Durchleuchtungsgeräte gehören vielerorts zum Schulalltag. In Deutschland wird die Polizei nun besser auf solche Amokläufe trainiert und die Schulpsychologie fortgebildet. Doch Taten wie in Emsdetten, Blacksburg/Virginia, im finnischen Kauhajoki und in Winnenden zeigen, dass die Prävention solcher Massaker eine langwierige, gesamtgesellschaftliche Angelegenheit bleiben wird.

Autor unbekannt


Außerdem am 20.April:


20.4.1808: Napoléon III. (†9.1.1873)

Eigentlich Charles Louis Napoléon Bonaparte, Kaiser von Frankreich von 1852 bis 1870. Er wurde in Paris als dritter Sohn von Louis Bonaparte, einem Bruder Napoléons I., geboren. Napoléon III. wurde parlamentarisch zum Präsidenten der Zweiten Republik gewählt. Da eine zweite Amtszeit von der Verfassung ausgeschlossen war, führte er einen Staatsstreich durch. In der ersten Phase seiner Regierung, dem "Empire autoritaire", betrieb er nach innen eine autoritäre, nach außen eine expansionistische Politik. In der zweiten Hälfte seiner Regierungszeit, im "Empire libéral", sah er sich zur Abkehr von seinem autoritären Kurs und zur Einleitung liberaler Reformen gezwungen. Nach der französischen Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg 1870 geriet Louis Napoléon am 2. September in preußische Gefangenschaft. Am 4. September 1870 wurde sein Regime gestürzt. Napoléon III. starb im Exil in Chislehurst (England).

20.4.1792: Frankreich erklärte Österreich-Ungarn den Krieg

Ludwig XVI., König von Frankreich, erklärte auf Druck der Girondisten Österreich den Krieg. Preußen stellte sich auf die Seite Österreichs. Das Königreich Sardinien, Baden und Hessen-Kassel traten der Koalition im September bei. Am 25. Juli 1792 veröffentlichte der Oberbefehlshaber der preußisch-österreichischen Truppen, Herzog Karl Wilhelm Ferdinand, das "Koblenzer Manifest", in dem die Koalition die Wiedereinsetzung einer legalen Regierung, eines Königs, in Frankreich forderte und mit dem die Koalition ihren bevorstehenden Einmarsch in Frankreich rechtfertigte. In Frankreich bewirkte das Manifest eine weitere Radikalisierung der Revolution, so den Sturm auf die Tuilierien, und eine Zunahme des Nationalgefühls.


Zitat des Tages:
Wichtiger als ein Kunstwerk selbst, ist seine Wirkung. Kunst kann vergehen, ein Bild zerstört werden. Was zählt ist die Saat. (Joan Miró)
u4u|Gunner
22.4.1945: Kampf um Berlin beginnt



Renate Scholz: "Seit ein paar Tagen hörten wir es schon von Ferne schießen. Deshalb machten wir uns auf alles gefasst. Für den Lebensmittelvorrat zimmerte mein Vater eine Kiste zurecht. Alle Flaschen, die leer waren, wurden mit abgekochtem Wasser gefüllt und in den Keller gebracht."

Renate Scholz ist neun Jahre alt als sie diese Zeilen schreibt. In einem Schulaufsatz berichtet sie über die letzten Tage des Krieges. Nacht für Nacht, immer wieder in den Luftschutzkeller. Noch heute erzählt sie davon:

Renate Scholz: "Man ging mit Schulmappe, Lieblingspuppe, Lederschuhen, Gummischuhen, zwei Mal Mäntel, zwei Mal Wäsche. So ging man in Keller und jeder wusste, was er zu greifen hatte und schlaftaumlig, wie man war, hat man das geschafft noch das eine Bein über ein so ganz großes dickes Rohr zu nehmen."

Auch ihre ältere Schwester hat einen Schulaufsatz geschrieben. Helga Neugebauer war damals 13 und auch sie schildert einen Bombenangriff:

"Am Sonntag waren wir gerade beim Mittagessen, als plötzlich ein ohrenbetäubendes Brausen in der Luft zu hören war. Wir sahen uns alle entsetzt an. Das Brausen wurde stärker. Man spürte, wie die Erde von einer ungeheuren Kraft angezogen wurde. Darauf ein gewaltiges Krachen und Bersten, Fensterflügel sprangen auf, Scheiben klirrten, man konnte vor Staub und Dreck nichts sehen. Meine jüngere Schwester suchte bei meiner Mutter Schutz. Ich selbst kroch, ich weiß nicht wie, vor Angst unter den Tisch. Als der Staub und Dreck verflogen war, sahen wir, was passiert war. Eine Fliegerbombe war in dem uns schräg gegenüberstehenden Hause eingeschlagen. Während meine Eltern die Fenster vernagelten, machten wir Kinder, dass wir in den Keller kamen."

Alltag in den letzten Kriegstagen in der Reichshauptstadt. Die Menschen verbringen die meiste Zeit im Luftschutzkeller. Jeden Abend neue Bombenangriffe, brennende Häuser, oft wird es kaum richtig hell. Im Hintergrund ist immer das Donnergrollen zu hören. Auf der Straße liegen Trümmer, Panzersperren werden errichtet. Die Kinder müssen längst kaum noch zur Schule. In Berlin herrscht Chaos.

Die beiden Schwestern Renate und Helga haben das Bild noch vor sich: "Gespenstisch. Ja und froh, dass das eigene Haus noch steht. Und dann war man natürlich froh, wenn es nur nebenan krachte. Nur nebenan krachte, ja. Oder, dass wir dann doch noch ne Wohnung hatten, wo wir dann durch die Tür gehen konnten und sie zumachen konnten. Fenster waren ja schon zugenagelt."

Doch die Propaganda tönt weiter. Obwohl kaum noch jemand daran glaubt, wird im Reichsrundfunk weiter der Führerkult betrieben: "An der Spitze der Verteidigung Berlins steht unser Führer. Diese Tatsache schon allein gibt dem Kampf um Berlin sein einmaliges und entscheidendes Gesicht. Wie in der Kampfzeit, wie immer in seinem ganzen Leben, weicht der Führer der letzten Entscheidung nicht aus, sondern stellt sich unter Einsatz seiner ganzen Person an die Spitze des Kampfes."

Die Schwestern: "Mein Vater kam dann nach oben an unser Bett und sagte: 'Der Krieg ist aus. Hitler ist tot.' Und wir drehten uns um und sagten: 'Ist das schön', obwohl wir keine Vorstellung hatten, was das bedeutet, dass nun jetzt kein Krieg mehr ist. Das wir jetzt das Bewusstsein hatten, es ist aus. Was da aus ist, die Schwere des Ganzen, das hatte man natürlich als Kind lange nicht so begriffen. Aber das es besser werden sollte, das stand so da drüber."

Danach, erzählt Renate Scholz, konnten sie nach Tagen erstmals wieder beruhigt schlafen. Auf einmal war wieder Hoffnung da. Auch die Angst vor den Russen, die allgegenwärtig war, war für einen kurzen Moment verflogen. Schon ein paar Tage später zogen die Russen auch in die Straße von Helga und Renate auf dem Prenzlauer Berg ein.

Autor: Gábor Halász für kalenderblatt.de


Außerdem am 22.April:


22.4.1870: Wladimir I. Lenin (†21.1.1924)

Eigentlich Wladimir Iljitsch Uljanow, russischer und sowjetischer Politiker. Wladimir Iljitsch Lenin wurde in Simbirsk/Russland geboren. Er studierte Rechtswissenschaft. Lenin gründete den "Kampfbund zur Befreiung der Arbeiterklasse". Er wurde wegen seiner politischen Tätigkeit verhaftet und verbannt. 1912 wurden die "Bolschewiki" eine eigenständige Partei unter Führung Lenins. Sie übernahm am 25. Oktober 1917 in der "Oktoberrevolution" die Macht. Lenin wurde Vorsitzender im Rat der Volkskommissare und Regierungschef. Am 30. Dezember 1922 wurde auf seine Initiative die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) gegründet. In seinem Testament hatte Lenin der Partei geraten, Stalin, der 1922 das Amt des Generalsekretärs der Partei übernommen hatte, abzusetzen.

22.4.1995: Foreman blieb Weltmeister

Der US-Boxer George Foreman besiegte seinen deutschen Herausforderer Axel Schulz nach Punkten und blieb damit Schwergewichtsweltmeister. Die Entscheidung der Ringrichter stieß beim Fachpublikum auf Unverständnis: Einer der Richter wertete unentschieden 114:114, ein zweiter und auch ein dritter Richter wertete jeweils 115:113 für Foreman. Schulz war der Verlierer des Abends, obwohl er dem Altmeister während des Kampfes überlegen schien. Kurz nach dem Kampf legte Foreman den IBF-Weltmeistertitel nieder – somit musste er nicht noch einmal gegen Axel Schulz antreten. Und Axel Schulz kämpfte weiter gegen Glücklosigkeit an und ließ sich auch von vergebenen Chancen nicht entmutigen.


Zitat des Tages:
Sage mir, wer dich lobt, und ich sage dir, worin dein Fehler besteht. (Wladimir I. Lenin)
u4u|Gunner
23.4.1893: Eröffnung des "Maxim's"



Wenn ein Komponist ein Restaurant in einer Operette verewigt, muss es etwas ganz besonderes sein. Das Maxim's in Paris, in das Franz Lehar seinen Grafen Danilo schickt, ist es allemal. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1893 trifft sich dort die große Gesellschaft von Paris. Oder das, was sich dafür hält.

Überhaupt lebt das Maxim's vom schönen Schein. So ist der Gründer Maxim Gaillard auch kein Gastronom oder reicher Investor. Er ist Kellner mit ein paar Ersparnissen. Ein Zufall bringt ihn auf die Idee, sich selbständig zu machen. In der Rue Royale Nr. 3 ist ein Eissalon in Konkurs gegangen. Die Adresse ist erstklassig, im Herzen von Paris nahe der Place de la Concorde. Gaillard greift zu und tauft sein neues Restaurant auf seinen eigenen Namen: Maxim's.

Im Paris der Belle Epoque brodelt das Leben. Der liberale Geist der Dritten Republik mischt sich mit der Eleganz des letzten Kaiserreiches. Was chic ist in Europa, diktiert nach wie vor Ex-Kaiserin Eugenie. Besonders zur Rennsaison im Frühjahr treffen sich die Schönen und Reichen in Paris, und die neue In-Adresse heißt Maxim's.

Hier macht Paris seinem Ruf als Hauptstadt der Sinnlichkeit alle Ehre. Die "Cocottes" umgarnen die reichen Kavalliere. Die schönen Damen gehen auf der Jagd nach Profit reichlich freizügig mit ihren Reizen um. Besonders gut zahlende Herren runden im Maxim's ihr Souper mit einem besonderen Nachtisch ab: Sahnehäubchen, serviert auf einer unbekleideten Schönen.

Eine Dame, der an ihrem Ruf gelegen ist, darf das Maxim's darum niemals ohne Begleitung ihres Vaters oder Ehemannes betreten. Immerhin sorgen die exorbitanten Preise dafür, dass unter den männlichen Besuchern des Maxim's nur Angehörige der höchsten Kreise zu finden sind. Kronprinz Eduard von England, Sohn der langlebigen Queen Victoria, überbrückt hier die nicht enden wollende Wartezeit bis zur Thronbesteigung. Am liebsten trinkt er am berühmten Tisch Nr. 16, dem Königstisch, Champagner aus den Stöckelschuhen seiner Begleiterinnen.

Maitre d'Hotel Msr. Claude: "Bonsoir Madame, bonsoir Monsieur. Seutez-vous une apperetive? Une coup de champagne ou un Kir royale ou un Porto ou un whisky?"

Die Floskel, mit der der Chefkellner neue Gäste begrüßt, hat sich in über 100 Jahren nicht verändert, ebensowenig wie die üppige Jugendstilausstattung mit den gemalten Nymphen und den roten Samtsofas. Auch heute noch geht zu Maxim's, wer dazugehören möchte, aber so richtig doch nicht dazugehört. Roger Peyrefitte formuliert es in einem seiner Romane:

"Paris ist eine h*re. Bei Maxim's verkehren Leute, die nicht zu Tout-Paris gehören, und zu Tout-Paris gehören Leute, die nicht bei Maxim's verkehren. Und vor allem: Es gibt mehrere Tout-Paris, die ihre Treffpunkte haben wie das Maxim's. Und ein anderes Tout-Paris, das nirgendwo hingeht. Jeder, der zu einem dieser Tout-Paris gehört, glaubt, seins sei das richtige. Und das am wenigsten richtige ist immer jenes, über das gerade am meisten geredet wird."

Das Maxim's der Nachkriegszeit hat auf seiner Gästeliste Namen wie Aristoteles Onassis, Maria Callas und Salvator Dali. Heute zeigen sich hin und wieder Mitglieder der monegassischen Fürstenfamilie dort. Der Abglanz der großen Welt reicht für das Maxim's allerdings schon lange nicht mehr zum Überleben. Haupteinnahmequelle sind heutzutage zahlungskräftige Touristen.

Seit 1981 gehört das Restaurant zum Imperium des Modeschöpfers Pierre Cardin. Der hat den berühmten Maxim's-Schriftzug in den goldenen Jugendstil-Lettern an verschiedene Lizenznehmer verkauft. Seither ziert er ein Parfum, eine Champagnermarke und eine Eiscremesorte. Im Restaurant feuert kein Orchester mehr zum Can-Can an. Eine Mini-Combo intoniert Amerikanisches.

Auch wenn das Maxim's in dem Restaurantführer, der die begehrten Sterne vergibt, nicht einmal erwähnt wird - die Küche gilt als erstklassig. Spezialität des Hauses ist junger Steinbutt in Senfsauce. Fürstlich allemal sind die Preise. Für etwa 800 Euro kann sich der betuchte Tourist die Illusion erkaufen, wenigstens eine Mahlzeit lang der großen Welt ganz nahe gewesen zu sein.

Autorin: Catrin Möderler für kalenderblatt.de


Außerdem am 23.April:


23.4.1564: William Shakespeare (†23.4.1616)

Britischer Dramatiker und Dichter. Shakespeare gilt als der bekannteste und meistgespielte Dramatiker in englischer Sprache. Er wurde in Stratford-upon-Avon geboren. Um 1594 gehörte er der Schauspiel-Truppe Richard Burbages an, später erwarb er das Blackfriar´s Theatre. In Shakespeares erste Schaffensperiode fallen u.a. der erste Historienzyklus, Verwechselungskomödien und "Titus Andronicus". In der zweiten Periode schrieb er u.a. die romantische Tragödie "Romeo und Julia" und der "Sommernachtstraum". In der dritten Schaffensphase entstanden u.a. die Tragödien "Julius Cäsar" und die Komödie "Maß für Maß". In seiner letzten Periode schrieb er die Romanzen "Ein Wintermärchen" und "Der Sturm". In Stil und Thematik lehnte sich Shakespeare an Petrarca an. In den Tragödien distanziert er sich jedoch von der griechischen Tragödie.

23.4.1516: Reinheitsgebot für Bier

Mit einem Erlass bewirkte Herzog Wilhelm IV., dass das Reinheitsgebot für Bier in ganz Bayern zu gelten habe. Das Reinheitsgebot legte fest, aus welchen Bestandteilen Bier gebraut werden darf, nämlich aus Hopfen, Malz, Hefe und Wasser. Schon Wilhelms Vater, Albrecht IV. von Bayern, hatte 1487 dafür gesorgt, dass die Münchner Bierbrauer eine verbindliche und einheitliche Brauordnung einhalten mussten. Die Verwendung anderer Stoffe wurde fortan verboten und Zuwiderhandlungen wurden bestraft. Seitdem ist Bayern für seine Biere weltberühmt. Erst in der "Weimarer Republik" zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Reinheitsgebot auf das gesamte Deutsche Reich ausgeweitet. Es gilt als das älteste Lebensmittelgesetz der Welt.


Zitat des Tages:
Jedes Ding wird mit mehr Genuss erjagt als genossen. (William Shakespeare)
u4u|Gunner
25.4.1983: Angebliche Hitler-Tagebücher



Die Weltsensation ist perfekt: Der "Stern"-Journalist Gerd Heidemann hat 'Hitlers Tagebücher' gefunden, nach dreijährigen Recherchen. Aufgrund des sensationellen Fundes schlussfolgert der "Stern": "Die Geschichte des Dritten Reiches wird in großen Teilen neu geschrieben werden", und Chefredakteur Peter Koch triumphiert, es sei die "größte journalistische Sensation der Nachkriegszeit".

Wie die Illustrierte berichtet, hat Hitler von Juni 1932 bis Mitte April 1945 über 60 Tagebücher geschrieben. Die verschnürten schwarzen Kladden waren mit Reichsadler und Hakenkreuz versiegelt. Diese hätten zusammen mit anderen Unterlagen im April 1945 von Berlin aus mit dem Flugzeug auf den Obersalzberg gebracht werden sollen. Eine der damals gestarteten Maschinen ist nach Darstellung des "Stern" in der Nähe von Dresden abgestürzt, es gäbe Augenzeugen des Absturzes, die erste Hinweise auf Inhalt und Verbleib der Maschinenladung gegeben hätten.

"Stern"-Chefredakteur Peter Koch: "An der Echtheit der Tagebücher kann nicht gezweifelt werden. (...) Viel Feind, viel Ehr. (...) Sie als Leser braucht das nicht zu stören. Die Tagebücher sind echt, unsere Beweise seriös und zahlreich!"

Belegt worden sei die Echtheit der Tagebücher durch "renommierte Schriftsachverständige und Historiker".

Doch von Anfang an wird die Echtheit bezweifelt. Ist es ein Werbegag, eine politische Zeitbombe oder eine hochkarätige Fälschung? Stammen die Tagebücher vom KGB, wie es der französische "Figaro" annimmt? Sind sie ein Machwerk von Neonazis, wie die Akademie der Wissenschaften in Moskau vermutet, oder sind sie ein ostdeutsches Stasi-Produkt - so die Theorie des britischen Ex-Geheimdienstlers George Young, die der Historiker Werner Maser noch unterstützt:

"In der DDR gibt es eine Fälscherwerkstatt, in der Hitler-Bilder, Hitler-Briefe, Hitler-Notizen produziert werden für den Verkauf als Devisenbringer."

Die Diskussion um die angeblichen Ergüsse des Diktators füllt weltweit die Tageszeitungen und Fernsehkanäle, denn Gründe für die Zweifel gibt es genug: In der gesamten Literatur über das so genannte Dritte Reich gibt es keinen einzigen Hinweis darauf, dass Hitler derartige Notizen gemacht hat und dass ihn jemand beim Schreiben beobachtet hätte.

Hitler habe jegliche handschriftlichen Eintragungen vermieden, denn durch die Parkinsonsche Krankheit habe er gezittert. Andere sagen, Hitler sei durch das Attentat vom 20. Juli 1944 am rechten Arm verletzt worden und seither behindert gewesen. Deshalb habe er seine Texte immer diktiert. Obendrein entsprächen die Texte nicht dem Stil Hitlers.

Die "Sunday Times" will auf einen Abdruck der Tagebücher verzichten, so lange die Echtheit nicht bestätigt ist. Die Zeitung ist in dieser Beziehung allerdings ein gebranntes Kind, kaufte sie doch 1967 die von zwei älteren Damen gefälschten Tagebücher Benito Mussolinis.

Erst nach Drängen der Öffentlichkeit lässt der "Stern" die Tagebücher von einer Expertengruppe des Koblenzer Bundesarchivs, des Bundeskriminalamts und der Bundesanstalt für Materialprüfung untersuchen.

Die Analyse ergibt: Die verwendeten Materialien konnten in den betreffenden Jahren noch nicht vorliegen: Substanzen im Papier waren vor 1955 noch nicht auf dem Markt, weder die Ledereinbände noch die Heftfäden, Tinte oder Klebstoff existierten in jenen Jahren, als Adolf Hitler angeblich die Tagebücher schrieb. Außerdem sei das Siegel unecht, ein Initial verkehrt und die Schrift gefälscht. Inhaltlich und formal, so das Ergebnis der Expertise, handelt es sich um eine Fälschung.

"Stern"-Journalist Gerd Heidemann wird fristlos entlassen. Herausgeber Henri Nannen erklärt, er könne sich den Bedenken des Bundesarchivs nicht entziehen und gesteht ein: "Wir haben Grund, uns vor unseren Lesern zu schämen für das, was passiert ist."

Die "Stuttgarter Nachrichten" sind die ersten, die den Fälscher enttarnen: Konrad Kujau alias Konrad Fischer, Militariahändler und eine Stuttgarter Halbweltgröße, die stets im braunen Ledermantel und kleinkariertem Hut auftritt. Am 26. Mai 1983 gesteht Kujau die Tat. Er wird verhaftet und sagt gegenüber dem "Spiegel": "Das ist keine Fälschung, das ist eine Gaudi."

Für die Gaudi hat Kujau vom "Stern" nach Angaben Heidemanns über 9,3 Millionen D-Mark erhalten. Dagegen steht die Aussage Kujaus, 'nur' 2,7 Millionen bekommen zu haben. Über die Differenz herrscht bis heute Unklarheit. Hat Heidemann die Millionen für Nazi-Devotionalien verwendet? Schließlich ist er bekannt für seine Nazi-Leidenschaft - bereits 1973 hatte er sein Haus versetzt, um die Carin II, eine Yacht Hermann Görings, zu kaufen. Auf dem Prozess ist von Scheckbuchjournalismus die Rede und die journalistische Sorgfaltspflicht, die der Stern vermissen ließ, ist auch Thema des Prozesses.

Das Gericht in Hamburg verurteilt Reporter Heidemann zu vier Jahren und acht Monaten Freiheitsstrafe, Fälscher Kujau erhält vier Jahre und sechs Monate Haft. Chefredakteur Koch kommt mit der Blamage und einer fetten Abfindung davon.

Was zur größten journalistischen Sensation der Nachkriegszeit werden sollte, ging als bislang größter Presse-Flop aller Zeiten in die Geschichte ein.

Autorin: Sabine Ochaba für kalenderblatt.de


Außerdem am 25.April:


25.4.1940: Al Pacino

Eigentlich Alfredo James Pacino, US-amerikanischer Filmschauspieler. Bereits während der Schulzeit fiel Pacinos schauspielerisches Talent auf. 1967 feierte er erste Erfolge mit Israel Horowitz' Off-Broadway-Stück "The Indian Wants the Bronx". Eine Hauptrolle in Francis Ford Coppolas "Der Pate" brachte ihm die erste Oscar-Nominierung und den Durchbruch als Hollywood-Schauspieler. Auch die beiden folgenden "Paten"-Filme wurden Welterfolge, ebenso wie Pacinos Darstellung eines korrupten Polizisten in "Serpico" (1974). 1996 betätigte er sich erstmals selbst als Regisseur, als er eine Neuinterpretation des Shakespear-Dramas "Richard III. unter dem Titel "Al Pacino's Looking for Richard" in die Kinos brachte.

25.4.1990: Anschlag auf Lafontaine

Auf den saarländischen Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine wurde bei einer Wahlkampfveranstaltung in Köln ein Attentat verübt. Eine geistig verwirrte Frau attackierte den Kanzlerkandidaten der SPD mit einem Messer - der Politiker wurde lebensgefährlich verletzt. Er überlebte den Angriff und konnte bei der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl 1990 gegen Bundeskanzler Helmut Kohl antreten – und verlor. Nach dem Sieg der SPD bei den Bundestagswahlen 1998 wurde Lafontaine zum Finanzminister ernannt. Im Frühjahr 1999 erklärte er überraschend und zunächst ohne Angabe von Gründen seinen Rücktritt vom Amt des Vorsitzenden der SPD und vom Amt des Bundesfinanzministers.


Zitat des Tages:
Ein Mann kommt am weitesten, wenn er nicht weiß, wohin er geht. (Oliver Cromwell)
u4u|Gunner
27.4.1972: Misstrauensantrag gegen Willy Brandt



Das erste Misstrauensvotum in der Geschichte der Bundesrepublik war gescheitert. Vorangegangen war eine Zitterpartie, bei der sich niemand des Ausgangs sicher sein konnte. Denkbar knapp dann auch das Ergebnis: Zwei Stimmen fehlten der CDU/CSU-Fraktion im deutschen Bundestag, um den amtierenden sozialdemokratischen Kanzler Willy Brandt aus dem Amt zu kippen. Der stellte erleichtert, aber nüchtern fest: "Das Scheitern des konstruktiven Misstrauensvotums zeigt, dass in diesem Hause eine Mehrheit für eine andere Bundesregierung nicht gegeben ist."

Der Regierungssturz war misslungen, die Probleme der sozialliberalen Koalition aber blieben bestehen. Schon bei Regierungsantritt drei Jahre zuvor hatte Willy Brandt nur eine dünne Mehrheit von zwölf Stimmen. Mit seiner neuen Ostpolitik, für die er den Friedensnobelpreis erhielt, schuf Brandt sich innenpolitisch Gegner - auch in den eigenen Reihen.

Der Gewaltverzichtsvertrag mit Moskau, die Anerkennung der Nachkriegsgrenzen Polens, und schließlich der Grundlagenvertrag mit der DDR, durch den der zweite deutsche Staat anerkannt wurde - diese Elemente der Ostpolitik stießen bei einigen nationalliberalen und konservativen Abgeordneten der Regierung auf Widerstand. Sie wechselten zu den Unionsparteien.

Misstrauensvotum

Die Opposition sah ihre Chance gekommen, sie wagte das Misstrauensvotum. In der Debatte am Tag der Abstimmung begründete Altkanzler Kurt Georg Kiesinger den Antrag: "Wir haben von der Möglichkeit eines Antrags zum Misstrauensvotum Gebrauch gemacht, nicht um die Macht zu erschleichen, sondern um eine Regierung abzulösen, die nach unserer Auffassung den Interessen des Volkes geschadet hat."

Als erster Regierungsvertreter wehrte Außenminister Walter Scheel die Vorwürfe Kiesingers ab. Für Scheel, der sich bis dahin weniger durch gute Reden als durch gute Laune profiliert hatte, war diese Rede auch eine Gelegenheit, seine rhetorischen Fähigkeiten zu beweisen. Vor allem mit den Überläufern rechnete er ab: "Sie wollen an die Regierung, ohne eine Bundestagswahl gewonnen zu haben. Sie hoffen auf Mitglieder dieses Hauses, deren Nervenkraft und Charakterstärke nicht ausreichen, in einer schweren Stunde zu ihrer Partei zu stehen oder ihr Mandat zurückzugeben. Was hier gespielt werden soll, ist ein schäbiges Spiel. Eine Regierung gegen Treu und Glauben hat unser Volk nicht verdient."

Kanzler Brandt verteidigte vor allem seine deutsch-deutsche Politik: "Aus der Bundesrepublik werden Verwandte und in Zukunft auch Bekannte nicht nur einmal, sondern mehrfach im Jahr in die DDR reisen können. Wir arbeiten uns im Interesse der Menschen, des Friedens und der Nation Schritt für Schritt voran. Ich sage: wo standen wir denn eigentlich bis vor wenigen Jahren? Und ich frage in allem Ernst: Wollen Sie, wollen wir dies alles in Gefahr bringen? Das kann ich mir nicht vorstellen."

Der Weg von Brandt und Scheel

Es ging um alles. Sogar im Rollstuhl ließ sich ein schwerkranker Abgeordneter zur Stimmabgabe schieben. Der Opposition half es nichts, zwei Stimmen fehlten Barzel zur Mehrheit. Doch hatte nach dem Misstrauensvotum auch die Regierung keine Mehrheit mehr, wie eine Abstimmung im Haushalt am folgenden Tag zeigte. Zwar konnten der Moskauer und der Warschauer Vertrag noch ratifiziert werden, doch ohne Mehrheiten im Parlament war das Regieren schwer, wenn nicht gar unmöglich.

So einigte man sich schließlich auf vorgezogene Neuwahlen, die zu einem Plebiszit für oder gegen die Ostpolitik wurden. Die Sozialdemokraten gewannen überzeugend, die SPD stellte erstmals die stärkste Fraktion im Bundestag. Die Bürger hatten sich für den Weg von Brandt und Scheel entschieden und damit nachträglich das Scheitern des konstruktiven Misstrauensvotums legitimiert.

Autorin: Gerda Meuer für kalenderblatt.de


Außerdem am 27.April:

27.4.2005: Airbus A380

Unter dem Jubel der Zuschauer startete im französischen Toulouse das Großflugzeug A380 zu seinem Erstflug. Der Airbus A380 ist das größte Verkehrsflugzeug aller Zeiten, das bis zu 800 Passagiere befördern kann. Der doppelstöckige Riese erinnert mit seinen zwei Gängen auf den beiden Decks mehr an ein Kreuzfahrtschiff als an ein Flugzeug. Etwa zwölf Milliarden Euro flossen in die Entwicklung des doppelstöckigen A380. Mehr als zehn Jahre forschten die Ingenieure aus ganz Europa an dem Superflieger. Größer, besser, wirtschaftlicher und umweltfreundlicher als alles bisher da gewesene sollte der neue Airbus sein. Die Ingenieure gingen bei dem Giganten der Lüfte an die Grenzen des herkömmlichen Flugzeugbaus.

27.4.1956: Rücktritt von Marciano

Der italo-amerikanische Boxer und Weltmeister im Schwergewicht Rocco Francis Marchegiano (Rocky Marciano) beendete seine Karriere. Seit 1952 war er Weltmeister. Er gewann alle seine Profikämpfe, die meisten durch knock-out. Er war der einzige Boxer der während seiner Profizeit ungeschlagen blieb. 1969 kam der Boxer bei einem Flugzeugabsturz auf dem Rückflug von einer Party ums Leben. Marciano sagte über das Siegergefühl: "Was gibt es Größeres, als durch irgendeine Straße in irgendeiner Stadt zu gehen und genau zu wissen, dass du der Champion bist."


Zitat des Tages:
Meinung wird letztlich durch Gefühle und nicht durch den Intellekt bestimmt. (Herbert Spencer)
u4u|Gunner
28.4.1945: Diktator Mussolini erschossen



Benito Mussolinis Ende beginnt im Sommer 1943, als die Alliierten auf Sizilien landen. Mussolini wird wegen seiner militärischen Misserfolge entmachtet und in einem Hotel in den Abruzzen gefangen genommen. Der König und das offizielle Italien kapitulieren, schlagen sich auf die Seite der Alliierten und erklären dem nationalsozialistischen Deutschland, dem ehemaligen Verbündeten, den Krieg.

Als Reaktion marschieren deutsche Truppen in Italien ein und besetzen innerhalb von zwei Tagen das Land. In einer spektakulären Aktion befreien sie Mussolini aus seinem Gefängnis in den Abruzzen und lassen ihn am Gardasee die Republik von Salò ausrufen - eine faschistische "Marionettenregierung" unter deutschem Schutz.

Unterdessen organisiert sich in der Bevölkerung die Resistenza, der italienische Widerstand, und arbeitet mit den Alliierten zusammen. Einer der Partisanen sagte später: "Am 19. Mai 1944 warfen die Alliierten die ersten Waffenkisten ab. Wir waren nur ca. 100 Personen und sind dadurch gut ausgerüstet worden. Konnten dadurch den Gegenangriff der ca. 1.000 Schwarzhemden abweisen, obwohl wir nur ungefähr zwölf Leute waren, aber gut postiert. Gemeinsam mit den nachrückenden Partisanengruppen konnten wir ihnen eine schwere Niederlage zufügen, wobei die Gegenseite erhebliche Opfer hatte."

Kapitulation

Als die Alliierten im Verlauf der nächsten Monate langsam nach Norden vorstoßen, geraten die Deutschen immer mehr in Bedrängnis, wie auch der Zeitzeuge berichtet: "In den Tagen des tausendfachen Rückzugs haben wir die deutschen Ausschilderungen verdreht. Mehrere deutsche Einheiten landeten so in Gegenden, in denen unsere Sabotagegruppe 'Demonio' bereits alle Brücken und Straßen gesprengt hatte. Etliche deutsche Soldaten gerieten in Gefangenschaft oder wurden von alliierten Tieffliegern getötet."

Ende März 1945 befreien die Partisanen Mailand und Mussolini sieht das Ende des Krieges nahen. Er versucht, mit den Partisanen zu verhandeln, doch sein Versuch scheitert am 25. April 1945. Unterdessen rücken die Alliierten weiter nach Norden vor und drei Tage später, am 28. April 1945, kapitulieren die deutschen Truppen in Italien.

Tod Mussolinis

Mussolini, verbittert und resigniert, entschließt sich, zusammen mit seiner Geliebten Clara Petacci in die Schweiz zu fliehen. Doch der Duce hat zu lange gezögert. Von einer Straßensperre der Partisanen wird er entdeckt und zusammen mit Clara Petacci hingerichtet. Tags darauf werden die Leichen nach Mailand transportiert und auf der Piazzale Loreto mit dem Kopf nach unten hängend dem Volk zur Schau gestellt.

Anschließend werden die Toten unter falschem Namen auf einem Mailänder Friedhof beigesetzt. Doch es wird noch eine Zeitlang dauern, bis Mussolinis Leichnam seine letzte Ruhestätte finden wird, denn ein Jahr später wird seine Leiche von einigen Faschisten geraubt und wochenlang auf der Flucht vor der Polizei von Ort zu Ort getragen. Schließlich werden die Behörden der Leiche habhaft.

Ein Rätsel bleibt

Mussolinis letzte Stunden sind Gegenstand eines Schwurgerichtsprozesses im Mai 1957 in Padua. Doch der Prozess bringt kaum Licht in die Vorgänge der letzten Apriltage 1945. Ungeklärt ist bis heute, wer Mussolini und seine Geliebte tatsächlich getötet hat. Der italienische Faschismus-Forscher Renzo de Felice stellte die kontrovers diskutierte These auf, nicht nur Partisanen seien beteiligt gewesen, sondern auch britische Geheimdienstagenten. Allgemein wird die Erschießung des Duce aber dem Widerstand zugeschrieben.

Die provisorische Ruhestätte Mussolinis in einem Kapuzinerkloster ist über zehn Jahre lang ein Staatsgeheimnis, um neofaschistische Demonstrationen und Aufmärsche zu vermeiden. Erst 1957 werden die sterblichen Überreste freigegeben und am 1. September im Beisein der Witwe Donna Rachele in der Familiengruft in Predappio bei Forli beigesetzt.

Autorin: Sabine Ochaba für kalenderblatt.de


Außerdem am 28.April:


28.4.1789: Meuterei auf der "Bounty"

Angeführt von Offizier Fletcher Christian meuterte die Besatzung des britischen Handelsschiffs "Bounty". Kapitän William Bligh und 18 Mann wurden auf einem Boot ausgesetzt. Bligh erreichte nach 48 Tagen die 6.500 Kilometer entfernte Insel Timor und kehrte nach England zurück. Die Meuterer fanden auf der abgelegenen Insel Pitcairn Zuflucht und verbrannten die "Bounty". Die Besatzung der "Bounty" war vor der Meuterei fünf Monate auf Tahiti gewesen und sollte Brotfruchtbaumpflanzen in die Karibik bringen, um billige Nahrung für englische Plantagensklaven produzieren zu können. Die Nachkommen der Meuterer leben noch heute auf Pitcairn.

28.4.1902: Manchester United

Einer der heute weltweit bekanntesten Fußballvereine wurde in Großbritannien gegründet: Der Manchester United Football Club. The Red Devils gingen aus dem 1878 entstandenen Verein Newton Heath hervor und sind nicht nur sportlich außerordentlich erfolgreich, sondern der Club hat Schätzungen zufolge auch den höchsten Marktwert der Spitzenvereine. So war 2008 Manchester United zum 17. Mal englischer Fußball-Meister. Auf dem heiligen Rasen des prunkvollen und mystischen Stadions "Old Trafford" laufen jede Woche millionenschwere Stars wie Wayne Rooney und Cristiano Ronaldo ein; das Stadion ist fast immer ausverkauft.


Zitat des Tages:
Der Optimist hat nicht weniger oft unrecht als der Pessimist, aber er lebt froher. (Charlie Rivel)